Weser

Die Weser bei Minden

Weser (die) gehört zu den wichtigsten schiffbaren Flüssen des nördlichen Deutschlands und entsteht aus der Vereinigung der bereits schiffbaren Flüsse Werra und Fulda bei Hann. Münden, von wo an sie Weser heißen. Die Werra entspringt im Herzogtum Sachsen-Meiningen am Saukopf zwischen Friedrichshöhe und Limbach, fließt durch preuß. Gebiet und Kurhessen, wo sie bei Wanfried schiffbar wird, und vereinigt sich nach einem 37 mi langen Laufe mit der Fulda, welche vom Rhöngebirge aus Bayern kommt, bei Fulda schiffbar wird und einen 27 mi weiten Lauf hat. Die Weser strömt von Münden aus durch hannoversches, braunschweigisches, preußisches, bremer, oldenburgisches Gebiet, 49 mi lang, und 10 mi unterhalb Bremen in die Nordsee, nachdem sie noch von der rechten Seite die Aller, Wümme, Lüne und Geste, von der linken die Au, Delme, Hunte aufgenommen hat.

Schiffsmühle auf der Weser bei Minden
Schiffsmühle auf der Weser bei Minden

Die Weser erreicht eine Breite von 450 Fuß, hat aber sehr ungleiche Tiefe und leidet im unteren Lauf an zunehmender Versandung, ist aber bei Trockenheit auch im oberen Laufe mitunter Monate lang nicht zu befahren. Flut und Seeschiffe gehen aufwärts bis zur Mündung der Hunte bei Elsfleth. Ihr oberes Bett wird vom Einfluss der Diemel bis zu dem der Werra im Lippeschen von den meist steilen und bewaldeten Wesergebirgen eingefasst, zwischen denen gut angebaute Täler sich ausbreiten, die sich am linken Ufer nach dem Rhein hin verzweigen und von welchen am rechten Ufer der Solling, Osterwald, Deister und Süntel als Teile gelten können. Als Wasserstraße ist die Weser mit ihren teilweise schiffbaren Nebenflüssen für den deutschen Handel von großer Wichtigkeit. Die Weserfrachten gehen auf der Fulda bis Hersfeld, auf der Werra bis Wanfried, mittels der Aller bis Celle und durch die Leine bis Hannover; mit Benutzung der schiffbaren Lippe soll sie endlich mit dem Rhein in Verbindung gebracht werden. Die größten Weserschiffe von 118–120 Fuß Länge und 8–9 Fuß Breite heißen Böcke, die mittleren von 106 Fuß Länge und 6–8 Fuß Breite Achter, After, Hintergehänge; die kleinsten werden Büllen genannt. Je nach der Größe beträgt ihre Ladung bis 40, bis 30 und bis 10 Lasten, die zusammengenommen eine Mast genannt werden; eine volle Mast hat 60–70 Lasten.

Die Weser bei Karlshafen
Die Weser bei Karlshafen

Von Bremen bis Hameln werden die Fahrzeuge durch Menschen, von Hameln bis Münden durch Pferde gezogen, und in Bremen kommen des Jahrs 1000, in Münden 350, auf der Fulda 130, auf der Werra 100 Schiffe an. Stapelrechte, Gerechtsame von Gilden und Ortschaften, die Ansprüche der vielen Staaten, welche die Weser durchströmt, legten ihrer Beschiffung lange Zeit eine Menge Plackereien und Hemmungen in den Weg, deren Beseitigung erst nach vorhergegangenen vielen Verhandlungen in Folge der Wiener Kongressbeschlüsse durch eine von 1821–23 zu Münden versammelt gewesene Weserschiffahrtskommission bewirkt worden ist. Diese bestand aus Bevollmächtigten der Uferstaaten und gab im Sept. 1823 die Weserschiffahrtsakte, durch welche die Schiffahrtsfreiheit des Stromes von Vereinigung der Werra und Fulda bis in die hohe See und umgekehrt ausgesprochen und alle ausschließende Begünstigungen, Stapel- und Zwangsumschlagsrechte aufgehoben wurden.

Anstatt der vielerlei früheren Abgaben wurde ein Weserzoll eingeführt, der auf die ganze Ausdehnung des Stromes nicht über 315 Pfennige vom Schiffspfund zu 300 Pfd. betragen sollte und später auf 236½ Pf. vermindert worden ist. Nur Ein-, Ausgang- und Verbrauchssteuern, Hafen-, Krahn-, Niederlage- und Lootsengelder dürfen außerdem noch erhoben werden. Von Zeit zu Zeit, wie z.B. 1825 und 1829, versammeln sich in einer Weserstadt Kommissionen zur Vereinbarung über etwaige Neuerungen und Abänderungen. Verladen werden auf der Weser hauptsächlich die Produkte des Harzes, Leinengarn, Wolle, Rüböl, Leinwand, Glas, Kolonialwaren, Tabak, Wein, Tran, englische Fabrikwaren, und die wichtigste Handelsstadt an derselben ist Bremen (s.d.).

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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