Stadt

Stadt

Stadt, welche mit Mauern umgeben ist, für die Dauer des Feldzugs in Verteidigungszustand zu setzen, kommt im Krieg häufig vor, sobald sie, als militärischer Punkt, Vorteile gewährt, welche mit der zu verwendenden Zeit, Mühe, und Kosten im Verhältnis stehen. Bei ganz offenen Städten gilt hierbei alles, was zur Verteidigungszurichtung eines Dorfes gesagt worden ist; auch über die mauerumgebenen Städte ist bereits unter Kirchhof einiges beigebracht.

Man kann bei der Befestigung einer solchen Landstadt mehrere Zwecke haben, um vielleicht irgend einen Übergang über einen großen Strom, oder durch einen Gebirgspass, festzuhalten, Magazine anzulegen, einen Belagerungstrain aufzubewahren usw.; mit einem Wort, der vorrückenden Armee zur Unterstützung zu dienen, oder bei einem Rückzug sie aufzunehmen, und dem Vordringen des Feindes einen Damm entgegen zu setzen. Hierbei muss man aber nicht nur die Mittel berücksichtigen, welche eben bereit, oder anzuschaffen möglich sind, sondern auch den wahrscheinlichen Gang des Feldzuges ins Auge fassen, um die neue Festung mit den möglichen Operationen in gehörige Verbindung zu setzen. Es ist übrigens einleuchtend, dass bei einer ganz aus hölzernen Häusern bestehenden, oder überhaupt schlecht gelegenen Stadt, eine Befestigung unnütz angebracht sein würde.

Wenn eine Stadt mit großen Vorstädten umgeben ist, welche man, wegen der Ungewissheit eines bevorstehenden Angriffs, doch, ohne unmenschlich zu sein, nicht niederreißen kann, so müssen diese nach Art der Dörfer, besonders verschanzt werden. Kann man sie nicht besetzen, so muss man sich jedoch einen freien Raum zwischen ihnen und der eigentlichen Stadt erschaffen, und man trifft alle Anstalten, den Überrest wenigstens im Augenblick des feindlichen Angriffs anzuzünden. Dies kann vielleicht, wenn die Stadt dem Feind gehört, ihn von dem Angriff ganz abhalten. - Vor den Eingängen der äußeren Verschanzung solcher Vorstädte werden Schlagbäume, mit Schweinsfedern versehen, angebracht, und diese durch Erdaufwürfe gedeckt. Auf gleiche Weise sperrt man in der Stadt selbst alle vornehmen Gassen, vorzüglich die, welche zu den Toren führen, und welche man für sich selbst nach Belieben offen behalten will; man bringt die Schlagbäume an solchen Punkten an, die von massiven Häusern umgeben sind, und zu gleicher Zeit aus anderen quer vorliegenden bestrichen werden können.

Alle Tore, bis auf eins oder zwei, welche bequem verteidigt werden können, und zur nötigen Gemeinschaft offen bleiben müssen, werden zugemauert, oder wenigstens stark barrikadiert, und äußerlich ganz verschüttet. Vor die offen bleibenden Tore werden geräumige Werke von einem starken Durchschnitt gelegt, und vor diesen Fladderminen angebracht. Ist die Stadtmauer mit Türmen versehen, so macht man sie so gut wie möglich verteidigungsfähig und besetzt sie mit Geschütz; fehlen dergleichen vorspringende Teile, so durchbricht man an geeigneten Punkten die Mauer 6 Fuß breit und 5 Fuß hoch, und legt vor diese Öffnungen kleine Bollwerke, oder feste Blockhäuser, um so ein Flankenfeuer vor der Stadtmauer zu erhalten. Hat man Zeit genug, so kann man auch das Ganze mit abgesonderten Bollwerken und Ravelinen, oder mit einem zangenförmigen Mantel umgeben; oder man begnügt sich bei weniger Zeit mit einem bedeckten Weg, in den man große Lünetten legt. Die Mauer selbst mit Erde anzuschütten, ist nicht immer anzuraten; besser geschieht es vor, als hinter derselben, weil durch letzteres eine Bresche eher begünstigt wird, indem der Druck der Erde den Einsturz der Mauer befördert.

