Breslau

Breslau

Breslau, Hauptstadt der ehemaligen preußischen Provinz Schlesien und des gleichnamigen Regierungsbezirks, dritte königliche Residenz, Stadtkreis, heute Wroclaw in Polen, liegt unter 51°7' nördl. Breite und 17°2' östl. Länge, 112 m über der Ostsee, in einer fruchtbaren Ebene zu beiden Seiten der Oder, die hier die Ohle aufnimmt und mehrere Inseln (Sandinsel, Bürgerwerder etc.) bildet.

Den am rechten Oderufer gelegenen Teil der Stadt umgibt in weitem Bogen die sogen. alte Oder, deren oberer Teil schiffbar gemacht ist, um den Großschifffahrtsverkehr um die Stadt zu leiten. Die Korrektion des unteren Teiles ersetzt ein Parallelkanal. Breslau, das unter den Städten des Deutschen Reiches die fünfte Stelle, unter denen der preußischen Monarchie die zweite einnimmt, besteht aus der inneren Stadt (der seit 1327 vereinigten Alt- und Neustadt) und fünf von ihr durch die Oder und den Stadtgraben getrennten Vorstädten: der Ohlauer Vorstadt im Südosten, der Schweidnitzer im Süden, der Nikolaivorstadt im Westen, der Oder- und der Sandvorstadt im Norden, welch letztere aus den ehemaligen Vorstädten Sand- und Dominsel zusammengesetzt ist. Die Ortschaften Pöpelwitz und Kleinburg sind seit 1897 eingemeindet. Die Eingemeindung von Dürrgoy, Leerbeutel und Morgenau steht bevor. Die früher vorhandenen sechs Tore sind gegenwärtig, nachdem die Festungswerke seit 1813 in schattige Spaziergänge umgewandelt worden, nur noch teilweise an den Brückenübergängen kenntlich, die aus der Innenstadt in die Vorstädte führen. Von den vielen die Oderufer verbindenden Brücken sind zu nennen: die Universitäts-, Lessing-, Königs-, Wilhelms-, Gneisenau- und Dombrücke, sämtlich in massivem Unter- und eisernem Oberbau, unter den über die alte Oder führenden besonders die neue steinerne Fürsten-, Pass- und Gröschelbrücke; ferner die Brücken, auf denen die Rechte Oderufer-Eisenbahn die Oder und die alte Oder überschreitet, sowie die Posener Eisenbahnbrücke unterhalb der Stadt.

Fläche, Plätze, Straßen

Von der Gesamtfläche, die jetzt 3593 Hektar beträgt, sind 1006 Hektar mit Häusern bebaut, 748 Hektar Wege, Straßen, Eisenbahnen, 189 Hektar Wasserfläche. Die Zahl der öffentlichen Plätze, Straßen und Wege der Stadt beträgt über 400. Von den Plätzen verdient vor allen Erwähnung der ziemlich quadratische Hauptmarkt oder der »Ring«, zugleich Zentrum der Stadt, auf dem das alte Rathaus, das neue Stadthaus, einige Reihen von Privatgebäuden und zahlreiche Verkaufsstellen (ständige »Bauden«) sich befinden. Vor dem Stadthaus steht die Reiterstatue Friedrichs d. Gr. (von Kiß, seit 1842), an der Westseite desselben die Reiterstatue Friedrich Wilhelms III. (ebenfalls von Kiß, seit 1861), an der Ostseite des Rathauses die 1492 errichtete Staupsäule (einst Pranger). Andere Plätze sind: der Blücherplatz (früher Salzring) mit dem eisernen Standbild Blüchers (von Rauch, seit 1827), an der südlichen Seite von dem früheren Börsengebäude begrenzt; der Neumarkt (zweitgrößter Marktplatz der Stadt) mit dem Standbild Neptuns (vom Volk Gabeljürge genannt) in einem Springbrunnen; der in der Schweidnitzer Vorstadt gelegene Tauentzienplatz mit dem Marmordenkmal des Generals Tauentzien (von Schadow), der die Stadt 1760 gegen die Österreicher unter Laudon glücklich verteidigte; der Kaiser Wilhelm-Platz am Friebeberg; der Museumsplatz mit dem schlesischen Provinzialmuseum und dem Reiterstandbild Kaiser Friedrichs III. (1901 von Brütt); der Palais- oder Exerzierplatz, zwischen dem Stadttheater, der Promenade, dem Kunstgewerbemuseum, der Reichsbank und dem Südflügel des königlichen Schlosses; der Kaiserin Augusta-Platz mit dem gotischen Siegesdenkmal, dem Real- und Reformgymnasium zum Heiligen Geist und der königlichen Kunst- und Kunstgewerbeschule; in unmittelbarer Nähe die Ziegelbastion mit dem Holteidenkmal und schöner Aussicht; der Berliner Platz mit großer Fontäne vor dem Freiburger Bahnhof, der Platz am Zentralbahnhof, der Königsplatz mit dem Bismarckstandbild (1900 von Breuer), Ritterplatz mit dem Svarezdenkmal (1896 von Breuer), der Lessingplatz mit dem Regierungsgebäude, der Domplatz mit dem Dom, dem fürstbischöflichen Konvikt und Parkanlagen, der große Schießwerderplatz mit der Bonifacius- und der im Bau begriffenen Erlöserkirche, der Platz »am Wäldchen«, der infolge weiterer Zuschüttung des Ohlebettes gewonnene Platz »am Ohleufer« mit dem Göppertdenkmal, der Matthiasplatz mit Parkanlagen, dem landwirtschaftlichen Institut und großem Springbrunnen u. a.

Die Straßen der inneren Stadt sind meist regelmäßig, nur etwas schmal, die der Vorstädte dagegen breit und schön. Unter ihnen sind hervorzuheben: die Schweidnitzer Straße, an welcher da, wo sie die Promenade kreuzt, das Denkmal Kaiser Wilhelms I. (von dem Breslauer Bildhauer Behrens entworfen) steht, die Ohlauer, Albrechts-, Reusche-, Nikolaistraße und Schmiedebrücke in der inneren Stadt sowie die Tauentzien-, Neue Taschen-, Garten-, Friedrich Wilhelm-, Kaiser Wilhelm-, Kloster-, Matthiasstraße und die Straßen am Stadtgraben entlang in den Vorstädten. Für Beleuchtung wird durch drei Gasanstalten und zwei Elektrizitätswerke, die der Stadt gehören, gesorgt. Durch die Abdämmung der Ohle, die jetzt oberhalb der inneren Stadt in die Oder mündet, durch die Errichtung des (1871 vollendeten) Dampfwasserhebewerks nebst Grundwasserversorgung sowie durch die seit 1881 bestehende Schwemmkanalisation (Rieselfelder bei Oswitz) sind die Gesundheitsverhältnisse Breslaus wesentlich verbessert worden. Demselben Zweck dienen ausgedehnte Parkanlagen, außer der schon erwähnten, um die innere Stadt führenden Promenade besonders der Scheitniger Park im Osten der Stadt (mit einem Platz für Pferderennen) sowie der Südpark bei Kleinburg.

Gebäude

Breslau hat 13 evangelische Kirchen (darunter 5 ohne Parochialrechte), eine altlutherische, eine reformierte, 20 katholische (inkl. 6 Kloster- und Anstaltskirchen), eine altkatholische Kirche, Versammlungslokale für Dissidenten, eine Brüdergemeindekirche etc. und mehrere Synagogen. Unter den katholischen Kirchen sind bemerkenswert: der Dom zu St. Johannes dem Täufer, der um 1148 in gotischem Stil begonnen, gegen Ende des 15. Jahrhunderts vollendet, später im Renaissancestil des 17. und 18. Jahrhunderts erweitert und 1873–75 im Innern renoviert wurde, mit zwei Türmen (seit dem Brande von 1759 ohne Spitze), vielen Kapellen (darunter die prachtvolle Elisabethkapelle, 1680 erbaut), großen Reichtümern (z. B. einem Hochaltar aus gediegenem Silber) und prachtvollen Werken der Malerei und Bildnerei; die Kreuzkirche (aus dem 13. und 14. Jahrhundert), ein Backsteinhallenbau in Kreuzform, mit Glasmalerei, historischen Denkmälern (Grabmal Herzog Heinrichs IV. von Schlesien) und einer Krypte zu St. Bartholomäus, 1288 gegründet; die kleine gotische Martinikirche (einst herzogliche Schlosskapelle); die Kirche zu Unserer Lieben Frauen auf dem Sande (daher gewöhnlich Sandkirche genannt) mit prächtigen Gewölben und Konsolen (1328 begonnen, 1369 vollendet, bis 1810 Kirche der Augustiner-Chorherren); die Dorotheen- oder Minoritenkirche mit sehr hohem Dach, aber ohne Turm (1351 von Kaiser Karl IV. gegründet); die Matthiaskirche (von den Jesuiten 1736 im prunkendsten Rokoko erbaut); die Vinzenzkirche, in der Herzog Heinrich II. unter einer Tumba liegt; die 1883 vollendete Nikolaikirche; die St. Michaeliskirche, ein zierlicher gotischer Bau (1871 vollendet); die 1893 eingeweihte Heinrichkirche, begründet vom Fürstbischof Heinrich (Herzog); die 1897 umgebaute Mauritiuskirche. Von den evangelischen Kirchen ist die erste und größte die Hauptkirche zu St. Elisabeth (1253 gegründet, im 14. und 15. Jahrhundert neu erbaut und 1857 restauriert), mit 91 m hohem Turm, der größten Glocke Schlesiens (110 metr. Ztr. schwer), vielen Kunstdenkmälern, berühmter Orgel, Glasmalereien und einem 16 m hohen steinernen Sakramentshäuschen (vom Jahr 1455); die zweite evangelische Hauptkirche, von der die Reformation 1523 für Breslau und einen großen Teil Schlesiens ausging, ist die zu St. Maria Magdalena, nach dem Muster des Doms im 14. Jahrhundert gebaut, neuerdings restauriert, mit zwei durch eine hohe Brücke verbundenen gotischen Türmen. Ferner sind zu nennen: die St. Barbarakirche (seit 1740 zugleich Garnisonkirche) mit Tafelmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert; die um 1400 gegründete, 1821 neuerbaute 11.000 Jungfrauenkirche, ein Zwölfeck mit Kuppel von 23 m Spannung; die jüngst restaurierte Bernhardinkirche mit kunstvoll gemalter Hedwigstafel, 1453 gegründet, 1502 vollendet. Neu ist die in gotischem Stil von der Stadt erbaute Salvatorkirche, in der Sandvorstadt die Lutherkirche und in der Odervorstadt die Erlöserkirche. Unter den Synagogen ist die neue am Schweidnitzer Stadtgraben nächst der in Berlin die schönste und größte Deutschlands (1872 vollendet).

