Trier

Trier (lat. Augusta Trevirorum, franz. Trèves), Hauptstadt des vormaligen Erzbistums Trier sowie des jetzigen gleichnamigen Regierungsbezirks, Stadtkreis, in der [ehem.] preußischen Rheinprovinz, an der Mosel, über die hier eine alte, auf acht Schwibbogen ruhende Brücke (ursprünglich ein Römerbau) führt, 124–140 m ü. M., ist von schönen Anlagen umgeben, hat sechs öffentliche Plätze, darunter der teilweise von alten, bis ins 15. Jahrhundert zurückreichenden Häusern umgebene Hauptmarkt, mit einem 958 errichteten Marktkreuz und dem Petersbrunnen, der Domfreihof mit dem Denkmal Kaiser Wilhelms I., der Kornmarkt mit dem Georgsbrunnen etc.

Von kirchlichen Gebäuden (elf katholische und eine evang. Kirche und eine Synagoge) sind zu erwähnen: die von Kaiser Konstantin d. Gr. erbaute Basilika, vom König Friedrich Wilhelm IV. wieder hergestellt und jetzt als evangelische Kirche benutzt; der 1196 vollendete romanische Dom, dessen Kern eine römische Prachthalle bildet, mit schönem, frühgotischem Kreuzgang, schönen Grabmälern und bedeutenden Reliquien (darunter der berühmte heilige Rock); die Liebfrauenkirche, die älteste deutsche Kirche gotischen Stils, 1127–43 erbaut, mit figurenreichem Portal und kühn gewölbtem Schiff sowie mit neuen Glasmalereien nach Entwürfen Steinles; die gotische Dreifaltigkeits- oder Jesuitenkirche mit Grab und Denkmal des als Bekämpfer des Hexenwahns und Verfasser der »Trutz-Nachtigall« bekannten Jesuiten Friedrich von Spee; die Matthiaskirche mit römisch-christlicher Begräbnisstätte; die Paulinuskirche; die neue romanische Pauluskirche u. a. Interessante Denkmäler aus der Römerzeit sind: die Porta nigra, das großartigste Denkmal römischer Kultur auf deutschem Boden, ein altes römisches Stadttor aus dem 3. Jahrhundert, 36 m lang, 21 m breit und 23 m hoch; der römische Kaiserpalast; die römischen Bäder (zum Teil noch verschüttet) und die Überreste eines römischen Amphitheaters, in dem Kaiser Konstantin im Jahr 306 Tausende gefangener Franken und 313 eine ähnliche Zahl Brukterer den wilden Tieren preisgab. Von sonstigen Bauwerken sind nennenswert: der weitläufige, früher erzbischöfliche Palast, jetzt Kaserne; der Frankenturm, aus dem 10. Jahrhundert, das älteste steinerne Wohnhaus Deutschlands; das frühgotische Dreikönigenhaus aus dem 13. Jahrhundert; das Kaufhaus (altes Rathaus); die Steipe (Rotes Haus) etc. Von neueren Gebäuden verdient besonders das neue Regierungsgebäude Erwähnung. An Denkmälern ist noch das 1897 errichtete Denkmal des Kurfürsten Balduin zu nennen. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1905) mit der Garnison (drei Infanterieregimenter Nr. 29, 69 und 161 und ein Feldartillerieregiment Nr. 44) auf 46.709 Seelen, darunter 5779 Evangelische, 40.152 Katholiken und 761 Juden. Trier hat bedeutende Eisengießerei und Maschinenfabrikation (Maschinen für Keramik, Mosaik-, Trottoir-, Wand- und Betonplatten), Färberei, Fabrikation von Sohlleder, Tabak, Zigarren, Wachswaren, Tuch, Möbeln etc., Bierbrauerei, Steinhauerei, Glasmalerei, berühmte Baum- und Rosenschulen, Obst- und Weinbau. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbanknebenstelle und die Moselschiffahrt, ist besonders bedeutend in Wein, Vieh und Holz. Berühmt sind die alljährlich dort stattfindenden Weinversteigerungen. Den Verkehr in der Stadt vermittelt eine elektrische Straßenbahn. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Köln-Trier-Saarbrücken, Trier-Koblenz, Trier-Metz, Trier-Luxemburg, Trier-Hermeskeil sowie der Kleinbahnlinie Trier-Bullay. An Bildungsinstituten und anderen Anstalten besitzt Trier zwei Gymnasien, ein Realgymnasium, ein Priesterseminar, ein bischöfliches Konvikt, eine höhere Mädchenschule, ein Lehrerinnenseminar, eine Präparandenanstalt, eine Taubstummenanstalt, eine Wein- und Obstbauschule, ein Konservatorium für Musik, eine Stadtbibliothek (80.000 Bände) mit Handschriften (darunter die als Codex aureus bekannte Evangelienhandschrift aus dem 9. Jahrhundert), Inkunabeln etc., ein Provinzial- und ein lokalhistorisches Museum; ferner ein Landarmenhaus, eine Irrenpflegeanstalt, ein Strafgefängnis etc. Von Behörden haben dort ihren Sitz: eine königliche Regierung, das Landratsamt für den Landkreis Trier, ein katholischer Bischof, ein Landgericht, eine Oberpostdirektion, ein Hauptsteueramt, ein Bergrevier etc.; ferner der Stab der 16. Division, der 31. und 80. Infanterie- und der 16. Feldartilleriebrigade. Die städtischen Behörden zählen fünf Magistratsmitglieder und 30 Stadtverordnete. Zum Landgerichtsbezirk Trier gehören die 16 Amtsgerichte zu Bernkastel, Bitburg, Daun, Hermeskeil, Hillesheim, Merzig, Neuerburg, Neumagen, Perl, Prüm, Rhaunen, Saarburg, Trier, Wadern, Waxweiler und Wittlich. In der Nähe in schöner Lage der Markusberg mit Wallfahrtskapelle, 31 m hoher Mariensäule und schöner Aussicht; weiter die Dörfer Nennig (s. d.) und Igel (s. d.) mit Überresten aus der Römerzeit.