Fließt ein Wasser durch die Stadt, so muss auch dieser Eingang durch Pfähle usw. möglichst verrammelt werden. Städte, die ein Hauptdepot enthalten, müssen vor dem Anzünden möglichst geschützt werden; man umgibt sie daher mit weit vorgelegenen Werken, wobei starke hölzerne Blockhäuser die Stelle der Montalembertschen Türme versehen können. Diese liegen wenigstens 3000 Schritte vom Mittelpunkt der Stadt entfernt, welches einen Umfang von 9000 Schritten gibt, und wozu 11 Blockhäuser erfordert werden, wenn nicht vielleicht ein Teil der Umgebung durch die Natur geschützt ist. Hierbei wird aber vorausgesetzt, dass man hinreichende Besatzung hat, und auch die vom Feind angegriffenen Blockhäuser durch andere Werke mit Geschütz unterstützen kann.

Eine mehr als 24 Fuß hohe Mauer schützt an sich schon vor einer Leiterersteigung; sind Schießlöcher in derselben, so werden Gerüste dahinter angebracht. Neue Schießlöcher einzubrechen, ist bei Bruchsteinmauerwerk selten ausführbar, auch oft nicht ratsam; kann man es aber, um Verteidigung zu erhalten, nicht vermeiden, und sie nachher nicht wieder gehörig ausmauern, da die Löcher beim Durchbrechen zu groß werden, so hilft man sich mit Sandsäcken oder Holzbau. Wo die Mauern sehr niedrig sind, und kein tiefer Graben da ist, oder nicht angebracht werden kann, stellt man spanische Reiter hinter sie, oder pflanzt Palisaden ein. Der Stadtgraben wird allenthalben gehörig ausgebessert, und in Stand gesetzt, die Brücken über denselben durch vorliegende Werke gedeckt. Sind diese massiv, so schneidet man sie an beiden Enden durch breite und tiefe Gräben ab, und legt Laufbrücken darüber.

Die Kommunikation an der Innenseite der Mauer wird frei gemacht; große an derselben stehende massive Häuser lassen sich gut zur Verteidigung benutzen. Ist es möglich, Überschwemmungen zu verursachen, oder den Graben mit Wasser zu füllen, so lässt man dies nicht außer Acht; zur Deckung gegen Breschen müssen während des Angriffs Abschnitte hinter der Mauer gemacht werden.

Wenn die zu befestigende Stadt schon mit alten Wällen und Gräben umschlossen ist, so bedürfen diese öfters nur einer geringen Nachbesserung; man bestimmt aber hier bloß das Notwendigste und hilft nur wirklichen Mängeln ab. Außer den bereits unter Fehler angegebenen Nachteilen, findet man auch oft an alten Festungen nachfolgende Mängel: 1) Einen zu hohen Hauptwall, dessen Futtermauern schon durch die ersten Batterien heruntergeschossen werden. 2) Zu frei liegende Flanken, weil die Außenwerke entweder gänzlich fehlen, oder bloß in einem kleinen Ravelin bestehen, wo der Angreifer seine Batterien sogleich gegen den Hauptwall richten kann. 3) Die vorhandeneen Außenwerke haben keine ausreichende und zweckmäßige Unterstützung; sie können leicht genommen werden, und ihr großer innerer Raum gibt bequeme Gelegeheit zum Anlegen der Breschebatterien. 4) Ein nicht hinreichend bestrichener Graben erleichtert den Übergang und den Sturm auf die Außenwerke, wie auf den Hauptwall. 5) Es fehlt endlich oft an bombensicheren Behältnissen, um Geschütz und Kriegsbedürfnisse gegen das feindliche Wurffeuer zu beherbergen; ja es findet sich wohl kaum Gelegenheit, den Pulvervorrat sicher unterzubringen.

