Schießscharten

Schießscharten von innen

Schießscharten, sind Öffnungen, um mit dem groben Geschütz hindurch zu feuern, und in ihren Dimensionen verschieden, je nachdem sie sich in einem Erdwall, in einer Mauer, oder in einer Holzwand befinden. Sie werden jedoch immer außerhalb weiter, als inwendig gemacht, um dem Geschütz eine Seitenrichtung von 11 Grad geben zu können.

Die Schießscharten in den Erdwällen kommen bei den Feldverschanzungen seltener vor, jedesmal aber bei den Belagerungsbatterien, und überhaupt, wenn die Kanonen nur gegen einen gewissen Punkt agieren sollen, und wenn man den Angriff von feindlichem Geschütz zu befürchten hat, wobei die Kanoniere und das Geschütz, wenn man über Bank feuerte, leiden möchten. Die Schießscharten in den Brustwehren werden inwendig mit Rasen, oder mit Faschinen, oder mit Schanzkörben bekleidet, und alsdann braucht man keine Bank. Die Kanoniere sind dann gedeckt, können aber nur langsam feuern, indem die Kanone nach dem Rücklauf von jedem Schuss, von neuem in die Schießscharte gebracht werden muss. In Fig. 18 sieht man in g e h f die Schießscharte im Profil der Brustwehr g i k h; a b c d ist die Schießscharte im Grundriss. Die innere Weite der Schießscharte, a b, beträgt bei 3-, 6- und 12-pfündern 1½, und bei 24-pfündern 2 Fuß; die äußere Weite beträgt bei den ersteren 7 Fuß, wenn nur ein Gegenstand zu beschießen ist, z. B., eine Brücke; sind aber mehrere, so ist die Schießscharte vorn so weit, dass man die Kanonen nach ihnen hin richten kann, gewöhnlich 9 Fuß. Die innere Höhe, Kniehöhe der Schießscharte, e i beträgt bei dem 3pfünder 3¼ Fuß, bei dem 6-pfünder 3½ und dem 10-pfünder 3¾ Fuß; dann müssen aber die Räder auf Bettungen stehen, damit sie nicht in die Erde dringen; die untere Fläche, Brüstung oder Sohle, der Schießscharte e f, läuft mit der Krone der Brustwehr g h, parallel; ist dies nicht der Fall, so darf die Neigung der Sohle nach außen nicht über 6 Grad betragen. Zu Zeiten macht man die Schießscharten an der inneren Seite 3 bis 4 Fuß, und an der äußeren 10 Fuß weit, um die Kanone nicht jedesmal nach dem Schuss wieder vor und mit dem Kopf in die Schießscharte zu bringen, und also geschwinder feuern zu können. – Die inneren Seitenflächen der Schießscharte, oder die Backen derselben, bekommen eine Böschung, die aber nicht zu groß sein darf, die Anlage dieser Böschung beträgt ½ bis 1 Fuß. Siehe übrigens Batterie; auch Grundriss, gepaartes Geschütz, etc.

Bei den Schießscharten der Kasematten kommt es hauptsächlich darauf an, ob man dem Geschütz eine schräge Seitenrichtung geben will oder nicht, wenn man ihre äußere Breite bestimmen will; über 5 Fuß wird diese jedoch nie betragen können; die äußere Höhe beträgt 1½ Fuß, die innere Höhe und Breite 2 Fuß. Was die Dicke der Mauer vor dem Geschützstand betrifft, so ist hierbei zu berücksichtigen, dass das Rohr eines Vierundzwanzigpfünders jederzeit bis auf 2 Fuß 2 Zoll von der äußeren Mauer in die Schießscharte hineinreichen muss, damit diese letztere nicht zu weit geöffnet werden darf, und das Geschütz nicht von den feindlichen Kugeln getroffen werden kann. Da nun die Kasemattlafette von dem Mittelpunkt ihrer Seitenbewegung, bis an die Mündung des Rohrs 4 Fuß 8 Zoll hat, so gibt dies zusammen 6 Fuß 10 Zoll; um die Lafette gehörig bewegen zu können, muss sie 10 Zoll mit ihrem Bewegungspunkt von der inneren Mauerfläche abstehen; es bleiben also 6 Fuß für die Dicke der Mauer übrig. Bekommt demnächst die Schießscharte inwendig eine Holzbekleidung von 2 Fuß Dicke, um zu verhindern, dass durch die losgeschossenen und umherfliegenden Steinstücke die Mannschaft der Bedienung beschädigt werden, so hat man nur noch 4 Fuß für die Stärke der Mauer vor dem Geschützstand, und die Mauer muss demnach an dieser Stelle um so viel schwächer gemacht werden, wenn ihre Dicke überhaupt mehr als 4 Fuß beträgt.

Die Schießscharten in den Blockhäusern, oder überhaupt in hölzernen Wänden, macht man gewöhnlich inwendig 15 Zoll bis 2 Fuß ins Geviert, auswendig 3 bis 4 Fuß weit. Die äußere Höhe richte sich nach der nötigen Neigung, welche die Sohle der Schießscharte nach außen zu bekommen muss. Man nimmt die Kniehöhe so, dass das Geschütz das vorliegende Terrain in einem Abstand von ungefähr 2 Fuß rasiert, und neigt die Sohle so, dass ihre Verlängerung auf den äußeren Grabenrand trifft. Die obere Fläche wird horizontal geführt, sobald kein höher gelegener Punkt beschossen werden soll. Die Backen dieser Scharten füttert man mit Balken, die gut befestigt werden, damit sie durch die in der Füllung der Schränkwände darauf kommende Erde nicht verschüttet werden können.

Über die Schießscharten in den Wänden der Kriegsschiffe, s. Stückpforten.

Schießscharten in den Laufgräben, für Jäger und Schützen, werden gemacht, indem man 2 Sandsäcke der Länge nach, etwa 4 Zoll auseinander, auf die Brustwehr, und einen dritten Sack quer darüber legt. Statt der Säcke fertigt man auch zuweilen kleine Schanzkörbe an, die unten enger als oben, und 1 Fuß hoch sind, und auf die Brustwehr gestellt werden.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Schießscharten, auch Créneaux, die in Deckungen, Mauern, Brustwehren etc. angebrachten Öffnungen, durch die man mit Geschützen (Geschützscharten) oder Gewehren (Gewehrscharten, in Bretterzäunen und Hecken Schießschlitze, Schießlücken) feuert. Bei Mauerscharten sind die Seitenflächen (Schartenbacken oder Schartenwangen) gebrochen (Schartenbruch), um bei möglichst großem Gesichtsfeld an Deckung wenig zu verlieren. Senkscharten gestatten schräg oder senkrecht nach unten zu feuern, s. Festung; Maulscharten sind breit und schmal (für Gewehrfeuer). In anderen Sprachen wird der eigentliche Schießschlitz (arrowslit, meurtrière, balestriera) von der Schießnische (embrasure) unterschieden, in die der Soldat zum Schießen hineintritt. Über Minimalscharten s. Lafette.

Schießscharten von außen

Die Schießscharten in Schiffswänden heißen Stückpforten oder Pforten. In Panzerwänden wendet man, um die Panzerwand möglichst wenig zu schwächen und an Deckung nichts zu verlieren, Lafetten an, bei denen der Drehpunkt des Geschützes in der Geschützmündung liegt, so dass Minimalscharten genügen, die nur wenig größer sind als der Kopf des Geschützes. Über die Schießscharten im Mittelalter vgl. Piper, Burgenkunde (2. Aufl., Münch. 1906).

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe