Seitenpatrouille

Seitenpatrouille

Seitenpatrouille, (s. auch Patrouille) kann man zu zweierlei Zwecken abschicken. 1) Um nach einer gewonnenen Schlacht, vorzüglich wenn es schon finster geworden ist, das Gelände zu beiden Seiten, und in den Zwischenräumen der verschiedenen vorrückenden Kolonnen, von den versprengten und flüchtigen Feinden zu reinigen, und sie aufzufangen. Die Stärke dieses Detachements hängt zwar von den Umständen ab; der Anführer hat hierbei vorzüglich nur darauf zu sehen, dass er mit der Kolonne, von der er detachiert ist, immer in gleicher Höhe bleibt, und sich nicht allzuweit von ihr entfernt. Infanterie wird besonders des Nachts, für diese Patrouillen, der Kavallerie vorzuziehen sein. Der Kommandierende, welcher übrigens eine Avantgarde hat, lässt auf alles, was ihm feindlich begegnet, und sich nicht augenblicklich ergibt, sogleich Feuer geben, und er kann gewiss erwarten, dass er dann von solchen Versprengten und Flüchtigen, selbst wenn sie in großen Haufen beisammen wären, keinen bedeutenden Widerstand zu befürchten haben wird. 2) Werden Seitenpatrouillen abgeschickt, um eine vor dem Feind im Marsch begriffene Kolonne zu beiden Seiten zu decken, d. h. vor feindlichen unvermuteten Angriffen zu sichern. Folgendes ist bei allen Seitenpatrouillen zu beachten:

1.) Sie werden wo möglich aus Infanterie und Kavallerie zusammengesetzt sein, um beide nach Maßgabe des Geländes zu gebrauchen. Ihre Stärke richtet sich nach der Stärke des Detachements; sie können 16, 20 bis 40 und mehr Mann stark sein. Die Entfernung ist bei großen Kolonnen von 800 bis auf 2000 Schritt. Auch richtet sich diese nach dem Gelände; nie darf ein völlig impraktikables Gelände zwischen dem Hauptkorps und der Seitenpatrouille liegen bleiben; in diesem Fall schließt sich letztere an das erstere wieder an. Übrigens bleibt die Seitenpatrouille immer in einer Höhe mit dem Detachement.

2.) Diese großen Seitenpatrouillen schieben wieder einen Vortrab vorwärts, so wie einige Blänker noch mehr seitwärts (s. Seitenblänker); der Vortrab hat wieder einige Blänker zu beiden Seiten, welche mit den Blänkern und Seitentrupps der großen Avantgarde des Hauptkorps in Verbindung bleiben müssen, so dass alle diese Blänker das letztere wie eine Kette, vorne und zu beiden Seiten, selbst in gewissen Fällen in Verbindung mit der Arrieregarde, ringsum umgeben. Alle diese Blänker bestehen bei Tage und in ebenem Terrain aus Kavallerie, bei Nacht und im durchschnittenen Gelände aus Infanterie.

3.) Da diese Patrouillen eine Art von Rekognoszierungspatrouillen sind, so gilt von ihnen alles das, was für diese als Regel aufgestellt ist, wenn sie an ein Defilé, einen Wald, einen einzelnen Hof, an Brücken, Furten usw. kommen, oder auf den Feind stoßen. Auch die meisten für die Avantgarde gegebenen Regeln finden hier Anwendung.

4.) Wenn die Seitenpatrouille auf den Feind stößt, so lässt sie ihre Blänker sowie den Vortrab mit demselben scharmuzieren, da es ihr vorzüglicher Zweck ist, die feindlichen Blänker zu verhindern, dass sie nicht den Marsch der Kolonne beunruhigen. Jedoch muss sie sich nicht so sehr mit dem Feind einlassen. Ist dieser zu stark, so wird sie durch eine Meldung an das Hauptkorps Verstärkung erhalten können. Doch geschieht dieses Scharmuzieren mit dem Feind nur dann, wenn es der Seitenpatrouille unmöglich ist, sich länger verdeckt zu halten, und wenn durch die Stärke desselben der marschierenden Kolonne ein Nachteil entstehen könnte. Im Gegenteil muss sie ihn zu umgehen, abzuschneiden und gefangen zu nehmen suchen. Geht der Marsch durch eine ebene Gegend, wo die Seitenpatrouillen einen Angriff der überlegenen feindlichen Kavallerie zu fürchten haben, so muss man sich ja hüten, die Infanterie von der Seitenpatrouille preiszugeben. Man verwende sie nur dazu, um unseren Blänkern von der Kavallerie, die sich mit dem Feind eingelassen haben, zum Soutien zu dienen, und lasse sie daher zwischen dieser und der Kolonne, doch so nahe wie möglich an letzterer marschieren; die Umstände müssen bestimmen, ob in kleinen geschlossenen Trupps oder en Debandade hinter einander. Ist der Angriff des Feindes so heftig, dass die Kolonne selbst von ihm bedroht ist, und genötigt wird, sich in Schlachtordnung zu setzen, so müssen die Seitenpatrouillen diese Bewegung zwar decken, nach Vollendung derselben aber sich, in der möglichsten Geschwindigkeit, auf das Detachement zurückziehen, um dem Feuer desselben nicht im Wege zu sein; wenn anders das von den Seitenpatrouillen besetzte Gelände nicht eine vorteilhafte Position für das Detachement darbietet, in welchem Falle sie den Platz so lange wie möglich zu behaupten suchen müssen, bis das Detachement selbst davon Gebrauch machen kann.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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