Friedrich Hermann von Schönberg

Friedrich Hermann von Schönberg, Marschall von Frankreich, brandenburgischer General en chef, großbritannischer General of all his Majesty’s forces. Sohn von Hans Meinhard von Schönberg, Ende Dezember 1615 zu Heidelberg geboren, auf der Akademie zu Sedan und der Universität Leyden unterrichtet, tat seine ersten Kriegsdienste 1633 unter dem Prinzen Heinrich von Oranien, trat dann bei den Schweden ein, warb eine Kompanie für das Regiment von Josias Rantzau und focht im Dreißigjährigen Krieg bis Ende 1637 gegen die Kaiserlichen. Dann übernahm er die Verwaltung seiner Güter und verheiratete sich am 30. April 1638 mit seiner Cousine, Johanna v. Schönberg, aber schon im folgenden Jahr nahm er als Lieutenant beim Arkebusierregiment des Prinzen von Oranien von neuem Dienste, focht bis zu Ende des Krieges gegen die Spanier, erbat 1651 seinen Abschied und trat in das französische Heer, in welchem er die nächsten Jahre hindurch unter Turenne diente. 1654 wird er bereits als Generallieutenant bezeichnet. Er nannte sich hier Comte de Schomberg; es war dies eine Namensänderung, welche bereits die mehr als hundert Jahre früher nach Frankreich gekommenen, meißnischen Schönberg hatten über sich ergehen lassen müssen. 1655 warb er ein eigenes Infanterieregiment und erscheint nun immer mehr unter den Heerführern. Am 22. März 1657 musste er freilich das belagerte Chislain übergeben, am 18. Oktober aber nahm er Bourbourg und, was mehr war, behauptete den Platz. In der Dünenschlacht (14. Juni 1658) befehligte er den linken Flügel des zweiten Treffens und trug überhaupt wesentlich bei, dass Spanien sich dem Abschluss des pyrenäischen Friedens geneigt bewies.

Figuren

  • Friedrich Hermann, Comte de Schomberg, 28 mm Reiver PER11

Auf französische Empfehlung kam er 1651 in den Dienst Portugals, welches mit Spanien im Krieg lebte. Noch in demselben Jahr wies er einen Einbruch des Feindes in das eigene Land zurück. Dann ließ er sich Verbesserungen des Heeres angelegen sein, stieß aber auf so großen Widerstand und so viele Hemmnisse, dass der Feldzug vom Jahr 1662 keine Erfolge brachte. Schönberg, welcher unter den vorliegenden ungüstigen Verhältnissen an einem glücklichen Ausgang des langwierigen Krieges zweifeln mochte, bat um seine Entlassung und war schon im Begriff sich zur Heimkehr einzuschiffen, ließ sich aber durch die Stimme der öffentlichen Meinung, durch den Wunsch König Ludwig XIV. und dadurch zum Bleiben bestimmen, dass König Karl II. von England ihm auch die britischen Hilfstruppen unterstellte. Der portugiesische Heerführer Penaflor, einer seiner Hauptwidersacher, ward durch Marialva ersetzt.

Seine eigene Stellung blieb bei der Eifersucht und der Unfähigkeit der portugiesischen Offiziere und den Mängeln des Heerwesens eine schwierige; trotzdem aber ward durch seine Verdienste am 8. Juni 1663 bei Ameixial ein glänzender Sieg über die Spanier unter dem Infanten Don Juan d’Austria erfochten. Noch bedeutender war der Gewinn der Schlacht bei Vila Viçosa oder bei Montes Claros am 17. Juni 1665, welcher ebenfalls hauptsächlich Schönberg und den von ihm befehligten französischen Hilfstruppen zu danken war. Der errungene Sieg, an welchen noch heute der Name des Ritterordens von Vila Viçosa erinnert, rettete endgültig dem Hause Braganza die Krone von Portugal. Er war so bedeutend, dass er Schönberg die Möglichkeit gewährte, in den beiden folgenden Jahren angriffsweise vorzugehen, indem er Einfälle nach Spanien unternahm, bei denen indessen nennenswerte Ereignisse nicht vorkamen. Am 13. Februar 1668 kam endlich ein Friedensschluss zu Stande, durch welchen Spanien auf sein langjähriges Bemühen, das Schwesterreich sich einzuverleiben, verzichtete.

