Panzerturm

Panzerturm

Panzerturm (vgl. hierzu Tafel »Panzertürme und Panzerbatterien«), gepanzerter Geschützstand für ein oder zwei Geschütze, der oben geschlossen oder offen ist. Der oben geschlossene Panzerturm dreht sich mit dem Geschütz, um diesem das Feuern nach allen Richtungen zu gestatten, entweder um eine wirkliche senkrechte Achse, wie die Panzerlafette (s. d.), oder um eine ideelle Achse auf einer Rollbahn mit Laufrollen oder Laufkugeln, die unter der senkrechten Wand am Panzerturm befestigt sind, Panzerdrehturm. Er ist vielfach für zwei Geschütze eingerichtet. Der Oberbau des Turmes erhielt durch Gruson bei seinen Hartgusstürmen die Kuppelform, die heute auch bei Panzerlafetten und Panzertürmen der Küsten- und Binnenlandsbefestigungen gebräuchlich ist.

Die gewölbte, in Hartguss hergestellte Panzerdecke der Panzertürme legt sich auf einen Vorpanzerring auf, wie ihn Fig. 2 im Vordergrund zeigt, während bei Fig. 3 die Seitenplatten abgenommen, bei Fig. 4 versenkt sind; die Scharten, die sich in der gewölbten Decke befinden, bilden die unvermeidliche Schwäche des Turmes, der an dieser Stelle durch das feindliche Feuer am leichtesten verletzbar, sonst aber infolge der sphärischen Kuppelform (ein deutsches Konstruktionsprinzip, das seinerzeit in Konkurrenz mit anderen, speziell französischen, weite Verbreitung fand) äußerst widerstandsfähig ist. Scharten und Kuppelform zeigen Fig. 2–4 der Tafel. Man sucht sie deshalb dem feindlichen Feuer durch Drehen des Turmes sofort nach dem Schuss zu entziehen. Mougin richtete den Turm für eine abstellbare schwingende Bewegung ein, durch welche die Scharten alsbald nach dem Schuss unter den Vorpanzerring versenkt und damit dem feindlichen Feuer entzogen werden. Die Rückschwingung, durch Einschalten eines schweren Gewichts veranlasst, hebt die Scharten zum Schießen über den Vorpanzer empor (Schaukelturm).

Schumanns Idee, die Panzerkuppel mit den Geschützscharten so weit zu versenken, dass letztere durch den Vorpanzer gedeckt sind, ist auf Panzertürme übertragen worden. Schumann verwendet zum Heben und Senken einen schwingenden Hebel, dessen den Panzerturm nahezu ausbalancierendes Gegengewicht, durch ein anhängbares Zusatzgewicht vermehrt, den Panzerturm in die Feuerstellung hinaufhebt, nach dem Ausschalten des Zusatzgewichts aber in die Ladestellung heruntersinken lässt. Diese Idee hat Galopin dahin erweitert, dass er den Panzerturm von zwei schwingenden Hebeln mit Gegengewichten tragen lässt. Wenn der Turm auf- und niedersteigt, verlängern, bez. verkürzen sich die inneren Hebelarme. In der Feuerstellung sind sie lang, hebt man die Hemmung aus, so hat der Panzerturm das Übergewicht und sinkt von selbst, die inneren Hebelarme beständig verkürzend, in die Ladestellung hinab, wo ihn eine Hemmung ergreift und festhält. Durch Einschalten eines Zusatzgewichts steigt der Panzerturm nach dem Ausschalten der Hemmung in die Feuerstellung hinauf. Auf Schiffen war ursprünglich der oben geschlossene Panzerdrehturm im Gebrauch. Damit verbundene Übelstände führten zur Verwendung einer unbeweglichen, oben offenen Panzerbrustwehr, innerhalb deren die Geschütze auf einer Drehscheibe stehen, sich mit dieser nach allen Richtungen drehen und über die Brustwehr hinwegfeuern können (Barbettelafetten). Zum Schutz für die Bedienung wurde das Geschütz mit einer sich mitdrehenden Panzerschutzkappe bedeckt (ähnlich wie in Fig. 1 der Tafel »Geschütze IV«).

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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