Papst Innozenz III.

Innozenz III., vorher Lothar, geb. 1161 in Anagni, gest. 16. Juli 1216, Sohn des Grafen Trasmund aus dem in Segni und Anagni begüterten Haus Conti, studiert in Paris und Bologna, wird unter Clemens III. 1190 Kardinal und nach dem Tode Cölestins III. 8. Jan. 1198 zum Papst gewählt. Der Regierungsantritt des reichbegabten Priesterfürsten, der als Stellvertreter Gottes auf Erden das Recht der unmittelbaren Beherrschung der Welt für sich in Anspruch nimmt, fällt in eine Zeit, die seine großen Entwürfe besonders begünstigt. Zunächst erhält Innozenz durch den Tod des Kaisers Heinrich VI. Gelegenheit, bei der Verwirrung, die in Italien eintritt, den Kirchenstaat wiederherzustellen. Den kaiserlichen Präfekten der Stadt Rom veranlasst er, ihm den Eid der Treue zu leisten; die kaiserlichen Statthalter verdrängt er und nimmt die Mark Ancona, Teile von Tuscien und Spoleto in Beschlag. Zur Verteidigung dieser Erwerbungen gründet er einen Bund italienischer Städte. Die Kaiserin Konstanze, Witwe Heinrichs VI., musst, bevor sie für sich und ihren Sohn den nachherigen Kaiser Friedrich II., die Belehnung mit Sizilien erhält, auf alle der päpstlichen Macht nachteiligen, vom Papst Hadrian IV. 1156 zugestandenen Vorteile verzichten; vor ihrem Tode überträgt sie dem Papst die Vormundschaft über ihren Sohn.

In Deutschland unterstützt Innozenz im Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. den letzteren; doch knüpft er später mit dem siegreichen Philipp Verhandlungen an. Nach Philipps Ermordung (1208) lässt Innozenz Otto, bevor er ihn krönt, auf alle von der Kirche beanspruchten Güter Verzicht leisten und die Freiheit der Appellation an den päpstlichen Stuhl und der kirchlichen Wahlen versprechen. Da sich aber Otto bald von der Leitung durch den Papst zu emanzipieren strebt, schleudert Innozenz 1210 denn Bannstrahl gegen ihn und stellt ihm sein Mündel Friedrich II. als Gegenkönig entgegen, der 1212 nach Deutschland kommt, Otto IV. zurückdrängt und 1215 in Aachen gekrönt wird. Den französischen König Philipp August, der seine Gemahlin Ingeborg, Tochter des Königs Waldemar von Dänemark, verstoßen und Agnes von Meran geheiratet hat, nötigt Innozenz 1200, Ingeborg wieder als seine rechtmäßige Gemahlin anzuerkennen. Auch zwingt er Alfons X. von Leon und Galizien, sich 1203 von seiner Gemahlin wegen zu naher Blutsverwandtschaft zu trennen. Peter von Aragonien lässt sich in Rom von Innozenz 1204 krönen und machte sein Reich dem Papst zinsbar. Auch der Bulgarenfürst Kalojohannes nimmt seine Krone aus den Händen des Papstes; der portugiesische König Sancho I. versteht sich zu einem Tribut.

Da König Johann von England den vom Papst zum Erzbischof von Canterbury ernannten Kardinal Stephan Langton nicht anerkennt, so verhängt Innozenz 1208 das Interdikt über England, spricht über Johann selbst 1209 den Bann aus und bringt es dahin, dass jener 1213 sein Land vom Papst zu Lehen nimmt sowie einen jährlichen Tribut zu zahlen verheißt. Im Orient triumphiert Innozenz nach der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer; 1205 wird dort ein lateinischer Patriarch geweiht. Ebenso leitet Innozenz 1204 die Kreuzzugsbewegung nach Livland, die dort die Gründung eines christlichen Ritterstaats zur Folge hat. Innerhalb der Kirche vollendet Innozenz mit strenger Disziplin das System des päpstlichen Absolutismus.

1215 hält er die vierte ökumenische Lateransynode zu Rom ab, auf der Gesandte fast aller christlichen Höfe und Geistliche aus allen christlichen Ländern erscheinen. Hier werden die Wiedereroberung Palästinas und die Vernichtung der Ketzer beschlossen, die Lehre von der Transsubstantiation zum Glaubenssatz erhoben, die Ohrenbeichte zur Pflicht jedes Christen gemacht, die wichtigsten Rechts- und Disziplinarverhältnisse geordnet, die Mönchsorden der Franziskaner und Dominikaner bestätigt. Gegen die Waldenser und Albigenser lässt Innozenz das Kreuz predigen und setzt Ketzergerichte ein.

Auf einer Reise begriffen, um zwischen den zwiespältigen Städten Pisa und Genua zu vermitteln, wird Innozenz vom Tod ereilt. Sein Privatleben war tadellos und rein, sein Geist gewaltig und kühn, sein Auftreten gewandt und erfolgreich. Seine Werke erschienen in Köln 1575 und in Venedig 1578; neue Ausgabe bei Migne, Patrologia latina, Bd. 214-217.

Bibliographie

  • Brischar: Papst Innnozens III. und seine Zeit (Freiburg 1883)
  • Deutsch: Papst Innnozens III. und sein Einfluß auf die Kirche (Bresl. 1876)
  • Gütschow: Innnozens III. und England (Münch. 1904)
  • Hurter: Geschichte Papst Innnozens’ III. und seiner Zeitgenossen (3. u. 2. Aufl., Hamb. 1841-43)
  • Luchaire: Innocent III., Rome et l’Italie (Par. 1904)
  • Schwemer: Innnozens. III. und die deutsche Kirche (Straßb. 1882)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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