Holzwände

Holzwand.

Holzwände, im engeren Sinne nur aus Holz erstellte Wände, welche in zwei verschiedenen Weisen gebildete sein können (s. Holzbau): 1. als Ständerwand (Schrotwand) und 2. als Blockwand.

1. Die Ständerwand besteht aus senkrecht stehenden Pfosten (Bundstielen) oder Ständern, welche mit gleich starken Schwellen und Pfetten einen Rahmen bilden, in welchen ca. 5 cm starke Bohlen in ringsum laufenden Nuten eingelassen sind. Die Richtung der Bohlen ist meist eine waagerechte, kann aber auch eine senkrechte sein. Für die Bildung der Öffnungen dienen besondere Riegel und Pfosten, welche so angebracht sind, dass die Flächen möglichst wenig unterbrochen werden. Die alten Holzbauten des Schwarzwaldes, im Tiefland der Schweiz, in Tirol und Bayern sind zum Teil in dieser Wandbildung hergestellt. Bei neueren Ausführungen empfiehlt es sich, statt der Bohlen solche von geringem Querschnitt (etwa 3 cm stark) zu verwenden, welche nicht eingenutet, sondern zwischen Leisten eingesetzt sind, dahinter aber eine Hintermauerung mit liegenden oder gestellten Backsteinen, Schwemmsteinen oder dergleichen auszuführen, auf welchen der Wandputz aufzubringen ist.

2. Die Blockwand besteht aus mehrfachen Lagen waagerecht übereinander hingestreckter Holzstämme, welche an ihren Enden durch Übergreifen von Vorköpfen fest miteinander verbunden sind. Zur ursprünglichsten Art dieser Wandbildung werden unbehauene Nadelholzstämme gedient haben, eine Bauweise, welche ebenso in den ältesten Zeiten in Geltung war, als auch heute bei den ersten Ansiedlungen in holzreicher Gegend geübt wird. Die weitere Ausbildung brachte zunächst ein Schließen der Fugen, sodann eine glatte Bearbeitung der Seitenflächen mit vervollkommneter Fugendichtung, zuletzt eine bildnerische Ausschmückung der Wandflächen durch Schnitzerei usw.

Die konstruktiven Eigenschaften der Blockwand in ihrer vollendeten Form, wie sie an den Bauernhäusern der Alpengebiete Deutschlands und der Schweiz, besonders schön im Berner Oberland, sich darstellt, beruhen: 1. in der unverschiebbaren Eckverbindung durch Überkämmen sowie auch durch Überblatten oder Verzinken (Ostschweiz). Während die erste Art zur günstigen Ausbildung der Vorköpfe verschiedene Höhenlagen der sich in den Ecken treffenden Stämme bedingt, liegen bei den letzteren Arten die Stämme in einer Ebene und endigen in den Ecken. 2. in der Lagerung der verdübelten Wandhölzer, Dichtung der Fugen durch Verstopfen mit Werg. 3. in der Bildung breiter Flächen durch Zusammenrücken der Fenster zu Gruppen von drei bis sechs Öffnungen. 4. in der Versteifung der Außenwände mittels der eingestellten Zwischenwände, welche durch ihre Vorköpfe äußerlich sichtbar sind. 5. in der Ausbildung der vorkragenden Wandhölzer zu Trägern der weit ausladenden Dächer oder Umgänge und Lauben. 6. in der Belebung der Wandflächen durch vortretende geschnitzte Glieder, wie Bogenfriese, Zahnschnitte und dergleichen, oder flaches Rankenwerk; letzteres ist sehr geeignet, die Schwindrisse des Holzes, welche sich in der Längsrichtung hinziehen, geschickt zu verdecken. 7. Zur letzten Vollendung der Wirkung dient eine farbige Ausschmückung, bestehend in breiten weißen Schriftbändern mit grüner oder violetter Randbemalung. In Verbindung mit dem Naturton des Holzes wird hierdurch ein malerisches Ganzes geschaffen, das sich der großartigen Umgebung der Landschaft aufs würdigste und innigste anpasst.

Bibliographie

  • Grafenried u. Stürler: Architecture suisse (Par. 1844)
  • Hochstette, J.: Schweizerische Architektur des Berner Oberlandes (Karlsr. 1858)
  • Gladbach, E.: Der Schweizer Holzstil (Zürich 1876)
  • Gladbach, E.: Die Holzarchitektur der Schweiz (Zürich 1876)
  • Das Bauernhaus in der Schweiz (Hrsg. Schweiz. Ing.- u. Arch.-Ver., Dresd. 1903)

Quelle: Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften (Stuttg., Leipz. 1907)

Glossar militärischer Begriffe