Albrecht IV. »der Weise«, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern

Albrecht IV., »der Weise«, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern, geb. 15. Dez. 1447 zu München, gest. daselbst 18. März 1508. Als drittältester von den nachgelassenen Söhnen Albrechts III., da nach einer behaupteten Anordnung desselben jedesmal die zwei ältesten Söhne gemeinschaftlich regieren sollten, zunächst aber ohne Aussicht auf politische Wirksamkeit und deshalb zum geistlichen Stande bestimmt, geht Albrecht nach Italien, um in Rom, Siena und Pavia zu studieren. Der Tod Herzog Johanns (18. Nov. 1463) ruft ihn nach Hause, wo er mit Klugheit und Ausdauer seine Annahme zum Mitregenten Sigmunds durchsetzt (10. Sept. 1465); doch bleibt es nicht lange hiebei, vielmehr bewegt Albrechts geistige Überlegenheit und Energie in Abstellung von Missbräuchen den bequemen Sigmund zum Regierungsverzicht (3. Sept. 1467). Nun erheben die jüngeren Brüder Christoph und Wolfgang Anspruch auf Mitregierung: diesem gefährlichen Begehren gilt es Widerstand zu leisten. Und Jahrzehnte lang weiß Albrecht mit großer Schlauheit, im äußersten Falle auch an die Macht appellierend, die Brüder hinzuhalten, bis den leidenschaftlichen Christoph ein früher Tod beseitigt (1493) und dann mit dem schwächeren Wolfgang ein unschädliches Abkommen gelingt. Wie es aber unbestritten Albrechts Verdienst ist, eine neue Zerstückelung des bayerischen Herzogtums als unausbleibliche Folge mehrköpfiger Regierung verhindert zu haben: so ist ein weiteres Streben seiner Politik, ehedem bayerisches Gebiet wieder zu gewinnen, deshalb nicht minder löblich, weil es manchmal des Erfolges entbehrte.

Es glückt die Erwerbung der Reichsherrschaft Abensberg (1485); der Versuch hingegen, Regensburg zur Landstadt zu machen (1486), schafft die drohendsten Verwicklungen. Durch Errichtung des schwäbischen Bundes (1488 hat der Kaiser eine starke Waffe erlangt, welcher Albrecht nicht mit Ritter- und Bauernaufgebot, nur mit einem geübten Söldnerheere Trotz bieten darf; die deshalb ohne Bewilligung der Stände eingeforderte Steuer erregt jedoch einen Aufstand des Adels im Straubinger Land, der sich im »Löwlerbund« organisiert (1489). Diesen aus dem Felde zu schlagen, gelingt Albrecht noch, als aber die Reichsacht über ihn ergangen ist (23. Jan. 1492), als das bedeutend stärkere Exekutionsheer am Lech steht, bereit in Bayern vorzudringen, da übrigt nur, König Maximilians Vermittlung anzunehmen, Regensburg zurückzugeben. Reichliche Entschädigung für solches Missgeschick bietet der Anfall von Bayern-Landshut nach dem söhnelosen Tod seines Herzogs Georg (1. Dez. 1503). Nicht bloß das Reichsoberhaupt, auch die Sympathien des verwaisten Landes stehen Albrecht zur Seite in dem blutigen Kampf, welchen er mit dem in Georgs ungültigen Testament zum Erben eingesetzten Pfalzgrafen Ruprecht und dessen Kindern (1504–5) zu führen hat; die schweren Opfer aber, zu denen Albrecht sich verstehen muss – bedeutende Landesabtretungen an das habsburgische und pfälzische Haus – werden weit überwogen durch den errungenen Vorteil, das bayerische Herzogtum in seiner Hand vereinigt zu haben. So wird es Albrecht möglich, durch ein Gesetz über Einheit und Unteilbarkeit des bayerischen Landes und die Erstgeburtsrechte von dessen Fürsten (8. Juli 1506) sein Lebenswerk, die Konsolidierung Bayerns, zu krönen. Er hat dieses Ziel erreicht, freilich auch vom Glück begünstigt, hauptsächlich mit kalt berechnendem Verstand, unbeugsam und nachgiebig zu rechter Zeit, nur das Erreichbare im Auge behaltend, nie seine Kräfte in unfruchtbarer Reichspolitik verzettelnd.

Seinem Volk war er ein strenger, doch gerechter Herrscher, den Ständen gegenüber nicht ohne absolutistische Neigungen. Leidenschaften kannte er kaum, Jagdliebhaberei etwa ausgenommen. Die Heirat, welche der Vierzigjährige ohne Wissen des Kaisers mit dessen Tochter Kunigunde 3. Jan. 1487 zu Innsbruck einging, sollte Tirol dem Hause Wittelsbach zurückbringen, führte aber nur zu einer glücklichen, von Kunigunde († 1520) überlebten Ehe, der außer den Prinzen Wilhelm, Ludwig und Ernst fünf Töchter, darunter Sibilla, Sabina und Susanna II., des Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz, des Herzogs Ulrich von Württemberg und des Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Kulmbach Gemahlinnen, entsprossen.

Quelle: Edmund Freiherr von Oefele

Bibliographie

  • Hasselholdt-Stockheim: Herzog Albrecht IV. von Baiern und seine Zeit, 1865 (unvollendet)
  • Hefner: Geschichte der Regierung Albrechts IV., Herzogs in Baiern (im „Oberbairischen Archiv“ XIII. [1852] 227-312)
  • Oefele, Edmund Freiherr von: Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 1 (Leipzig 1875)
  • Silbernagl: Albrecht IV., der Weise, Herzog von Baiern und seine Regierung, 1857

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