Der Regierungsbezirk Trier (s. Karte »Rheinprovinz«) umfasst 7184 km² (130,48 mi²) mit (1905) 931.016 Einwohnern (davon 182.618 Evangelische, 740.952 Katholiken und 6948 Juden), 130 auf 1 km², und besteht aus den 13 Kreisen:

Kreise km² mi² Einwohner auf 1 km²
Bernkastel 668 12,13 48.311 72
Bitburg 780 14,17 45.553 58
Daun 610 11,08 29.883 49
Merzig 421 7,65 48.421 115
Ottweiler 307 5,58 117.407 382
Prüm 919 16,69 35.270 38
Saarbrücken 386 7,01 241.991 626
Saarburg 454 8,25 33.686 74
Saarlouis 441 8,01 100.739 228
St. Wendel 537 9,75 51.624 96
Trier (Stadt) 8 0,15 46.709 5839
Trier (Land) 1011 18,36 89.399 88
Wittlich 642 11,66 42.113 66

Über die sechs Reichstagswahlkreise des Regbez. Trier vgl. die Karte »Reichstagswahlen«.

Trier erinnert durch seinen Namen an den keltischen Stamm der Treverer (s. d.), wurde im 3. Jahrhundert Residenz römischer Kaiser und unter Konstantin I. Sitz einer der vier Präfekturen des Reiches. Um die Mitte des 5. Jahrhundert von den Franken unterworfen, wurde es 451 von den Hunnen zerstört. Seit 870 zum ostfränkischen Reich gehörig, stand es unter Grafen, deren Macht seit dem 9. Jahrhundert an die Erzbischöfe überging. Das Streben nach Reichsfreiheit war trotz der Freibriefe Ottos IV. und Konrads IV. erfolglos, denn 1308 erkannte Trier wieder die Gerichtsbarkeit des Erzbischofs an, und ihre Eigenschaft als erzbischöfliche Stadt bestätigten 1364 Karl IV. und 1580 das Reichskammergericht. Erzbischof Theoderich I. und sein Nachfolger Arnold II. befestigten im 13. Jahrhundert die Stadt durch Mauern, und in der Stadt residierten auch die Kurfürsten vielfach. 1473–1797 bestand in Trier eine Universität. 1512 fand daselbst ein Reichstag statt, auf dem die Kreisverfassung im Reich endgültig festgestellt wurde. 1634 wurde Trier von den Spaniern erobert, aber 1645 von den Franzosen unter Turenne wieder genommen. Schon 1674, 1688 und auf längere Dauer 1794 von den Franzosen erobert, kam die Stadt 1801 an Frankreich und ward Hauptstadt des »Département de la Sarre«. 1814 fiel sie an Preußen. Denkwürdig ist die Zusammenkunft Kaiser Friedrichs III. mit Karl dem Kühnen 1473 in Trier.

Bibliographie

  • »Trierische Chronik« (seit 1905)
  • Lokalführer von Braun, Lintz, Steinbach, Wörl u. a.
  • Beissel: Geschichte der Trierer Kirchen (Trier 1888)
  • Freeman: Augusta Treverorum (a. d. Engl., Trier 1876)
  • Haupt: Triers Vergangenheit und Gegenwart (Trier 1822, 2 Bde.)
  • Hettner: Das römische Trier (Trier 1880)
  • Hettner: Die römischen Steindenkmäler des Provinzialmuseums zu Trier (Trier 1893)
  • Hettner: Führer durch das Provinzialmuseum in Trier (Trier 1903)
  • Leonardy: Panorama von Trier (Trier 1868)
  • Leonardy: Geschichte des trierischen Landes und Volkes (Saarlouis 1871)
  • Palustre: Le trésor de Trèves (Par. 1886)
  • Schoop: Verfassungsgeschichte der Stadt Trier bis 1260 (»Westdeutsche Zeitschrift«, Ergänzungsheft 1, Trier 1884)
  • Wilmowsky: Der Dom zu Trier in seinen drei Hauptperioden (Trier 1874, 26 Tafeln)
  • Wilmowsky: Archäologische Funde in Trier (Trier 1873)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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