Heinrich von Kalden

Heinrich von Kalden, Reichshofmarschall unter Heinrich VI., Philipp, Otto IV. und Friedrich II., wahrscheinlich Sohn des unter Friedrich I. vorkommenden Marschalls Heinrich von Pappenheim. Er nennt sich auch öfters von Pappenheim, am meisten aber nach der Burg Kalentin (Kalden) bei Monheim nordöstlich von Donauwörth. Von Friedrich I. seinem Sohn Heinrich VI. als Marschall beigegeben, begleitet er diesen nach Italien, wo er den Beinamen Testa bekommen zu haben scheint, und bleibt bei demselben bis zum Kreuzzuge Friedrichs, auf welchem er als Eroberer der Burg Skribention im October 1189 gerühmt wird. Nach dem Tode des Kaisers kehrt er zu Heinrich zurück und sichert in dessen Dienst die Eroberung des sizilischen Reiches durch den großen Sieg bei Catania, welchen er 1197 über das überlegene Heer der Aufständischen davonträgt. Er zieht dann mit vielen deutschen Fürsten ins heilige Land, wo freilich größere Unternehmungen durch den inzwischen erfolgten Tod des Kaisers vereitelt werden. Wie Friedrich I. und Heinrich, so dient Kalden nach seiner Rückkehr auch Philipp von Schwaben mit hingebender Treue und man kann sagen, dass vielleicht mit Ausnahme der Jahre 1200-1202, in welchen Zerwürfnisse mit dem Kanzler Konrad B. von Wirzburg ihn vom Hofe ferngehalten zu haben scheinen, Nichts von Bedeutung vorkommt, wobei Kalden nicht beteiligt gewesen wäre; er ist ebenso bei den Verhandlungen mit Abgeordneten des Papsttums in den Jahren 1203 und 1207, als bei den großen Feldzügen nach Thüringen 1204 und gegen den Niederrhein 1205. Bei letzterem wirft er in persönlichem Kampf mit Otto IV. vor Köln diesen vom Pferde und verwundet ihn.

Die Rache für seinen durch den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach ermordeten König macht er zu seiner besonderen Aufgabe; mit eigener Hand schlägt er dem Mörder den Kopf ab, als er ihn endlich in einer Scheune bei Oberndorf (Regensburg) entdeckt hat. Wohl in der Überzeugung, dass das staufische Haus mit Philipp in Deutschland endgültig abgeschlossen sei - es ist von demselben ja nur noch ein Knabe, der in Sizilien regierende Friedrich II. übrig, setzt Kalden sich gleich nach Philipps Tod mit dessen bisherigem Gegner Otto IV. in Verbindung, der allein für die Krone in Frage kommen kann, und man begreift, welchen Wert für Otto der Anschluss dieses Mannes haben muss, welchen ein Zeitgenosse den berühmtesten unter den Schwaben nennt und der als Berater der letzten Könige auch ihm am Besten zu raten vermag, »was zu seiner Ehre nöthig war«. Kalden betreibt hauptsächlich Otto’s Verlobung mit Philipps Erbtochter Beatrix, führt ihn in Schwaben ein, unterstützt mit eiserner Hand die Aufrechterhaltung des Landfriedens, und übernimmt 1209 auf dem Römerzug ohne Zweifel die eigentliche Leitung des Heeres. Er hält bei Otto aus, auch dann noch, als derselbe mit Papst Innozenz III. zerfällt und gebannt wird.

Aber als Deutschland in jenem Friedrich von Sizilien wieder einen staufischen König hat und als derselbe in Frankfurt regelrecht erwählt, in Mainz gekrönt ist, als Friedrich das Marschallamt an Anselm von Justingen verleiht und keine Aussicht besteht, es durch Ausharren bei Otto behaupten zu können, da kehrt auch Kalden zu dem Enkel und Sohn seiner früheren Herren zurück (Januar 1213). Obwohl Justingen ihm nun das Amt lassen muss, erlangt er offenbar den früheren Einfluss nicht wieder; er tritt wenigstens nicht mehr so hervor und dürfte bald nach 1214, in welchem Jahre er zuletzt erscheint, gestorben sein. Er gehört zu dem Kreise der Reichsdienstmannen, welche durch ihre Tüchtigkeit sowohl als auch durch ihre fortdauernden persönlichen Berührungen mit den Herrschern in der späteren staufischen Zeit einen ganz bedeutenden Anteil an der Regierung bekommen haben, wenn derselbe sich auch im Einzelnen nicht immer so nachweisen lässt, wie es bei Kalden möglich ist. Das Marschallamt aber ist, nachdem 1215 bis c. 1225 Anselm von Justingen nochmals eingetreten, schließlich der Familie Pappenheim dauernd verblieben.

Bibliographie

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909
  • Winkelmann, Alfred: Allgemeine deutsche Biographie (Leipzig 1882)

Quelle: Alfred Winkelmann

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