Jacques Victor Albert, 4. Herzog von Broglie

Broglie (spr. bröllj’), Jacques Victor Albert, Herzog von, ältester Sohn Victors von Broglie, geb. 13. Juni 1821, gest. 19. Jan. 1901, schlug, noch sehr jung, die publizistische Laufbahn ein. In seinen Schriften zeigte er sich als Gegner der Extreme und verteidigte zu gleicher Zeit die katholischen Interessen und den konstitutionellen Liberalismus. Die Hauptwerke seiner ersten Periode sind: »L’Eglise et l’Empire romain an IV. siècle« (Par. 1856–69, 3 Abtlgn. in 6 Bdn., wovon einzelne mehrfach aufgelegt wurden); die »Etudes morales et littéraires« (1853); »Questions de religion et d’histoire« (1860, 2 Bde.) und die »Nouvelles études de littérature et de morale« (1868). 1862 wurde er in die französische Akademie aufgenommen. Bei den Wahlen vom 8. Febr. 1871 in die Nationalversammlung gewählt, erhielt er 19. Febr. von Thiers den Botschafterposten in London. Zugleich war er für eine Restauration des Königtums und die Fusion der Bourbonen und Orléans tätig. Als ihn Thiers daher im Mai 1872 von London abberief und sich immer entschiedener für die Republik erklärte, bewirkte Broglie an der Spitze der Monarchisten 24. Mai 1873 seinen Sturz und trat selbst an die Spitze des neuen Ministeriums, in dem er außer dem Vorsitz das Auswärtige, später das Innere übernahm, um die Thronbesteigung Heinrichs V. mit den Orléans als Thronfolgen herbeizuführen.

Albert von Broglie regierte durchaus reaktionär und klerikal, konnte sich aber doch nicht die Gunst der Legitimisten erwerben und ward von diesen 22. Mai 1874 gestürzt. Im Senat wurde er Führer der reaktionären Parteien, welche die Republik sich nicht befestigen lassen wollten, und trat 17. Mai 1877 wieder an die Spitze des Ministeriums, in dem er auch die Justiz übernahm. Doch bei den Neuwahlen wurde Broglie in seinem eigenen Departement nicht gewählt und erhielt 20. Nov. seine Entlassung. Er widmete sich nun wieder den Studien und veröffentlichte nach Familienpapieren das Werk über seinen Großonkels Charles François von Broglie; ferner die gegen Preußen sehr parteiischen Werke: »Frédéric II et Marie-Thérèse« (1882, 2 Bde.; deutsch von Schwebel, Minden 1883); »Frédéric II et Louis XV« (1884, 2. Aufl. 1887); »Marie-Thérèse impératrice« (1888, 3. Aufl. 1892); »Maurice de Saxe et le marquis d’Argenson« (1891, 2 Bde.); »La paix d’Aix-la-Chapel Ie« (1892); »L ’alliance autrichienne« (1895); »Le dernier bienfait de la monarchie« (1901). Außer den Memoiren seines Vaters gab er auch die Memoiren Talleyrands (1891, 5 Bde.) heraus.

Sein zweiter Sohn, Emmanuel (geb. 1854), schrieb: »Le fils de Louis XV, Louis, dauphin de France« (1877); »Fénelon à Cambrai« (1884); »Mabillon et la société de l’abbaye de Saint-Germain-des-Près« (1888, 2 Bde.); »Bernardin de Montfaucon et les Bénedictins« (1891); »Catinat, l’homme et la vie« (1902).

Bibliographie

  • Fagniez: Le duc de Broglie (1902)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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