Umbrer

Umbrer

Umbrer (Umbrier, Umbri), altitalisches, in früherer Zeit sehr mächtiges und verbreitetes Volk, das in der ältesten Zeit alles Land östlich vom Apennin vom Po an bis zum Vorgebirge Gargano herab und außerdem auch das später so genannte Etrurien innehatte, allmählich aber aus allen übrigen Landschaften bis auf Umbria selbst verdrängt wurde und auch von diesem den an der Küste liegenden Teil (ager gallicus) an die Senonen verlor, so dass es auf das östliche Ufer des Tiber und den oberen östlichen Abhang des Apennin beschränkt wurde. Mit den Römern kamen die Umbrer 309 v. Chr. in feindliche Berührung, wurden 308 bei Mevania (heut Bevagna in Umbrien) völlig geschlagen, mussten, als sie sich 298 in Verbindung mit den Samniten, Etruskern und Senonen am Krieg gegen Rom beteiligten, nach der Schlacht bei Sentinum wiederum die Waffen niederlegen und nahmen leicht das römische Wesen an; im Bundesgenossenkrieg erhielten sie im Jahre 90 mit den übrigen freien Bewohnern Mittel- und Unteritaliens das römische Bürgerrecht. Ihre Sprache, deren wichtigstes Denkmal die Iguvinischen Tafeln (s. d.) sind, gehört zu dem indogermanischen Sprachstamm, ist mit der lateinischen, noch näher mit der oskischen verwandt, aber im Lautsystem und in den Endungen schon stark zerrüttet.

Das im Osten gebirgige und etwas rauhe, nach dem Tiber zu ebenere und fruchtbarere Land trieb besonders Viehzucht und Obstbau und zerfiel in zahlreiche kleinere Gemeinden mit Städten, die zum größeren Teil ihre Namen erhalten haben, im westlichen Teil von Süden nach Norden: Ocriculum, Narnia (an der die Landschaft durchziehenden Via Flaminia), Ameria, Interamna, Spoletium, Tuder, Fulginium, Asisium (Heimat des Properz), Camerinum Nuceria, Iguvium, im Osten: Sentinum, Urbinum, Metaurense, Sestinum, Sarsina (Geburtsort des Plautus), am Meer: Sena Gallica, Pisaurum und Ariminum (s. Karte bei Artikel »Italia«). Die Flüsse der Landschaft sind entweder Küstenflüsse von kurzem Lauf, von denen nur der Metaurus Erwähnung verdient, oder Nebenflüsse des Tiberis, unter denen der Nar (Nera) der bedeutendste ist.

Bibliographie

  • Abeken, Wilhelm: Mittelitalien (Stuttg. 1843)
  • Aufrecht und Kirchhoff: Die umbrischen Sprachdenkmäler (Berl. 1851, 2 Bde.)
  • Bücheler, Franz: Umbrica (Bonn 1883)
  • Grotefend, Georg Friedrich: Rudimenta linguae umbricae (Hannover 1835–39, 8 Tle.)
  • Nissen, Heinrich: Italische Landeskunde (Berl. 1883–1902, 2 Bde.)
  • Savelsberg, Joseph: Umbrische Studien (Berl. 1873)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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