Flensburg

St. Nikolaikirche in Flensburg
St. Nikolaikirche in Flensburg

Flensburg, Stadt und Stadtkreis im [ehem.] preußischen Regierungsbezirk Schleswig, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Neumünster-Vamdrup und der Eisenbahnlinien Kiel-Eckernförde-Flensburg und Flensburg-Kappeln, liegt hufeisenförmig um das Westende der Flensburger Föhrde, eines 30 km langen Meerbusens der Ostsee, hat vier evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I. und einen Bismarckbrunnen.

Die Bevölkerung zählt (1900) mit der Garnison (Stab., I. und II. Bataillon, Füsilier-Regiment „Königin“ (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86) 48.922 Seelen, davon 1251 Katholiken und 89 Juden. Flensburg besitzt eine Schiffswerft für den Bau eiserner Dampf- und Segelschiffe mit großer Dockanlage und ca. 2500 Arbeitern, drei Eisengießereien und Maschinenfabriken, eine Zement- und Kalkfabrik, Ziegeleien, eine Glashütte, Palmöl-, Spiritus-, Tabak-, Zündwaren-, Papier- und Möbelfabrikation, eine große Reis- und eine Dampfmahlmühle, Bierbrauerei, Fischräucherei etc. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1902: 794,6 Mill. Mk.) und andere öffentliche Bankinstitute, bezieht sich auf Kolonialwaren, Chemikalien, Steinkohlen, Holz, Getreide, Sämereien, Petroleum, Vieh etc. Die Reederei der Stadt Flensburg zählt (1902) 88 Schiffe zu 60.277 Register-Tonnen, darunter 79 Dampfschiffe. In den Hafen liefen 1901 ein: 1746 Seeschiffe zu 186.239 Register-Ton. Eine Pferdebahn vermittelt den Verkehr in der Stadt. An Bildungs- und ähnlichen Anstalten besitzt die Stadt ein Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule mit Landwirtschaftsschule, Navigations- und Handelsschule, Fachschulen für Seemaschinisten und Kunsttischler, ein Kunstgewerbemuseum, Theater, eine Diakonissenanstalt etc. Von Behörden haben dort ihren Sitz: ein Landgericht, Hauptsteueramt, Landratsamt für den Landkreis Flensburg, Stab der 18. Division und der 35. Infanteriebrigade, Oberförsterei, Strandamt und Seeamt. Die städtischen Behörden zählen 7 Magistratsmitglieder und 24 Stadtverordnete. In der Nähe liegt der Kupfer- und Messinghammer Krusau.

Roter Hof in Flensburg
Roter Hof in Flensburg

Zum Landgerichtsbezirk Flensburg gehören die 21 Amtsgerichte zu Apenrade, Bredstedt, Flensburg, Feiedrichstadt, Garding, Hadersleben, Husum, Kappeln, Leck, Lügumkloster, Niebüll, Norburg, Nordstrand, Rödding, Schleswig, Sonderburg, Tinnum auf Sylt, Tönning, Toftlund, Tondern und Wyck.

Rote Straße in Flensburg
Rote Straße in Flensburg

Flensburg ist wahrscheinlich im 12. Jahrhundert gebaut, erhielt 1284 von Herzog Waldemar IV. Stadtrechte. 1627 eroberten es die Kaiserlichen, seit 1643 mehrmals die Schweden, die es auch 1713 brandschatzten. Nach 1848 ward es unter dänischer Herrschaft die Hauptstadt von Schleswig. In seiner Nähe fanden zwischen 1848 und 1864 mehrere heftige Gefechte statt, namentlich bei Bau 9. April 1848, bei Översee 6. Febr. 1864. In Flensburg starb 1412 die Königin Margarete, die Begründerin der Kalmarischen Union von 1397.

Blumenhof in Flensburg
Blumenhof in Flensburg

Bibliographie

  • Holdt: Flensburg früher und jetzt (Flensb. 1884)
Gebäude am Südermarkt in Flensburg
Gebäude am Südermarkt in Flensburg

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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