Von anderen öffentlichen Gebäuden sind bemerkenswert: das großartige, neuerdings renovierte Rathaus im spätgotischen Stil, von der Mitte des 14. bis zum 16. Jahrhundert erbaut, mit berühmtem Fürstensaal und mit dem nach einem ehemals dort ausgeschenkten Bier benannten Schweidnitzer Keller; das an der Nordwestseite des Rathauses liegende, 1860 nach Plänen von Stüler erbaute Stadthaus enthält den Sitzungssaal, die Konferenzzimmer und Büros der Stadtverordnetenversammlung sowie den Stadthauskeller; das 1891 vollendete Gebäude der städtischen Sparkasse, das auch die Stadtbibliothek enthält; das Universitätsgebäude mit der prachtvollen Aula Leopoldina (1728 von den Jesuiten gegründet, der Turm enthält die Sternwarte); die königlichen Universitätskliniken (an der Tiergarten- und Maxstraße); das Oberpräsidialgebäude (früher Palais des Fürsten Hatzfeld, nach dem Siebenjährigen Krieg erbaut); das 1886 vollendete Regierungsgebäude; das königliche Oberlandesgericht (im früheren Vinzenzstift); das neue Hauptpostamtsgebäude; das dreitürmige Amts- und Landgericht (frühere Stadtgericht); das Gebäude der königlichen und Universitätsbibliothek (früher Augustinerkloster); die fürstbischöfliche Residenz an der Domstraße; die Alte Börse am Blücherplatz (erbaut 1822–24), dient jetzt für städtische Büros und Kassen; die Neue Börse, in gotischem Stil, an der Promenade (1867 eröffnet); das Stadttheater (1872 neu erbaut); daneben das Generalkommando; die Gebäude der Generallandschaft und der Breslau-Brieger Fürstentumslandschaft; das königliche Palais; das Kunstgewerbemuseum in dem 1846 errichteten und 1898 umgebauten Ständehaus; die Reichsbank; das Museum der bildenden Künste (1880 eröffnet); das Wilhelmsgymnasium (Sonnenstraße); das städtische Elisabethgymnasium (an den Teichäckern); das königliche Staatsarchiv; das neuerbaute städtische Pflegehaus (in Herrnprotsch); die den größeren Teil der Bürgerwerderinsel einnehmenden Kasernen und Magazine, die große Infanteriekaserne neben dem Amtsgericht, die Infanteriekaserne und Korpswerkstätten an der Langen Gasse, die Kürassierkaserne vor dem Schweidnitzer Tor; die Landesversicherungsanstalt für die Provinz Schlesien; der neue Schlacht- und Viehhof, der städtische Hafen; dann die Bahnhofsgebäude der Freiburger, der Niederschlesisch-Märkischen und der Rechten Oderufer-Eisenbahn sowie im Südosten der 1857 im gotisierenden Burgstil erbaute Oberschlesische oder Zentralbahnhof, der jetzt umgebaut wird; das Trinitashospital (mit eigener Kirche); das neuerdings sehr erweiterte städtische Krankenhospital zu Allerheiligen; das Arbeitshaus; das Lobe-Theater; die von der Stadt erbauten großen Volks- und Mittelschulen, die Oberrealschule, die Baugewerk- und höhere Maschinenbauschule.

Unter den Privatgebäuden sind sehenswert das ganz mit Freskogemälden bedeckte Haus Zu den sieben Kurfürsten am Ring, das Gesellschaftshaus des Vereins christlicher Kaufleute, mit schönem Garten, am Zwingerplatz, das in Sandstein ausgeführte Gebäude des Schlesischen Bankvereins und der Breslauer Wechslerbank, dasjenige der Bodenkredit-Aktienbank, das neue Kaufhaus, das Hotel Monopol, das Restaurant im Südpark, das Hallenschwimmbad, das Palais des Grafen Schaffgotsch-Koppitz sowie viele andere Häuser, besonders in der Kaiser Wilhelm-Straße. Eine der schönsten Zierden Breslaus bildet die sogen. Liebichshöhe, ein der Stadt von den Kaufleuten G. und A. Liebich geschenktes, auf der Taschenbastion 1866 errichtetes Belvedere, das eine weite Rundsicht gestattet.

Bevölkerung, Erwerbszweige etc.

Die Entwicklung Breslaus wird durch die Zunahme der Bevölkerung charakterisiert. Die Zahl der Zivileinwohner betrug 1756: 54.774, zur Zeit des Siebenjährigen Krieges (1763) nur 42.114, 1790 wieder 51.219, 1811: 62.504, 1840: 92.305, 1850: 114.102, 1860: 142.240, 1870: 207.997, 1880: 272.912, 1890: 335.186, 1900: 422.709 (einschließlich 5948 aktiver Militärpersonen). Der Konfession nach entfallen etwa 58 Proz. auf Evangelische, 37 Proz. auf Katholiken und 5 Proz. auf Juden. 97,7 Proz. sind deutscher Nationalität; 3103 Personen sprechen neben dem Deutschen polnisch, 5363 ausschließlich polnisch. Nach der Berufs- und Gewerbezählung vom 14. Juni 1895 betrug bei einer Bevölkerung von 362.041 Seelen die Zahl der Erwerbstätigen im Hauptberuf ohne Angehörige und Dienende 145.691 (darunter 42.059 weibliche); davon entfielen auf Land- und Forstwirtschaft 1945, Bergbau, Hüttenwesen, Industrie und Baugewerbe 83.346, Handel und Verkehr 37.063, häusliche Dienste, Lohnarbeit 6669, Armee, Staats-, Gemeinde- und Kirchendienst 16.668. Ohne Beruf und Berufsangabe waren außerdem 23.091. Die Zahl der Dienenden im Haushalt betrug 17.306, der Angehörigen ohne Hauptberuf 175.953 Personen. Ein Vergleich mit der Berufszählung von 1882 zeigt ein erhebliches Anwachsen der erwerbstätigen Bevölkerung, während die Zahl der Dienenden im Haushalt und der Angehörigen verhältnismäßig abnahm; aber auch die Zahl der Beruflosen ist beträchtlich gestiegen. Die gesteigerte Erwerbstätigkeit ist vornehmlich auf dem Gebiet der Industrie zu bemerken, der mit Einschluss der Angehörigen 1895: 496, 1882 nur 440 pro Mille der Gesamtbevölkerung angehörten.

Breslaus Gewerbtätigkeit ist bedeutend und macht die Stadt zum Hauptsitz der schlesischen Industrie. Die Zahl der Aktiengesellschaften beträgt (Ende 1902) 76 (darunter 31 Zweigniederlassungen), 68 Gesellschaften mit beschränkter Haftung (darunter 6 in Liquidation), 43 eingetragene Genossenschaften (davon 2 in Liquidation). Es gab 1902: 31 freie Innungen mit 3629 Mitgliedern und 10 Zwangsinnungen mit 1525 Mitgliedern. Bei der Berufszählung von 1895 wurden ermittelt: 34.970 Gewerbebetriebe, wovon 33.407 Haupt- und 1563 Nebenbetriebe. Von den Hauptbetrieben waren 3226, d. h. 9,7 Proz., Großbetriebe (mit mehr als fünf Gehilfen). Auf das Handelsgewerbe entfielen von den Betrieben überhaupt 9932, d. h. 28,4 Proz. In 731 Betrieben wurden Motoren von zusammen 11.535 Pferdekräften verwendet. Neben drei großen Eisenbahnwerkstätten bestehen bedeutende Fabriken für den Bau von Maschinen und Eisenbahnwagen, für Möbel- und Bautischlerei, für Schuh-, Galanterie-, Posamentier- und Luxuswaren, Kleider- und Wäschekonfektion, für Mühlenbau, Brauereiartikel, Korke, Strohhutgeflecht, künstliche Blumen, Buntpapier, Kartonnagen, Schirme, Schokoladen- und Zuckerwaren; ferner große Odermühlen, Brauereien, Brennereien, Spinnereien für Baumwollen- und Kammgarn, Metallgießereien, Öl-, Steinnuss-, chemische und Dungmittel-, Fettwaren-, Tapeten-, Leder- und Treibriemen-, Zement- und Schamottewarenfabriken. Weiter ist vertreten die Fabrikation von musikalischen Instrumenten, von Geldschränken, Brückenwagen, Draht- und Siebwaren, von Instrumenten, Kautschukstempeln, Heizungs- und Telegraphenanlagen, von Photographieartikeln, Spiegeln, Honigkuchen, Fruchtsäften, Likören, Zigarren etc.

Sehr bedeutend ist der Handel und Verkehr Breslaus, der durch die Lage der Stadt an einem schiffbaren Hauptstrom Deutschlands und im Knotenpunkt großer Eisenbahnverbindungen wesentlich begünstigt wird. Es münden hier die Linien Breslau-Brieg-Oswiecim, Breslau-Posen, Breslau-Glogau-Stettin, Breslau-Mittelwalde, Breslau-Ströbel, Breslau-Öls, Breslau-Sommerfeld-Berlin und Breslau-Nieder-Salzbrunn-Görlitz (bzw. Halbstadt) der Preußischen Staatsbahn. Von den Märkten ist altberühmt der jährliche Wollmarkt, der jedoch an Bedeutung verliert; dafür übt der jährlich vom Landwirtschaftlichen Zentralverein veranstaltete Maschinenmarkt in neuerer Zeit große Zugkraft aus. Breslaus Handelswelt vermittelt, abgesehen von der Ausfuhr seiner eigenen Industrie, auch zum großen Teil diejenige Schlesiens und insbes. die des oberschlesischen und Waldenburger Berg- und Industriebezirks. Es kommen also hauptsächlich in Frage Kohle, Eisen, Zink, Kalk, Garn, Gewebe, Zucker, Spiritus, Obst u. dgl. Ebenso bildet Breslau den Hauptstapelplatz für die schlesische Einfuhr von Kolonialwaren, Petroleum, Bier etc. Öffentliche Banken bestehen fünf: eine Reichsbankhauptstelle, die städtische Bank, der Schlesische Bankverein, die Breslauer Diskonto- und die Breslauer Wechslerbank. Dieselben hatten 1901 zusammen einen Gesamtumsatz von 12,5 Milliarden Mk. Von anderen Geldinstituten sind zu nennen die Provinzial-Hilfskasse, die Provinzial-Darlehnskasse, die Landschaftliche Bank, der Vorschussverein, die Breslauer Volksbank, die Bodenkredit-Aktienbank. Öffentliche Sparkassen gibt es acht, darunter die große städtische und die für den Landkreis Breslau. Breslau ist der Sitz einer Lebens- und einer Feuerversicherungsaktiengesellschaft. Außerdem besteht daselbst eine städtische und eine Provinzial-Feuersozietät.

Die Oderschiffahrt hat im letzten Jahrzehnt einen stetig wachsenden Aufschwung genommen infolge der Oderregulierung unterhalb Breslaus, der besseren Verbindung mit Berlin und der Elbe durch den neuen Oder-Spreekanal, der Verbesserung der Verlade- und Hafeneinrichtungen, der Entwicklung der Schleppschifffahrt. So hat die Stadt einen Handelshafen in der Nähe des Hafens der Frankfurter Gütereisenbahngesellschaft angelegt, auch für den Umschlagsverkehr der Rechten Oderufer-Eisenbahn ist ein solcher gebaut. Der Frachtschiffsverkehr umfasste 1900: 8385 angekommene Schiffe von 1.494.000 Ton. (davon beladen 2968 Schiffe mit 442.000 Ton. Gütern) und 8193 abgegangene Schiffe von 1.451.000 Ton. (davon beladen 4247 Schiffe mit 710.000 Ton. Gütern). Der örtlichen Personenbeförderung dient die 1877 eröffnete Breslauer Straßenbahn (fünf Linien mit einem Bahnnetz von 26,4 km Länge), die seit Oktober 1901 in elektrischen Betrieb umgewandelt ist, die elektrische Straßenbahn seit 1893 mit drei Linien in einer Länge von 16,7 km und die städtische elektrische Straßenbahn seit 1902 mit zwei Linien in einer Länge von 5 km. Die Gesamtlänge der Straßenbahnen Breslaus beträgt 48 km. Daneben bestehen fünf Omnibuslinien, außerdem dienen acht Dampfschiffe im Sommer dem Personenverkehr nach den ober- und unterhalb Breslaus liegenden Ortschaften und Vergnügungslokalen. Droschken gab es 1901: 741. Den Postverkehr vermitteln 20 Postanstalten, den Telegraphenverkehr 2 Telegraphenämter und die meisten Postanstalten. Das Stadtfernsprechnetz hatte Ende 1901: 6000 Privatanschlüsse.

Sehr reich ist Breslau an Wohltätigkeits- und Versorgungsanstalten aller Art. An Krankenanstalten bestehen außer den königlichen Universitätskliniken, dem Garnisonlazarett, den Krankenabteilungen des Armen- und Arbeitshauses vor allem das große Krankenhospital zu Allerheiligen, das Wenzel-Hanckesche Krankenhaus und das Irrenkrankenhaus an der Einbaumstraße. Alle drei stehen unter städtischer Verwaltung. Andere große Krankenanstalten sind: das Kloster der Barmherzigen Brüder, die Diakonissenanstalt Bethanien, das Krankenhaus der Elisabethinerinnen, das St. Josephs-Krankenhaus der Grauen Schwestern, das Augusta-Hospital des Vaterländischen Frauenvereins, das israelitische (Fränckelsche) Hospital, die Klinik des Vereins zur Heilung armer Augenkranker, das Wilhelm-Augusta-Kinderhospital, das Kinderhospital St. Anna der Schlesischen Malteserritter, das jüngst vollendete St. Georgs-Krankenhaus, das Institut zur Behandlung von Unfallverletzten, die Diakonissenstationen Bethlehem und Bethesda u. a. Waisenhäuser gibt es acht, davon sind vier Stiftungen unter städtischer Verwaltung mit 270 Zöglingen. Altersversorgungsanstalten gibt es 23. Unter städtischer Verwaltung stehen 13 dieser Anstalten mit 860 Insassen.

Bildungsanstalten etc.

Von den wissenschaftlichen Anstalten ist vor allen die Universität zu nennen, die 1702 auf Betrieb der Jesuiten vom Kaiser Leopold I. für Philosophie und katholische Theologie gestiftet und Leopoldina genannt ward. Mit ihr wurde 1811 die Frankfurter Viadrina vereinigt und eine vollständige Universität mit fünf Fakultäten gegründet. Die Zahl der Studierenden betrug im Wintersemester 1902/1903: 1755, die der Hospitanten 235, der Professoren 107, der übrigen Dozenten und Lektoren 65. Mit der Universität verbunden sind: drei theologische Seminare, ein philologisches, ein archäologisches, ein germanistisches, ein romanisch-englisches, ein historisches, ein kunsthistorisches, ein mathematisch-physikalisches, ein juristisches und ein staatswissenschaftlich-statistisches Seminar sowie eine psycho-physische Sammlung. Zur Universität gehört seit 1881 ein landwirtschaftliches Institut (früher in Proskau) nebst Tierklinik. Die Universitätsbibliothek enthielt 1901: 306.000 Bände, 3138 Inkunabeln und Aldinen, 3906 Manuskripte und ca. 30.000 Stiche. Sie entstand aus den Sammlungen der aufgehobenen Stifter und Klöster und den früheren Frankfurter und Breslauer Universitätsbibliotheken; gesondert aufgestellt sind die das gesamte Gebiet der Geschichte umfassende v. Steinwehrsche Bibliothek und die an orientalischen Werken reiche Bibliotheca Habichtiana sowie seit 1886 die Bibliothek der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur. An naturwissenschaftlichen und medizinischen Instituten besitzt die Universität folgende: ein physikalisches Kabinett, eine Sternwarte, ein chemisches Laboratorium, ein pharmazeutisches Institut, ein landwirtschaftlich-technologisches Institut, ein tierchemisches Institut, ein mineralogisches Museum, einen botanischen Garten, ein botanisches Museum, ein pflanzenphysiologisches Institut, ein zoologisches Museum, ein anatomisches, ein physiologisches, ein pathologisch-anatomisches, ein pharmakologisches und ein hygienisches Institut. Hierzu kommen die klinischen Anstalten (s. oben). Als Bildungsanstalten sind ferner zu nennen: der zoologische Garten, das Provinzialmuseum der bildenden Künste mit hervorragenden modernen Gemälden, einer Sammlung von Gipsabgüssen und Kupferstichen, das Kunstgewerbemuseum vereint mit dem Museum schlesischer Altertümer, die Naturaliensammlungen der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur, der botanische Schulgarten, das Schulmuseum, das Staatsarchiv für Schlesien etc.

Breslau hat 6 Gymnasien (darunter 3 städtische und ein Reformgymnasium), ein städtisches Realgymnasium, 3 städtische Realschulen, ein kath. Schullehrerseminar, ein fürstbischöfliches Klerikalseminar, ein Seminar zur Heranbildung von Rabbinern und israelitischen Lehrern, eine städtische Oberrealschule, eine königliche Baugewerkschule, eine königliche höhere Maschinenbauschule für Maschinentechniker, 2 städtische höhere Mädchenschulen und 5 Mädchenmittelschulen, 2 Knabenmittelschulen, 130 städtische Volksschulen (sechs- und mehrklassige) mit für Einheimische unentgeltlichem Unterricht sowie 23 Privatschulen, 5 Präparandenanstalten und 4 Lehrerinnenseminare. Für künstlerische, gewerbliche und anderweitige Ausbildung sorgen: die königliche Kunst- und Kunstgewerbeschule mit einem Seminar für Zeichenlehrer und Zeichenlehrerinnen; eine private höhere Handelslehranstalt; die Lehranstalten und Fortbildungsschulen des Frauenbildungsvereins; eine Gewerbe- und Handelsschule für Frauen und Mädchen; die Provinzial-Hebammen-Lehranstalt; eine Anstalt zur Ausbildung von Fröbelschen Kindergärtnerinnen; eine Blinden- und eine Taubstummenanstalt.

Unter den wissenschaftlichen Vereinen sind zu nennen: die Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur, der Verein für Geschichte und Altertum Schlesiens, der Verein für das Museum schlesischer Altertümer; unter den Vereinen für Kunst: der Schlesische Kunstverein (ständige Kunstausstellung desselben im Museum der bildenden Künste), der Künstlerverein. Der Erschließung, Erforschung etc. von Gebirgen dienen sechs Gebirgsvereine, der Verschönerung Breslaus und seiner Umgebung ein Verschönerungsverein. Musik- und Gesangvereine gibt es mehr als 60. Ein weitverzweigtes Vereinsleben haben die evangelische und katholische Kirche in Arbeiter-, Jünglings-, Meister-, Frauen- und Jungfrauenvereinen etc. Der Konsumverein (1901 mit 78.619 Mitgliedern, 59 Verkaufsstellen und 3 Kohlenlagern) ist der größte Verein seiner Art. Von Bibliotheken sind außer der Universitätsbibliothek von Wichtigkeit: die Stadtbibliothek (etwa 130.000 Bände und 3000 Handschriften nebst dem Stadtarchiv mit 30.000 Urkunden, einer Sammlung der Patentschriften und vielen Handschriften sowie einer Münzsammlung), 6 städtische Volksbibliotheken und 2 Lesehallen. Es erscheinen (1902) in Breslau 82 Zeitungen und Zeitschriften, darunter 9 politische.

Vergnügungsanstalten hat Breslau in überreichlichem Maß. Abgesehen von den schon erwähnten Promenaden und Parkanlagen sind zu nennen: das Stadttheater (Oper und Schauspiel), das Lobetheater (Schauspiel, Lustspiel und Operette), das Residenz- und Thaliatheater, drei Variététheater (Zeltgarten, Simmenauer Garten und Liebichs Etablissement). Von großen Konzertlokalen sind zu nennen: das Konzerthaus, der im Besitz der Stadt befindliche Schießwerder und der Friebeberg. Dazu kommt der zoologische Garten mit großer Gastwirtschaft und Konzertsaal, der botanische Garten in der Sandvorstadt, die Restauration auf der Liebichshöhe, das großartige Restaurant im Südpark, die Schweizerei im Scheitniger Park, das Palastrestaurant, ein großes massives Zirkusgebäude etc. Eigenartig sind die vielen Gartenlokale an der inneren Promenade.

Behörden, Verwaltung

Breslau ist Sitz zahlreicher Behörden, als: des Oberpräsidiums der Provinz Schlesien und der königlichen Regierung des Bezirks Breslau, der königlichen Generalkommission, eines Landratsamts, eines Oberlandes- und Landgerichts (s. unten), eines königlichen Polizeipräsidiums, des Magistrats, einer Provinzialsteuerdirektion, eines Provinzialschulkollegiums, eines Konsistoriums, einer Oberpost- und Telegraphendirektion, einer königlichen Eisenbahndirektion, einer Handelskammer, einer königlichen Strombaudirektion, des Oberbergamts, einer Reichsbankhauptstelle, einer Landesversicherungsanstalt, des Generalkommandos des 6. Armeekorps, einer Kommandantur, eines Oberkriegs- und Kriegsgerichts, des Kommandos der 11. Division, der 22. Infanteriebrigade, der 6. und 11. Feldartilleriebrigade und der 11. Kavalleriebrigade, des Kardinal-Fürstbischofs mit Domkapitel etc.

Die Besatzung Breslaus bilden 2 Infanterieregimenter Nr. 11 und 51, das Leib-Kürassierregiment Großer Kurfürst (schlesisches) Nr. 1, das Feldartillerieregiment v. Peucker (schlesisches) Nr. 6 sowie das schlesische Trainbataillon Nr. 6. Der Landgerichtsbezirk Breslau umfasst die fünf Amtsgerichte zu Breslau, Kanth, Neumarkt, Winzig und Wohlau.

An der Spitze der städtischen Verwaltung steht ein Magistratskollegium von 29 Mitgliedern, von denen 15 unbesoldet sind. Die Stadtverordnetenversammlung hat 102 Mitglieder. Breslau ist im Herrenhause durch einen, im Landtage durch 3, im Reichstage durch 2, im Provinziallandtage durch 8 Abgeordnete vertreten. Die Polizeiverwaltung führt ein königliches Polizeipräsidium, die Baupolizei ist auf die Stadtverwaltung übergegangen, während das Nachtwachtwesen, das städtisch war, der königlichen Polizeiverwaltung jetzt unterstellt ist. Für die Zwecke der Verwaltung, besonders der Armenpflege, ist die Stadt in 197 Bezirke geteilt, für die Armenkrankenpflege in 22 Medizinalbezirke, für polizeiliche Zwecke in 25 Reviere. Der Stadthaushalt für 1902/1903 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 20.999.071 Mk. Die in Breslau aufzubringenden Staatssteuern waren für das Etatsjahr 1902/1903 auf 5.997.480 Mk. angesetzt, davon sind 4.691.136 Mk. Einkommen-, 728.144 Mk. Ergänzungs- (d. h. Vermögens-) und 557.500 Mk. Brausteuer. Die Gemeindesteuern sind für 1902/1903 auf 13.070.915 Mk. veranschlagt, und zwar erhebt die Stadt einen Zuschlag zur staatlichen Einkommensteuer von 134 Proz., zur Gebäude- und Grundsteuer von 165 Proz., zur Gewerbesteuer von 160 Proz. Besondere städtische Steuern sind: die Gemeindegrundsteuer, die Umsatzsteuer vom Grundbesitz, die Gewerbe-, Betriebs-, Schlacht-, Wild-, Geflügel-, Bier-, Hundesteuer, eine Steuer von den öffentlichen Lustbarkeiten sowie vom Wanderlagerbetrieb. Die städtische Schuld beläuft sich auf ca. 60 Mill. Mk.

Das von Karl V. der Stadt verliehene Wappen ist ein quadrierter Schild mit Mittelschild, in der Mitte Johannis des Täufers Kopf in einer silberfarbenen Schüssel, im ersten Felde der böhmische Löwe, im zweiten der schlesische Adler, im dritten ein W (das den Namen des ersten Erbauers der Stadt, Wratislaw, bedeutet), im vierten das Haupt Johannis des Evangelisten. Die beiden Johannes sind neben der heil. Hedwig besondere Patrone der schlesischen Kirche.

Für Ausflüge in die nähere Umgebung kommen hauptsächlich in Betracht: Oderschlösschen, Schaffgotschgarten, Wilhelmshafen, ferner Oswitz mit der Schwedenschanze, auf welcher der Kaiser Wilhelm-Turm Aussicht bietet, Masselwitz. Die Lage am Wasser ist es, die auch dem Weidendamm, Morgenau, Zedlitz und Pirscham ihre Anziehungskraft verleiht.

Geschichte

Breslau erscheint als Wratislaw (Wratislawia, Wraclaw) schon um 1000 als Stadt, war seit dem 11. Jahrhundert Sitz eines Bischofs und gehörte zu Polen, bis 1163 ein eigenes Herzogtum Breslau gebildet wurde. Nachdem die Stadt 1241 beim Einfall der Mongolen zerstört worden war, erhob sie sich bald zu neuer Blüte, nahm viele deutsche Kolonisten auf und erhielt 1261 Magdeburger Stadtrecht. Herzog Heinrich VI., mit dem 1335 die Linie Breslau ausstarb, verkaufte die Stadt 1327 an Johann von Böhmen, gleichzeitig wurde die 1263 gegründete Neustadt mit der Altstadt vereinigt. Ein unter König Wenzel 1418 ausgebrochener Aufstand wurde von König Siegmund 1420 blutig bestraft. Um nicht den als Hussit gehassten König Podiebrad als Herrn anerkennen zu müssen, trat Breslau 1463 unter den Schutz des Papstes Pius II. und beteiligte sich seit 1466 am Kriege gegen Böhmen, schloss sich dann an Matthias Corvinus von Ungarn an und wurde von ihm bei einer Belagerung durch Polen und Böhmen 1474 geschützt.