Schönberg kehrte nun nach Frankreich zurück, ließ sich als Franzose naturalisieren, kaufte die im jetzigen Département Seine et Marne gelegene Herrschaft Courbet, verheiratete sich, nachdem seine erste Gemahlin 1664 zu Geisenheim gestorben war, zum zweiten Mal am 14. April 1669 mit Susanne d’Aumale, Frau auf Aucourt in der Normandie, ging 1672 nach England um mit britischen Truppen die Landung in Holland zu unternehmen, kehrte aber, da der Plan nicht zur Ausführung kam, bald nach Frankreich zurück, befehligte 1673 und 1674 zuerst zwischen Maas und Sambre, dann im Roussillon, wurde 1674 zum Herzog, 1675 zum Marschall von Frankreich ernannt, drang im letzteren Jahr in Katalonien ein und nahm Bellegarde, und war in den nächsten Jahren auf dem flandrischen Kriegsschauplatz tätig; teils befand er sich in der Umgebund König Ludwig XIV., teils erledigte er selbständige Aufträge. So entsetzte er 1676 Maastricht und wich Wilhelm von Oranien geschickt aus, 1677 wohnte er den Einnahmen von Valenciennes und von Cambrai bei und befehligte dann ein Beobachtungskorps bei Sedan, 1678 machte er die Eroberung von Gent und von Ypern mit.

Der Friede von Nimwegen verhalf ihm zur Berichtigung einiger von seinem Vater ererbter Forderungen an Kurpfalz. Dann nahm er an der Beraubung seines Vaterlandes durch König Ludwig XIV. tätigen Anteil, umsonst aber versuchte er von letzterem zu erlagen, dass er für solche Dienste auch noch auf deutsche Kosten belohnt werde. Der König erwirkte nur die Aufhebung der gegen ihn verhängten Achtserklärung und die Rückgabe seiner infolge der letzteren anderweit vergebenen Güter. Die Aufforderung, sein Glaubensbekenntnis zu wechseln, lehnte er beharrlich ab; da er sich auch nach Aufhebung des Edikts von Nantes nicht dazu verstehen wollte, ward er nach Portugal verwiesen. Die Bekehrungsversuche machten aber auch hier sein Bleiben unmöglich, so dass er, bevor er noch die Unterhandlungen, welche er mit verschiedenen Staaten wegen Übernahme eines Kommandos führte, beendet waren, auf gut Glück nach Brandenburg ging. Sein Eintreffen beendete die Zweifel, welche hier inbetreff seiner Verwendung bestanden. Kurfürst Friedrich Wilhelm übertrug ihm am 17. (27.) April 1687 "das Generalat über alle Unsere armée und trouppen in allen Unseren Ländern und Provincien", ernannte ihn zum geheimen Staats- und Kriegsrat und zum Statthalter des Herzogtums Preußen und verlieh ihm ein eigenes Dragonerregiment, später Kürassierregiment Großer Kurfürst (Schlesisches) Nr. 1; sein Traktament betrug jährlich 30.000 Taler, dazu erhielt er Futter für 30 Pferde und sonstige Naturalien. Der alte Derfflinger und andere Generale fühlten sich durch Schönbergs Ernennung sehr mit Recht zurückgesetzt. Schönberg siedelte sich nun sofort in Berlin an, indem er das später von Kaiser Friedrich als Kronprinz bewohnte Dohna’sche Palais unter den Linden, dem Zeughaus gegenüber, kaufte, in welchem seine Gemahlin im August 1688 starb.

