Vorposten

Vorposten

Vorposten, sind diejenigen Schildwachen, welche untereinander in Verbindung, von einer Feldwache gegen den Feind ausgesetzt werden, um einen unvermuteten Angriff zu verhindern. Ein solcher Posten besteht immer aus zwei Mann, die sich einander sekundieren; sie sind teils von der Infanterie, teils von der Kavallerie, wo sie insgemein Vedetten heißen. Im Lager ist die Ausstellung der Vorpostenwachen des Generals du jour, in Kantonierungen des kommandierenden Offizier im Ort; sonst setzt der Offizier der Feldwache die Vorposten aus. Die Entfernung der Vorposten von der Feldwache und unter einander, richtet sich nach der Tageszeit, dem Terrain, und nach der Stärke des Detachements und der Größe des zu deckenden Terrains. Wenn man nicht sehr stark ist, kann man die Vorposten nicht zu weit von sich entfernen, doch muss dann die Wachsamkeit verdoppelt werden; in Lägern stellt man sie in freiem Terrain auf 3 bis 4000 Schritt von der Feldwache auf; des Nachts aber dürfen sie nur so weit stehen, dass man ihren Schuss noch hören kann, also 1000 bis 1500 Schritt. Müssen sie demnach in einer größeren Entfernung stehen bleiben, so stellt man Zwischenposten aus. Dies ist auch bei Tage nötig in coupiertem Terrain, oder bei nebligem Wetter; überhaupt aber müssen im coupierten Terrain die Vorposten nicht über 1000 Schritt entfernt sein.

Die Entfernung der Vorposten unter einander bei Tage ist in freier Gegend so, dass sie sich noch einander sehen können, also auf 2000 Schritt; des Nachts muss man jedoch eine solche Vorpostenkette verstärken, und sie dürfen dann nicht über 200 Schritt von einander entfernt sein; im coupierten Terrain aber beträgt die Entfernung nie über 100 Schritt. Des Nachts patrouilliert in diesem Fall, und auch auf freiem Felde bei großer Entfernung, ein Mann von dem Vorposten immer nach dem nebenstehenden Posten, und sie werden dann alle Stunden abgelöst. Leidet die Sicherheit derselben nicht darunter, so verändert man die Stellung derselben des Nachts mehrere Male; diejenigen Vorposten, welche des Tages auf Bergen stehen, gehen des Nachts bis and den Fuß des Berges zurück, weil sie dann von da in die Höhe leichter Jemanden sich nähern sehen; diejenigen, welche bei Tage vor dem Defilé stehen, gehen bei Nacht in oder hinter dasselbe; auch stellt man sie des Nachts nahe an die Wege, um solche besser beobachten zu können. Ist vor dem Vorposten ein Graben, Gewässer so muss er des Nachts bis an die Übergang vorgerückt werden.

Die Vorposten werden gewöhnlich alle 2 Stunden abgelöst, besondere Fälle ausgenommen; mit der abgelösten Mannschaft werden dann die nebenstehenden Posten visitiert; dieses muss aber auch außerdem noch durch besondere Patrouillen öfters geschehen, besonders des Nachts. – Kann man impraktikables Terrain mit in die Vorpostenkette ziehen, so ist dies sehr vorteilhaft, weil man ganze Strecken, als Brüche, Moräste usw. dann nicht zu besetzen braucht; doch muss man sich vorher selbst überzeugen, dass das Terrain wirklich impraktikabel ist. Eine Hauptsache ist aber, die beständige Verbindung der Vorposten mit einander und mit der Feldwache zu unterhalten. Sind kleine Gebüsche vor der Postenkette, so stellt man die Posten bei Tage vor dieselben, um die jenseitige Gegend übersehen zu können; bei Nacht zieht man sie diesseits zurück, wenn sie sonst zu weit entfernt wären; sie können dann leicht durch das Geräusch des Laubes jeden Herannahenden hören. Hat man eine hinlängliche Anzahl leichter Truppen, so stellt man die Vorposten so nahe als möglich an den Feind; man deckt sich dann sicherer und besser, die Leute sind mehr auf ihrer Hut, und man kann die feindlichen Bewegungen eher entdecken. Die Vorpostenkette muss ferner so gezogen sein, dass die Flügel gut angelehnt sind; solche Anlehnungspunkte sind Flüsse, Seen, Moräste usw. Hat man auf dem Flügel einen Wald, so deckt man sich durch Verhaue, und ausgesetzte Infanteriepiketts.

Es versteht sich von selbst, dass die Vorposten niemals das Gewehr aus der Hand setzen; können sie sich gegen den Feind verdeckt halten, so ist es um so besser, doch dürfen sie sich nie niederlegen oder setzen, besonders des Nachts. – Der Offizier der Feldwache instruiert seine Vorposten selbst, und fragt dann genau nach, ob sie auch alles wissen, was sie zu tun haben. Sie dürfen Niemanden durch die Chaine lassen, ohne ihn examiniert zu haben; einzelne Bauern und Reisende werden bei Tage zur Feldwache gebracht, wenn es nicht ganz verboten ist, sie durchzulassen; von allem was auf dem Vorposten vorfällt, macht ein Mann die Meldung an die Feldwache, während der andere auf seinem Posten stehen bleibt; dies ist besonders nötig, wenn sich etwas vom Feinde zeigt, oder sie eine Veränderung in der feindlichen Stellung bemerken.

Kommen bei Tage bedeckte Wagen, mehrere Menschen, bewaffnete Mannschaft, feindliche Parlementairs oder mehrere Deserteurs an, so meldet dies ein Mann noch ehe es heran kommt. Der andere ruft dann auf 100 Schritt: „Halt!“, stehen sie bei zweimaligem Halt rufen nicht, so gibt er Feuer. Stehen sie aber, so ruft er: „Ein Mann vor, die anderen kehrt!“ Nachdem der Examiniertrupp von der Feldwache angekommen ist, werden die Angekommenen nach Umständen abgewiesen, oder zur Feldwache gebracht. Bedeckte Wagen, wenn sie nicht zur Armee gehören, und alles was sonst dazu gehört, dürfen nur bei Tage passieren, wenn es nicht ganz verboten ist; des Nachts niemals. Bewaffnete Mannschaft, die zu unserer Armee gehört, wird erst zum Offizier der Feldwache gebracht; feindliche Deserteure ebenfalls, doch müssen sie schon die Waffen ablegen, sobald ihnen von dem Posten das erste Halt zugerufen ist, der sie dann genau im Auge behält. Hat ein feindlicher Parlementair einen Brief, so wird er von dem Offizier in Empfang genommen; will er ins Hauptquartier, so wird er mit verbundenen Augen dahin gebracht.

Alles was sich in der Nacht dem Vorposten nähert, wird folgendermaßen angerufen, sobald es der Posten nur hört oder sieht: „Halt!“ hierauf müssen die Ankommenden stehen; geschieht dies beim zweiten Mal nicht, so wird Feuer gegeben; bei der Kavallerie sprengt hierbei der Anrufende einige Schritte vor. Stehen die Ankommenden, so heißt es ferner „Werda?“ Auf die Antwort „Patrouille“, „Kommando“, „Offizier“ etc. ruft der Anrufende ferner: „Ein Mann vor, die anderen kehrt!“ Schon auf einige Schritt muss der Ankommende die Losung geben, welche in einem Zeichen oder einer abgebrochenen Silbe besteht; gibt er sie nicht von selbst, so fordert sie der Posten, der dabei schon den Hahn gespannt hat, mit dem Rufe: „Losung!“ Sollte er sie nicht haben, so wird ihm vorsichtig das Feldgeschrei abgefordert, und hat er auch diese nicht, wird Feuer gegeben. Während dieser Zeit steht der andere Mann des Postens mit gespanntem Hahn, und beobachtet alles genau. Hat der Ankommende die Losung, so lässt der Anrufende ihn näher kommen, und fordert ihm das Feldgeschrei ab, welches sehr leise gegeben werden muss, damit es nicht eine etwa in der Nähe versteckte feindliche Schleichpatrouille ablauern könne. Ist der Ankommende zu Pferde, so muss er absitzen, ehe er sich nähern darf; übrigens wird wie am Tage verfahren, und mehrere Ankommende sind erst an die Feldwache zu melden. Patrouillen lässt der Posten, nachdem sie examiniert worden sind, vorbei.

Außer dieser Instruktion macht man die Vorposten noch mit der örtlichen Lage ihres Postens bekannt; man zeigt ihnen die Gegend, wo der Feind steht, und macht ihnen die Wege bekannt, die zu dem Feinde führen, damit sie dahin vorzüglich ihre Aufmerksamkeit richten; man zeigt ihnen die nebenstehenden Posten, welche sie nicht aus den Augen verlieren, und es sogleich melden, wenn sie etwa dieselben nicht mehr sehen sollten. Zum Melden gebraucht man gewöhnlich die jüngeren und zuverlässigen Soldaten. Ferner müssen auch die Vorposten mit dem Namen der vor ihnen liegenden Dörfer und Flüsse bekannt sein, um den Offizieren du jour Rede und Antwort geben zu können.

Greift der Feind wirklich an, so geben die Vorposten Alarmschüsse, und ziehen sich rasch auf ihre Feldwache zurück, jedoch zur Seite, um derselben freie Front zu lassen. – Übrigens machen die Vorposten keine Honneurs; kommen Offiziere von ihrer Armee vorbei, so tritt einer derselben mit angefasstem Gewehr an denselben, und meldet ihm, ob etwas Neues vorgefallen sei; der andere bleibt unterdessen auf seinem Posten, ohne das Gewehr anzufassen.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Vorposten, diejenigen Truppenabteilungen, welche zur Sicherheit der dahinterstehenden Truppen dienen; sie machen einen Teil der Avant- oder Arrieregarde aus. Ihr Zweck ist die hinter ihnen liegenden Truppen sicher zu stellen, dass diese nicht durch feindliche Angriffe plötzlich überrascht werden können; auch müssen sie sich in steter Kenntnis der feindlichen Stellungen und Unternehmungen erhalten. Sie zerfallen in Feldwachen mit ihren Unterabteilungen: Soutiens der Feldwachen, Postenkette (Vedetten der Kavallerie), detachiert Posten und Patrouillen; in Replis und Pikets und in das Gros der Vorposten. Diese sämtlichen Abteilungen stehen unter dem Vorpostenkommandeur und nehmen sonst von Niemand Befehle an. Über Vorpostendienst siehe Feldwache.

Bibliographie

  • Roth von Schreckenstein: Vorlesungen über den Sicherheitsdienst im Felde, Münster 1858

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe