Braunschweigisch-lüneburgischer Generalmajor Georg Heinrich Albrecht von Scheither

Georg Heinrich Albrecht v. Scheither, kurfürstlich braunschweigisch-lüneburgischer Generalmajor, wurde am 18. Dezember 1731 geboren. 1745 nahm ihn sein Vater, welcher damals Major im Infanterieregiment v. Maydell war, als Gefreiten-Corporal mit sich in den Feldzug am Rhein. Hier wurde er Fähnrich bei der Grenadier-Eskadron zu Pferde, ging aber, als diese in das Land zurückkehrte, mit seinem Vater nach den Niederlanden und nahm hier weiter am Krieg teil, 1748 kehrte er heim.

1754 zum Lieutenant bei den Grenadieren zu Pferde befördert, befand er sich auf einer größeren Reise nach dem Süden, als der Siebenjährige Krieg ihn in die Heimat zurückberief. Er kam zunächst als Adjutant zum Stab des Oberbefehlshabers der verbündeten Truppen auf dem nordwestlichen Kriegsschauplatz, des Herzogs von Cumberland, und hatte das Glück, auf einer weitausgehenden Streife in Tecklenburg mit 16 Reitern die ersten Gefangenen im Feldzug, 1 Offizier und 24 Mann, zu machen, dann wurde er mit Mannschaften aller Kavallerieregimenter zur Beobachtung nach dem Solling gesandt, von wo er mit einigen hundert Büchsenschützen zu der nach der Schlacht bei Hastenbeck im Bremenschen stehenden Armee stieß. Scheither war damals Capitän.

Als Herzog Ferdinand von Braunschweig am 23. November 1757 das Kommando übernahm, ernannte ihn dieser ebenfalls zu seinem Adjutanten, gestattete ihm aber gleich darauf, ein Korps leichter Truppen für die Unternehmungen des kleinen Krieges zu werben. Es war dies das nach ihm benannte „Scheither-Corps“, welches sich neben den Luckner’schen Husaren und dem Jägercorps des Generals v. Freytag einen bei Freund und Feind hochgeachteten Namen gemacht hat. Dasselbe bestand zuerst aus einer Schwadron Karabiniers zu Pferde, einer Jäger- und einer Grenadier-Kompanie und zählte 421 Köpfe, 1759 wurde es auf 620 Mann vermehrt, welche in vier Kompanien zu Pferd und eine Grenadier– und Jäger-Kompanie gegliedert waren, 1762 war es 900 Köpfe stark und bestand aus vier Kompanie zu Pferd, zwei Grenadier-Kompanien und einem Trupp gelernter Jäger.

Am 14. Mai 1758 traf Scheither mit seinem Korps in der Stärke von 360 Mann in Münster ein, Herzog Ferdinand war im Begriff den Rhein zu überschreiten. Scheither erhielt den Auftrag, durch einen Scheinangriff die Aufmerksamkeit des Feindes von dem wirklichen Übergangspunkt abzuziehen und löste die ihm gestellte Aufgabe geschickt und glücklich, indem er in der Nacht zum 30. Mai bei Ruhrort überging, das am jenseitigen Ufer liegende Dorf Homberg nahm, vier Kanonen erbeutete, 94 Gefangene machte etc.; einen anderen glücklichen Streich führte er am 6. September 1758 aus, indem er mit der Kavallerie seines Korps zwischen Drosten und Wesel durch die Lippe schwamm, einen feindlichen Transport wegnahm und Kuriere aufhob, welche Träger wichtiger Papiere waren. In den letzten Tagen des Jahres 1759 machte er von Dülmen in Westfalen aus einen kühnen Zug über den Rhein tief in das vom Feind besetzte Gebiet, von dem er, ohne selbst Verluste zu leiden, ebenfalls reiche Beute zurückbrachte. Am 25. Januar 1760 wurde er zum Major befördert. Das Glück, welches Scheither bei den genannten und vielen anderen Gelegenheiten begünstigt hatte, verließ ihn am 22. August 1760, wo er in einem Vorhutgefecht gegen überlegene Kräfte in der Nähe von Zierenberg im Hessischen verwundet in Gefangenschaft geriet. Er muss aber bald ausgewechselt worden sein, denn schon am 18. Februar 1761 nahm er das Schloss Battenberg mit stürmender Hand. Nach Friedensschluss wurde sein Korps aufgelöst und er selbst dadurch, im kräftigsten Mannesalter stehend, zu langjähriger Untätigkeit verdammt.

Ein durch seinen Schwager, den preußischen Minister v. d. Horst, vermitteltes Anerbieten preußischen Dienstes, in welchem er ein Husarenregiment erhalten sollte, lehnte er ab. 1775 übernahm er für England 4000 Mann zu werben, welche in Nordamerika fechten sollten; da er Ende des Jahres erst 150 beisammen hatte, zerschlug sich die Sache (8. Beiheft zum Militär-Wochenblatt, Berlin 1884, S. 341). In der Erwartung wieder verwendet zu werden, beschäftigte er sich wissenschaftlich; 1780 erschienen von ihm in Frankfurt a. M. ohne Nennung seines Namens „Fragmente und militärische Betrachtungen über die Einrichtung des Kriegswesens in mittleren Staaten“, auch soll er viel handschriftliches Material zu einer hannoverschen Truppengeschichte gesammelt haben. Seit 1777 Oberst, ward er im November 1787 endlich zum Kommandeur des 4. Kavallerieregiments ernannt, starb aber nach längerer Krankheit schon am 25. Juli 1789 in seiner Garnison Harburg.

Eine auf einer Mitteilung Scheithers an einen Dritten beruhende Erzählung (vgl. „Neues vaterländisches Archiv“, Hannover 1829, 2. Bd. S. 96), dass er, als Herzog Ferdinand sich im November 1757 auf der Reise zum Heer befand, ihn durch rechtzeitige Warnung vor Gefangennahme durch die ihm auflauernden Franzosen gerettet habe, findet sich weder in den übrigen hier angeführten Quellen noch in Berichten von Zeitgenossen über jene Reise. Übrigens pflegte der Herzog den Meldungen und Berichten Scheithers unbedingten Glauben nicht zu schenken.

Der im Siebenjährigen Krieg mehrfach genannte General Johann Heinrich v. Scheither war sein Vater, derselbe starb als Generallieutenaut und Chef des 1. Infanterieregiments am 3. Juli 1781 zu Münden.

Bibliographie

  • Annalen der braunschweig-lüneburgischen Kurlande, 4. Jahrgang, 1. Stück (Hann. 1790)
  • Neue militärische Zeitung (Marb. 1789)
  • Knötel, Richard: Uniformenkunde, Lose Blätter zur Geschichte der Entwicklung der militärischen Tracht, Band IV, Blatt 24 (Berl. 1890)
  • Knötel u. Sieg: Handbuch der Uniformkunde (Hamb. 1971)
  • Poten, Bernhard von: Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 30 (Leipzig 1890)
  • Sichart, L. v.: Geschichte der königlich hannoverschen Armee, 3. Bd. (Hann. 1870)

Quelle: Bernhard von Poten

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