Münster

Münster ist der Name folgender Ortschaften:

Münster in Westfalen

Münster, 1) Hauptstadt der preußischen Provinz Westfalen und des gleichnamigen Regierungsbezirks und Landkreises, Stadtkreises, früher Hauptstadt des Bistums Münster, liegt 51 m ü. M., an der Münsterschen Aa und Werse sowie am Dortmund-Emskanal. Die Stadt zeigt mit ihren schönen Kirchen und altertümlichen Privatbauten noch vielfach den Charakter des Mittelalters und ist erst in neuester Zeit über die im 18. Jahrhundert niedergelegten und in Gartenanlagen umgewandelten Befestigungswerke hinausgewachsen. An öffentlichen Plätzen sind zu nennen: der von stattlichen Giebelhäusern mit Bogengängen umgebene Prinzipalmarkt, der Neuplatz mit dem Denkmal Kaiser Wilhelms I., der Domplatz mit dem Fürstenbergdenkmal, die Kreuzschanze mit dem Denkmal der Dichterin Annette v. Droste-Hülsoff, der Überwasser-Kirchplatz mit dem Overbergdenkmal, der Spiekerhof mit Monumentalbrunnen, auf dem die Statue des Kiepenkarl, Typus eines Marktgängers, sich befindet etc. Von den zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten Gebäuden (zwei evangelische und elf katholische Kirchen und eine Synagoge) sind bemerkenswert: der Dom (aus dem 12. bis 14. Jahrhundert), merkwürdig durch die Verschmelzung des gotischen und romanischen Stils (vgl. Savets, Der Dom zu Münster, Münst. 1904); die gotische Liebfrauenkirche (um 1340 erbaut); die Lambertikirche mit dem 1898 vollendeten neuen Turm (die drei Eisenkäfige, in denen die Anführer der Wiedertäufer nach ihrer Hinrichtung an dem abgetragenen alten Turm aufgehängt wurden, sind an dem neuen Turm wieder angebracht); die Ludgerikirche (1170 im romanischen Stil errichtet, 1330 im gotischen Stil umgebaut); die St. Mauritzkirche (aus dem 12. Jahrhundert, 1859 restauriert) und die Ägidiikirche aus dem 18. Jahrhundert. In neuerer Zeit sind erbaut: die St. Josephskirche, die Kirche zum heiligen Kreuz, die Herz-Jesu und die Erlöserkirche. Andere hervorragende Gebäude sind: das gotische Rathaus mit reich ornamentiertem Giebel, am Prinzipalmarkt, in dessem alten Saal (Friedenssaal) 24. Oktober 1648 der Westfälische Friede abgeschlossen wurde; das Schloss (1767 erbaut, früher bischöfliche Residenz) mit Parkanlagen und einem Botanischen Garten; das neue Stadthaus, das Provinzialmuseum (1905 im Bau begriffen) u. a. Zahlreiche altertümliche Privatbauten, die sogen. adligen Höfe, die als Winterresidenz des westfälischen Landadels dienen, befinden sich am Prinzipalmarkt, darunter der Erbdrostenhof und der Romberger Hof. Letzterer ist teilweise umgebaut und dient zum Teil als Theater und als Gesellschaftshaus.