Breslau geriet nun unter die Herrschaft Ungarns, erhielt erst nach dem Tode des Matthias (1490) die alte Verfassung wieder und kam unter böhmische Hoheit. Nach dem Erlöschen der Jagellonen (1526) fiel Breslau an Ferdinand von Österreich. Obgleich die protestantische Lehre unter der Einwirkung des Johann Heß, eines Freundes Luthers, seit 1523 in Breslau die Oberhand gewann, wurden doch Bischof, Domkapitel und Mönche im ruhigen Besitz belassen. Den Dreißigjährigen Krieg überdauerte Breslau fast ungeschwächt. Friedrich II. von Preußen schloss 3. Jan. 1741 mit Breslau einen Neutralitätsvertrag, Schwerin besetzte es aber 10. Aug., worauf der Rat dem König huldigen musste. Dieser erhob es zur dritten königlichen Haupt- und Residenzstadt und behielt es auch in dem am 11. Juni 1742 zu Breslau geschlossenen Frieden. Nach dem Sieg Karls von Lothringen über den Herzog von Braunschweig-Bevern (22. Nov. 1757) wurde Breslau von den Österreichern eingenommen, doch 19. Dez. nach der Schlacht bei Leuthen wieder von Friedrich gewonnen, wobei 17.000 Mann Österreicher sich gefangen geben mussten. 1760 wurde es von Laudon vergeblich belagert.

Nach der Schlacht bei Jena ward Breslau von Vandamme 7. Dez. belagert und 7. Jan. 1807 von dem Gouverneur v. Thiele, nachdem derselbe die Vorstädte hatte niederbrennen lassen, übergeben. 1811 wurde die bisher in Frankfurt (Oder) bestehende Universität nach Breslau verlegt. In der entscheidenden Zeit vor Beginn des Befreiungskrieges 1813 war Breslau kurze Zeit Sitz des Königs. Von hier aus ergingen die Verordnung über die Bildung freiwilliger Jägerabteilungen (3. Febr.) und die Aufrufe »An Mein Volk« und »An Mein Kriegesheer« (17. März); und hier organisierte sich zum größten Teil das preußische Befreiungsheer. Nach der Schlacht bei Bautzen waren die Franzosen abermals (1.–11. Juni) Herren der Stadt. Die vollständige Umwandlung der schon 1808 geschleiften Festungswerke in Anlagen geschah nach dem Pariser Frieden. Die Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. rief 1849 eine große Erregung hervor, die sich im »Maiaufstand« Luft machte, der aber bald unterdrückt wurde. In neuester Zeit hat Breslau einen großartigen Aufschwung genommen.

Der Regierungsbezirk Breslau, den mittleren Teil der Provinz Schlesien bildend, zählt (1900) auf 13.482 qkm 1.697.719 Einwohner (126 auf 1 qkm), darunter 973.805 Evangelische, 696.121 Katholiken und 23.285 Juden, und besteht aus den 25 Kreisen:

Kreise qkm Einwohner Einw. auf 1 qkm
Breslau (Stadt) 35 422.709 12.077
Breslau (Land) 746 88.125 118
Brieg 607 63.077 104
Frankenstein 483 45.632 94
Glatz 528 60.810 115
Groß-Wartenberg 813 48.014 59
Guhrau 679 33.426 49
Habelschwerdt 791 58.332 74
Militsch 932 48.454 52
Münsterberg 343 31.865 93
Namslau 584 34.548 59
Neumarkt 710 55.362 78
Neurode 317 49.405 156
Nimptsch 376 29.254 78
Ohlau 617 54.497 88
Öls 899 64.390 72
Reichenbach 362 70.979 196
Schweidnitz (Stadt) 15 28.439 1896
Schweidnitz (Land) 576 71.812 125
Steinau 422 23.398 55
Strehlen 345 35.297 102
Striegau 300 42.923 143
Trebnitz 820 51.033 62
Waldenburg 378 143.361 379
Wohlau 804 42.568 53

Bibliographie

  • »Breslauer Bürgerbuch« (hrsg. von Bruch und Neefe, 1878–1896, 4 Bde.)
  • »Breslauer Statistik« (hrsg. vom städtischen statistischen Amt, Bresl. 1876 ff.)
  • »Breslauer Urkundenbuch« (hrsg. von G. Korn, Bresl. 1870, Bd. 1)
  • »Mitteilungen aus dem Stadtarchiv und der Stadtbibliothek« (Heft 1–5, 1894–1901)
  • Verwaltungsberichte des Magistrats der Stadt Breslau (seit 1876)
  • Bürkner und Stein: Geschichte der Stadt Breslau (Bresl. 1851–53)
  • Eschenloer, P.: Geschichte der Stadt Breslau von 1440–1479 (hrsg. von Kunisch, Bresl. 1827, 2 Bde.)
  • Gomolke: Kurzgefaßte Inbegriffe der vornehmsten Denkwürdigkeiten der Stadt Breslau (Bresl. 1731–33)
  • Grünhagen: Breslau unter den Piasten (Bresl. 1861)
  • Klose: Dokumentierte Geschichte und Beschreibung der Stadt Breslau (Bresl. 1780–83, 5 Bde.; Fortsetzung in Stenzels »Scriptores rerum Silesiacarum«, Bresl. 1847, Bd. 3)
  • Luchs: Breslau, ein Führer durch die Stadt (12. Aufl., Bresl. 1901)
  • Lutsch: Kunstdenkmäler der Stadt Breslau (Bresl. 1886)
  • Markgraf und Frenzel: Breslauer Stadtbuch (»Codex diplom. Silesiae«, Bd. 11, Bresl. 1882)
  • Menzel: Topographische Chronik von Breslau (Bresl. 1805–08, 2 Bde.)
  • Pol (gest. 1632): Annalen von 965–1623 (hrsg. von Büsching und Kunisch, Bresl. 1813–24, 5 Bde.)
  • Stein: Geschichte der Stadt Breslau im 19. Jahrhundert (Bresl. 1884)
  • Weiß: Chronik der Stadt Breslau (Bresl. 1886–88)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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