Bayard

Bayard (spr. bājár), 1) Pierre du Terrail, Chevalier de, der Ritter ohne Furcht und Tadel (Chevalier sans peur et sans reproche), geb. 1476 auf dem Schloss Bayard bei Grenoble, trat als Page in die Dienste des Königs Karl VIII. von Frankreich, folgte 1495 ihm auf seinem Zuge gegen Neapel, focht tapfer in der Schlacht bei Fornuovo und wurde dafür zum Ritter geschlagen. Unter Ludwig XII. drang er mit den geschlagenen Feinden zugleich in Mailand ein, nahm an der Schlacht von Novara teil und kämpfte 1503 in Neapel gegen die Spanier. Bayard verteidigte allein die Brücke über den Garigliano gegen 200 Reiter und verzögerte dadurch das Vorrücken der Spanier. Gleichen Ruhm brachte ihm die Verteidigung der Stadt Venosa. 1507 focht Bayard wider die Genuesen und 1509 in der Schlacht von Agnadello. Den Antrag eines Spions, den mit Frankreich verfeindeten Papst Julius II. zu vergiften, wies er mit Abscheu zurück. Bei Erstürmung des Lagers von Brescia (1512) wurde Bayard schwer verwundet. 1514 zum Generalleutnant des Dauphiné ernannt, begleitete er 1515 Franz I. von Frankreich nach Italien und focht bei Marignano so glorreich, dass der König von ihm, als dem Würdigsten im ganzen Heer, den Ritterschlag begehrte und empfing. 1521 verteidigte Bayard aufs tapferste Mézières gegen das Heer Karls V. Als 1524 der von Franz I. zur Wiedereroberung des Herzogtums Mailand nach Italien geschickte Bonnivet sich zurückziehen musste, verteidigte Bayard den Übergang über die Sesia bei Gatinara, erhielt einen Musketenschuss, der ihm das Rückgrat zerschmetterte, und starb, an einen Baum gelehnt und das Gesicht dem Feinde zugewendet, kurz darauf (20. April). Seine Geschichte schrieben Champier (1525) und sein Sekretär Jacques Joffrey, genannt Le Loyal Serviteur (1527, ein seiner Zeit vielgelesenes Buch; neue Ausg., Par. 1881), Delandine de l'Esprit (das. 1842), Poirier (1889) u. a.

Bayard, 2) Jean, namhafter franz. Lustspieldichter, geb. 17. März 1796 in Charolles, gest. 20. Febr. 1853 in Paris, widmete sich dem Rechtsstudium, wandte sich aber, nachdem er mit dem Lustspiel »La reine de seize ans« (1828) einen ziemlichen Erfolg errungen, ganz der dramatischen Dichtkunst zu. Einer der hauptsächlichsten Mitarbeiter Scribes, dessen Nichte er heiratete, hat er (in Verbindung mit anderen) mehr als 200 Stücke geschrieben, die wegen ihrer liebenswürdigen und geistreichen Komik mit großem Beifall aufgenommen wurden. Die beliebtesten, die z. T. auch über deutsche Bühnen die Runde gemacht haben, sind. »La perle des maris«, »Les deux font la paire«, »La fille de l'avare«, »Le gamin de Paris« (deutsch: »Der Pariser Taugenichts«), »Le vicomte de Létorière«, »Un ménage parisien« u. a.; dazu die komische Oper »La fille du régiment« (1840). Sein »Théâtre« erschien 1855–59 in 12 Bänden.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe