Assassinen

Assassinen (Assassiden, Assaniten, Hassesinen), politisch-religiöse Sekte der Muslime, die während der Kreuzzüge zwei Jahrhunderte lang in Vorderasien eine furchtbare Rolle spielte. Sie sind ein Ableger der Ismailiten; ihr Stifter war Hassan, ein fanatischer Schiite aus Rai (beim jetzigen Teheran), der seit 1081 in Persien eine Anzahl glaubenseifriger Jünglinge um sich sammelte, die er zu schwärmerischer Begeisterung zu erregen wusste, die sogen. Fidawi (»ein sich Opfernder«), ein Name, der ihre Bereitwilligkeit andeutet, für die Ausführung der ihnen erteilten Befehle ihr Leben einzusetzen.

Der Orden zerfiel in mehrere Grade; an der Spitze stand der Scheich ul Dschibâl, was die Abendländer mit Vetulus de montanis oder der Alte vom Berge übersetzten. Lehre und Organisation waren die der Ismailiten; nur hatte Hassan, um die Unterwürfigkeit der Genossen unter die Oberen zu blindem Gehorsam zu steigern, ein teuflisches Mittel ersonnen. Aus den Blättern der Haschischpflanze (des Hanfes) wurde nämlich ein starker Trank bereitet, um damit die Jünglinge zu betäuben, die in diesem Zustand an einen Ort, wo alle Reize des Sinnengenusses ihrer warteten, gebracht, nach wenigen Tagen aber auf dieselbe Weise wieder von dort entfernt worden sein sollen. Sie glaubten dann bereits die Freuden des Paradieses genossen zu haben, und, von Sehnsucht nach ähnlichen Genüssen getrieben, gaben sie gern ihr irdisches Dasein dahin. So waren sie die willenlosen Werkzeuge ihrer Oberen und verübten jede blutige Tat auf deren Befehl. Als »Hanfesser« nannte man den Fidawi auch Haschschâschi; daraus haben die Franken Assassin gemacht.

1090 überrumpelte Hassan das Schloss Alamut in Persien, von wo aus er nach und nach eine Menge Festungen in Farsistan, Chorasan, Syrien und besonders im Libanon in seine Gewalt brachte. Die Assassinen zählten bereits 60.000 Köpfe; vergebens bekämpfte sie Sultan Melikschah. Hassan starb Ende August 1124 kinderlos. Unter seinen Nachfolgern trugen die Assassinen durch fortgesetzte Kriege und Mordtaten zum Verfall des Seldschukenreiches bei. Mit den Fürsten der Kreuzfahrer suchten sie anfangs Beziehungen anzuknüpfen; bald aber zeigte sich die Unverträglichkeit der beiderseitigen Interessen, und 1152 wurde Raimund I., Graf von Tripolis, von den Assassinen ermordet.

In Persien trat 1162 Hassan II. an die Spitze der Assassinen; er tat 1164 den gefährlichen Schritt, sich nicht mehr als Vertreter des verborgenen Imams (Religionshauptes), sondern als Imam selbst zu proklamieren und gleichzeitig die Lehre von der Nichtigkeit des islamischen Gesetzes offenbar zu machen. Viele gutgläubige Anhänger wurden dadurch irre; doch blieben die Assassinen immer noch furchtbar. 1256 machte der Mongole Hulagu dem Treiben der Assassinen in Persien ein Ende.

In Syrien hatte seit 1169 der Vertreter des Oberhauptes, Râschid ud-dîn Sinân, sich selbständig gemacht; im Kriege mit Muslimen und Christen wusste er sich beiden furchtbar zu machen, so dass selbst Saladin ihn zuletzt gewähren ließ. Er starb 1192; nach seinem Tode wurden die Assassinen in Syrien wieder von den persischen Oberhäuptern abhängig. Gegen die Mongolen hielten sich einige ihrer Burgen; aber dem ägyptischen Mameluckensultan Baibars vermochten sie nicht zu widerstehen, 1273 fiel ihre letzte Feste. Ihre bis jetzt in Syrien, Persien und bis Indien unter dem Namen der Ismailiten erhaltenen Reste sind harmlose Sektierer.

Die Assassinen sind im Abendland Gegenstand vieler Sagen und Romane geworden; vgl. Assassin.

Bibliographie

  • Defrémery im »Journal asiatique« (1854-60)
  • Guyard im »Journal asiatique« (1877)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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