Die Einwohnerzahl belief sich 1905 einschließlich der 1903 eingemeindeten Gemeinde Lamberti und von Teilen der Gemeinden Überwasser und Mauritz, mit der Garnison (Infanterie-Regiment Herwarth v. Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr. 13, Kürassier-Regiment von Driesen (Westfälisches) Nr. 4, Feldartillerie-Regiment Nr. 22 und Train-Bataillon Nr. 7) auf 84.439 Seelen, davon (1900) 58.632 Katholiken, 10.711 Evangelische und 499 Juden. Die Industrie besteht vorzugsweise in Baumwollweberei, Färberei, Druckerei, der Fabrikation von Möbeln, Pianofortes, Zinkornamenten, Korbwaren, Maschinen, Emailliergeschirr, Parkettboden, Paramenten, Zementwaren etc., ferner hat Münster mehrere Wagenbauanstalten, berühmte Goldschmiedereien für kirchliche und profane Geräte, Buchdruckerei, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, eine Kunstmühle [d. h. eine Mühle mit besonders hohem technischem Standard] und ein Elektrizitätswerk. Der Handel, unterstützt durch eine Reichsbankstelle (Umsatz 1904: 1458 Mill. Mark), eine Handelskammer und durch die Lage am Dortmund-Emskanal, ist besonders lebhaft in Getreide, in Gruben-, Bau- und Nutzholz, Kolonial-, Manufaktur-, Woll- und Eisenwaren, landwirtschaftlichen Maschinen, Vieh etc. Den Verkehr in der Stadt vermittelt eine elektrische Bahn. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Münster–Bremen, Münster–Sinsen [Marl-Sinsen], Münster–Emden, Münster–Rheda, Münster–Gronau und Münster–Hamm sowie der Eisenbahn Neubeckum–Münster. Von Behörden haben in Münster ihren Sitz: das Oberpräsidium der Provinz Westfalen, das Provinzial-Schul- und das Medizinalkollegium, das Konsistorium, ein Bischof, ein Domkapitel und Generalvikariat, die Provinzial-Steuerdirektion, eine Generalkommission, die Provinzialverwaltung, die königliche Regierung, das Landratsamt des Landkreises Münster, ein Landgericht, eine Eisenbahndirektion, Oberpostdirektion, die Landschaft der Provinz Westfalen, das Staatsarchiv, die Landesversicherungsanstalt, die Provinzial-Feuersozietät etc.; ferner das Kommando der 3. Kavallerieinspektion, der 25. Infanterie-, 13. Kavallerie-, 13. Feldartillerie- und der 7. Gendarmeriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 15 Magistratsmitglieder und 48 Stadtverordnete. Unter den Bildungsanstalten steht die Universität, die 1902 durch Angliederung der juristischen Fakultät an die ehemalige, nur aus theologischer und philosophischer Fakultät bestehende Akademie gegründet wurde, und deren völliger Ausbau durch Errichtung auch einer medizinischen Abteilung in naher Aussicht steht, obenan. Zu ihr gehören eine Bibliothek, ein archäologisches und botanisches Institut, landwirtschaftliche Versuchsstation etc. Die Zahl der Studierenden belief sich im Sommersemester 1905 auf 1500. Sonst hat Münster noch 3 Gymnasien, ein Realgymnasium, eine Realschule, ein Priester-, ein Lehrerinnen- und ein israelitisches Lehrerseminar, eine Baugewerkschule, eine Zeichenschule für Kunst und Gewerbe, ein Konservatorium der Musik, einen Zoologischen Garten etc. Ferner bestehen mehrere Klöster, 2 Waisenhäuser, eine Provinzial-Augenklinik, eine orthopädische Anstalt, ein Zuchthaus, mehrere Vereine für Kunst und Wissenschaft und für Wohltätigkeits- und Fürsorge-Einrichtungen. – Zum Landgerichtsbezirk Münster gehören die 18 Amtsgerichte zu Ahaus, Ahlen, Beckum, Bocholt, Borken i. W., Burgsteinfurt, Dülmen, Haltern, Ibbenbüren, Coesfeld, Lüdinghausen, Münster, Ölde, Rheine, Tecklenburg, Vreden, Warendorf, und Werne.

Münster wird zuerst um 800 erwähnt, als Karl d. Große dem für die Sachsen ernannten Bischof Lindger diesen Ort (Mimigardevoord) zum Wohnort anwies. Der jetzige Name, von monasterium (Wohnungen der Stiftskanoniker) kommt im 11. Jahrhundert auf. Bald nach 1186 erhielt Münster Stadtrecht, wurde vom Bischof Hermann II. befestigt und blieb bischöflich, obgleich der Bischof 1277 der Stadt, die seit Ende des 13. Jahrhunderts der Hanse angehörte, politische Zugeständnisse machte. 1532 neigte sich die Stadt, mit Ausnahme des Domkapitels, dem Lutherischen zu und ward 1535 der Schauplatz der politisch-religiösen Bewegungen der Wiedertäufer (s. d.). Nach tapferer Gegenwehr wurde Münster 24. Juni 1535 von dem Bischof erobert und der evangelische Gottesdienst unterdrückt. Hier ward 1648 der Westfälische Friede geschlossen. Die Bischöfe besaßen nur sehr beschränkte Herrschaftsrechte; erst Bischof Bernhard von Galen nahm 1661 die Stadt, die ihm im Einverständnis mit Holland den Gehorsam verweigerte, mit Gewalt, erbaute eine Zitadelle und entriss den Bürgern ihre Privilegien. Doch residierten die Bischöfe selten in Münster. Die 1818 neu errichtete Akademie wurde 1902 in eine Universität verwandelt.

Bibliographie

  • Bahlmann: Münster i. W. und seine Sehenswürdigkeiten (2. Aufl., Münst. 1902)
  • Detmer: Bilder aus den religiösen und sozialen Unruhen in Münster während des 16. Jahrhunderts (Münst. 1902–04, 3 Tle.)
  • Detten: Münster, seine Entstehung etc. (Münst. 1887)
  • Engler: Die Verwaltung der Stadt Münster 1802–1813 (Hildesh. 1905)
  • Erhard: Geschichte Münsters (Münst. 1837)
  • Hellinghaus: Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster (Münst. 1898, Bd. 1)
  • Keller: Geschichte der Wiedertäufer und ihres Reichs in Münster (Münst. 1880)
  • Krumbholz: Die Gewerbe der Stadt Münster bis zum Jahre 1661 (Leipz. 1898)
  • Philippi: 100 Jahre preußischer Herrschaft im Münsterlande (Münst. 1904)
  • Pieper: Die alte Universität Münster 1773–1818 (Münst. 1902)
  • Schulte: Verfassungsgeschichte Münsters im Mittelalter (Dissertation, Münst. 1897)

Der Regierungsbezirk Münster (s. Karte »Westfalen«) umfasst 7253 km² (131,73 mi²), zählt (1900) 818.062 Einwohner (112 auf 1 km²), darunter (1900) 105.582 Evangelische, 589.807 Katholiken und 3743 Juden, und besteht aus den 12 Kreisen:

Kreise km² mi² Einwohner auf 1 km²
Ahaus 683 12,40 50.193 73
Beckum 687 12,48 56.302 82
Borken 650 11,81 64.060 98
Coesfeld 753 13,08 52.134 69
Lüdinghausen 698 12,68 46.306 66
Münster (Stadt) 66 1,20 81.439 1234
Münster (Land) 794 14,42 41.878 52
Recklinghausen (Stadt) 26 0,47 44.392 1707
Recklinghausen (Land) 754 13,69 218.933 290
Steinfurt 770 13,98 75.403 98
Tecklenburg 812 14,75 56.045 69
Warendorf 559 10,15 30.977 55

Über die 4 Reichstagswahlkreise des Regierungsbezirks Münster s. Karte »Reichstagswahlen«. Vgl. Bahlmann, Der Regierungsbezirk Münster (Münst. 1893).

Münster im Gregoriental

Münster, 2) (Münster im Gregoriental) Kantonshauptstadt und Luftkurort im deutschen Bezirk Oberelsass, Kreis Colmar, im Münstertal, an der Fecht und der Eisenbahn Colmar–Metzeral, 380 m ü. M., hat eine schöne evangelische und eine katholische Kirche, Realschule, Amtsgericht, Oberförsterei, Hauptzollamt, bedeutende Baumwollspinnerei und -Weberei, Bleicherei und Appretur, Käsefabrikation (Münsterkäse) und (1905) 6078 Einwohner, davon 2973 Evangelische. In der Nähe die Ruine Schwarzenberg und der Schlosswald mit Musterwirtschaft. Der Ursprung der Stadt geht auf ein 634 begründetes Benediktinerkloster zurück. Dieses trat 1235 die Vogtei an das Reich ab, infolgedessen Münster die Rechte einer Reichsstadt erlangte und 1364 in den Zehn-Städtebund des Elsass trat. Die großartige Industrie wurde 1870 von A. Hartmann begründet. Das Münstertal, von der Fecht durchflossen, hat auf den südlichen Bergabhängen noch Weinbau; auf den Bergwiesen wird Alpenwirtschaft betrieben, die den berühmten Münsterkäse (jährlich etwa 500.000 kg) erzeugt.

Bibliographie

  • »Das Münstertal«, Touristenführer (2. Aufl., Straßb. 1897)
  • Calmet: Histoire de l’Abbaye de Munster (Colmar 1882)
  • Hecker: Die Stadt und das Tal Münster im St. Gregoriental (Münst. 1890)
  • Rathgeber: Münster im Gregoriental (Straßb. 1874)

Münster in Hessen

Münster, 3) (Münster in Hessen) Dorf in der hessischen Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg, an der Gersprenz und der preußisch-hessischen Staatsbahnlinie Offenbach–Reinheim, hat eine katholische Kirche, Eisengießerei, Hasenhaarschneiderei [Rohstoff für das Filzen], Likörfabrik, 2 Mahl- und eine Sägemühle und (1905) 2620 Einwohner.

Münster in Württemberg

Münster, 4) Dorf im württembergischen Neckarkreis, Oberamt Kannstadt, an der Staatsbahnlinie Untertürkheim–Kornwestheim, hat eine evangelische Kirche, ein Schloss, Eisengießerei, Ziegelbrennerei, Weinbau und (1905) 3272 Einwohner.

Münster im Kanton Luzern

Münster, 5) (Beromünster) Dorf im schweizerischen Kanton Luzern, Bezirk Sursee, 656 m ü. M., mit Sekundarschule, Progymnasium, Chorherrenstift aus dem 10. Jahrhundert und (1900) 978 katholische Einwohnern. Großartige, kulturhistorisch interessante Prozession am Himmelfahrtstag (4–5000 Personen, wovon 200 Berittene); um 1470 bestand hier schon eine Buchdruckerei, angeblich die älteste der Schweiz.

Bibliographie

  • Riedweg, M.: Geschichte des Kollegialstiftes Beromünster (Luzern 1881)
  • Kopp, K. A.: Die Stiftsbibliothek von Beromünster (Luzern 1902–03)

Münster im Kanton Bern

Münster, 6) (Moutier-Grandval) Flecken und Bezirkshauptort im schweizerischen Kanton Bern, im romantischen Münstertal, einem Juratal, das unterhalb gegen Courrendlin hin einen von steilen Kalksteinfelsen eingerahmten Engpass bildet, an der Birs, 540 m ü. M., an der Eisenbahn Biel–Basel, mit Schloss, 2 Kirchen, Uhrmacherei, Glasbläserei, Töpferei, Ziegeleien, Viehzucht und (1900) 3090 Einwohnern, darunter 856 Katholiken.

Münster im Kanton Graubünden

Münster, 7) (rätoromanisch »Müstair«) Dorf im gleichnamigen Tal des schweizerischen Kantons Graubünden, 1248 m ü. M., mit 594 katholischen Einwohnern und einem Benediktinerkloster mit Erziehungsanstalt für Mädchen. Das Münstertal (Val Müstair), vom Rombach, einem Zufluss der Etsch, durchströmt, ist eines der höchsten und rauhesten der in Dörfern bewohnten Täler Europas (bei Cierfs [Tschierv] 1664 m), gehört 18 km weit der Schweiz, 7 km weit Tirol an und verkehrt mit dem Engadin durch den Buffalora- und Ofenpass, mit Bormio (Worms) durch die neue Umbrailstraße über das Wormser Joch. Es ist auf Schweizer Boden von einem fast gänzlich rätoromanischen, größtenteils reformierten Hirtenvölklein von (1900) 1509 Seelen bewohnt, die sechs Gemeinden (Tschierv, Fuldera, Lü, Müstair, Santa Maria, Valchava) bilden. Seit 1748 gehört das untere Tal von Taufers ab zu Tirol.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Historische Orte