Bocken

Bocken, eine allgemein bekannte Untugend, besonders der polnischen Remontepferde. Folgende Behandlung kann sie öfters, nicht immer, den Pferden abgewöhnen. Das Erste, was man bei einem Pferde, welches Anlage dazu hat, tun muss, ist, es nicht zu fest zu gurten, sodann aber auch mit großer Vorsicht, Gelassenheit und Ruhe aufzusitzen, und ja nicht in den Sattel zu fallen, die Hilfen beim Anreiten recht leise und fast unmerklich zu geben, und den Kopf in die Höhe zu arbeiten. Der Reiter muss aber überhaupt, sein Pferd recht genau kennen zu lernen sich bestreben; an der Miene, an den Bewegungen der Ohren, und an einem veränderten Tritt muss er schon wissen, was das Pferd im Willen hat, und ob es Zeit ist, auf seiner Hut zu sein. Bemerkt er nun so etwas, oder fängt das Pferd an, mit dem Kopf zu schütteln, welches auch öfters ein schlimmer Vorbote ist, so arbeite er mit allen Kräften den Kopf in die Höhe, und suche ihn auch in dieser Stellung recht zu erhalten; denn ob er schon auf diese Art das Bocken nicht ganz wird verhindern können, so wird er doch so viel dadurch bewirken, dass es nicht zu heftig wird, und er sich wenigstens auf dem Pferde erhält. Hierauf muss man ganz besonders sehen, und es zu verhindern alle Kräfte des Körpers aufbieten; denn setzt das Pferd seinen Willen das erste Mal durch, und sattelt den Reiter ab, so kann dieser auch versichert sein, dass er dieses Vergnügen öfters haben wird. Behält hingegen der Reiter das erste Mal die Oberhand, so ist für die Folge schon viel gewonnen, und man kann sich die begründetste Hoffnung machen, sein Pferd nach und nach ganz von diesem Übel zu heilen. Ist aber die Kraft, welche das Pferd dem Reiter entgegensetzt, so stark, dass er sich künftig nicht für stark genug hält, ihr bloß durch das in die Höhe Arbeiten des Kopfes zu begegnen, so wäre anzuraten, die bekannten Bockzügel in Anwendung zu bringen. Wenngleich hierdurch das Bocken nicht ganz wird verhindert werden können, so bewirkt es doch wenigstens so viel, dass der Reiter nun alle Kräfte und Mittel aufbieten kann, um sitzen zu bleiben. Sind die Versuche, den Reiter abzusetzen, einige Male fehlgeschlagen, so lässt das Pferd in den meisten Fällen nach; jedoch darf man deshalb noch nicht zu sicher sein, weil oft 14 Tage und mehrere hingehen, ohne dass das Pferd neue Versuche macht; ist man hier immer auf seiner Hut, so ist die gänzliche Heilung dieser Untugend gewiss.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe