Blinder Lärm

Blinder Lärm (falscher Alarm), entsteht öfters auf den Vorposten, Feldwachen, in Kantonierungsquartieren, von einer einzelnen Schildwache, und zwar am gewöhnlichsten dann, wenn sie sich auf ihrem Posten dem Schlummer überlassen, und sich im Traum mit dem Feind beschäftigt hat. Wird sie dann durch einen Zufall aufgeschreckt, so ist es sehr natürlich, dass sie, durch die Betäubung vom Schlaf, und durch die Dunkelheit der Nacht getäuscht, vielleicht in den sie umgebenden natürlichen Gegenständen den Feind zu erblicken glaubt, ihr Gewehr abfeuert, und ihren Offizier versichert, sie habe ganze feindliche Trupps gesehen. Dies wird daher auf einem Doppelposten so leicht nicht vorkommen. Oft entsteht aber auch der blinde Lärm durch den Übermut teils der feindlichen, teils unserer eigenen Vorposten, die sogleich alle Feuer geben, sobald sie nur von Ferne irgend etwas hören, das einem Schuss ähnlich ist; oft kann durch Unvorsichtigkeit ein Gewehr losgegangen sein, was den anderen Posten veranlasst, ebenfalls zu schießen. Vielleicht hat sich blos eine feindliche Patrouille in der Nähe sehen lassen, und zu diesem Schießen Anlass gegeben, wo dann öfters derjenige, welcher dies dem Offizier der Feldwache meldet, aus Furcht, besonders in der Nacht, ganze Kolonnen daraus macht. Daher muss der Offizier sich immer erst selbst überzeugen, ob der Feind wirklich in einer gewissen Stärke da ist, ehe er es der Armee melden lässt. — Die Schildwache oder Vedette glaubt, durch irgend ein Geräusch aufmerksam gemacht, den Feind vor sich zu haben, und gibt Feuer; der Offizier lässt melden, dass er angegriffen werde; durch viele voreilige Meldungen wird die ganze Armee in Bewegung gesetzt; die Bataillone rücken aus, und in ihre Positionen; dadurch werden die Truppen außerordentlich ermüdet; man wird durch öfteren blinden Lärm nachlässig, und derjenige, welcher ihn veranlasst hat, macht sich lächerlich. Der Offizier muss sich daher immer erst selbst auf dem Vorposten von der Gegenwart des Feindes überzeugen, und würde er wirklich angegriffen, so wird doch immer noch so viel Zeit übrig bleiben, den Anmarsch, die Stärke und Truppenart des Feindes auf ein Kartenblatt zu schreiben, und dies dem Offizier du jour zu schicken. Sind es dann blos feindliche Patrouillen, die die Vorposten necken, so werden einige Eskadrons aufsitzen, und hinreichend sein, den Feind zurückzuwerfen. Siehe auch Alarmierung.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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