Friedrich III. schenkte ihm das gleiche Vertrauen wie sein Vorgänger, der Große Kurfürst. Ruhe aber sollte Schönberg im Vaterland nicht finden, denn Wilhelm von Oranien, welcher seinen Anschlag auf den englischen Thron plante, erbat ihn sich und der Kurfürst entsandte ihn auf Grund des am 5. August 1688 abgeschlossenen Celler Vertrages mit 5300 Mann zu Fuß und 660 Kürassieren nach Holland. Schönberg begleitete dann Wilhelm III. nach England, wo er als Engländer naturalisiert, zum Duke ernannt und reich mit Geld belohnt ward, wogegen Ludwig XIV. seine in Frankreich gelegenen Besitzungen einzog und seinen Stammsitz Schönburg bei Oberwesel zerstören ließ. Um die Eroberung Großbrittaniens zu vollenden, führte Schönberg im Spätsommer 1689 eine Abteilung englischer Truppen von 5000 bis 6000 Mann nach Irland über. Es war eine in jeder Beziehung ungenügende Streitmacht; unter schweren Entbehrungen und mit große Anstrengung behauptete er bis zum nächsten Frühjahr das Feld. Mitte Juni 1690 kam endlich König Wilhelm mit Verstärkungen. Am 1./10. Juli kam es am Fluss Boyne zur Schlacht zwischen den beiden Bewerbern um den englischen Thron, welche persönlich ihre Heere führten. Schönbergs Sohn Meinhard zeigte den englischen Truppen den Weg zum Sieg, der Vater aber, welcher die Mitte des Heeres befehligte, fiel; nach einer Angabe, als er verwundet in die Gewalt des Feindes geraten war, durch eine Kugel aus den eigenen Reihen. Schönberg war eine durchaus kriegerische, Ehrfurcht gebietende und Gehorsam fordernde Erscheinung, ein vorzüglicher Reiter, prachtliebend, soldatisch denkend, umsichtig und tapfer, ein treuer Anhäger des evangelischen Glaubens, aber nachsichtig gegen anders denkende. Die Trauer um seinen Tod war allgemein im Heer. Seine Beisetzung erfolgte in der St. Patrickskathedrale zu Dublin.

Von seinen sechs Söhnen fiel Otto, geboren am 15. März 1639 zu Geisenheim, 1656 vor Valenciennes; Friedrich, geb. am 14. März 1640 zu Oberwesel, stand in französischen Diensten, begleitete den Vater nach Portugal, kehrte dann nach Deutschland zurück, wo er sich Graf von Schomberg nannte, und starb am 5. Dezember 1700 zu Geisenheim; Meinhard, geboren am 30. Juni 1641 zu Köln, mit dem Vater als Franzose naturalisiert, tat sich in den Kriegen Ludwig’s XIV. in höheren Stellungen hervor, kam dann mit dem Vater nach Brandenburg, wo er am 15./25. November 1688 als General der Kavallerie und Oberst der Trabantenleibgarde angestellt wurde, ward am 25. Juli/4. August 1689 vor Bonn auf vielfältiges Ansuchen "dimittiert" (sein Traktament hörte erst im April 1690 auf), ging mit dem Vater nach England und später nach Irland, wo wir ihm am Boyne begegnet sind, und starb als Duke of Schomberg in englischen Diensten am 5./15. Juli 1719. Heinrich, geb. am 9. Juli 1643 zu Herzogenbusch, fiel schon 1667 in französischen Diensten; Karl, geb. am 5. August 1645, der Erbe seines Vaters als französischer Herzog, kam mit diesem aus dem französischen als Generalmajor in den brandenburgischen Dienst, in welchem er am 30. Oktober 1687 Gouverneur von Magdeburg, am 25. Oktober 1689 Generallieutenant wurde, begleitete ebenfalls seinen Vater nach England, verließ dann den brandenburgischen Dienst, focht mit den Truppen der gegen Frankreich verbündeten Staaten 1691 bis 1693 in Italien und starb an einer am 4. Oktober 1693 in der Schlacht bei Marsaglia erhaltenen Wunde am 17. Oktober des Jahres zu Turin; der jünste Sohn Wilhelm, geboren am 11. August 1647, ist vermutlich in Frankreich in jugendlichem Alter gestorben.

Bibliographie

  • Kazner, Johann F.: Leben Schönberg’s (Mannh. 1789)
  • Militärwochenblatt Nr. 81 (Berlin 1879)
  • Poten, Bernhard von: Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 32 (Leipzig 1891)

Quelle: Bernhard von Poten

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