Die Mittel gegen diese Fehler ergeben sich schon aus ihrer Darstellung; man erhöht das Glacis, verstärkt den bedeckten Weg durch Waffenplätze mit Reduits, deckt die Flanken und Schultern der Bollwerke durch große Lünetten im bedeckten Weg, legt Kaponnieren über den Graben, um diesen zu bestreichen, sucht dem Geschütz auf den Wällen auch gegen Wurffeuer Deckung zu verschaffen, und schafft sich bombensichere Räume durch Balken mit Erde oder Mist überschüttet, usw. Der Palisaden, mit zweckmäßiger Anwendung, wird man sich häufig bedienen, und Fladderminen unter dem Glacis können den Feind oft glauben machen, eine solche alte Festung habe ein ganzes Minengewebe.

Im Innern einer zu befestigenden Stadt muss der Marktplatz oder sonst ein geräumiger Platz zu einer geschlossenen Verschanzung eingerichtet werden, indem man die darauf stoßenden Straßen durch starke Traversen verschließt, wobei darauf Rücksicht genommen werden muss, dass die Eingänge zu den Eckhäusern hinter den Traversen liegen. Alle Straßen der Stadt, welche nicht zum Rückzug der eigenen Truppen dienen, werden durch Traversen, Gräben, Palisaden, spanische Reiter, in einander gefahrene beladene Wagen, abgehauene Bäume etc. ungangbar gemacht. Die Straßen, welche offen bleiben, dürfen einander nicht kreuzen, weil die Unordnung beim Rückzug sonst unvermeidlich ist, und werden mit den schon oben angeführten, befederten Schlagbäumen versehen; an den Toren muss man sich einen gekrümmten, oder schiefen Eingang verschaffen, um nicht von dem nachdringenden Feind in unserer Rückzugslinie enfiliert zu werden.

Sowohl die Häuserreihen, als auch die in die Rückzugsstraßen führenden Querstraßen werden mancherlei Gelegenheit darbieten, den verfolgenden Feind von der Seite und im Rücken mit Feuer und Bajonett anzugreifen und abzuhalten. Hat man zugleich innerhalb der Mauer verteidigungsfähige Abschnitte, so nehmen diese den durch das Tor oder eine Bresche einpassierenden Feind in die Flanke, und verhindern seine schnelle Verbreitung in den Quartieren der Stadt; wo der Ort eine freie Rückzugsseite hat, wird die Hauptverschanzung im Innern zunächst dieser angelegt, und so, dass man von hier bis dahin nicht abgeschnitten werden kann. Überhaupt betrachtet man die ganze so befestigte Stadt, wie ein erweitertes Haus oder Gehöft; wie man sich dort von einem Zimmer und Stockwerk in das nächste fechtend zurückzieht, weicht man hier aus einer Straße in die andere; was dort die Eingänge sind, sind hier die Tore, was dort Seitentüren, hier Quergassen usw., nur dass eine Stadt, wenn man Zeit und Mannschaft genug hat, und noch überdies auf den Beistand der Bürgerschaft rechnen kann, unendlich mehr und mannigfaltigere Hilfsmittel darbietet, selbst den schon eingedrungenen Feind von allen Seiten und unerwartet anzufallen, und ihn aus den bereits eroberten Quartieren und Straßen mit ansehnlichem Verlust wieder herauszutreiben.

Was nun den Dienst der Mannschaft in einer auf diese Art zu verteidigenden Stadt anbetrifft, so muss dieser zwar mit aller möglichen Schonung ihrer Kräfte, aber doch mit der größten Ordnung und Aufmerksamkeit versehen werden. Ist der Feind schon in der Nähe, so werden außerhalb die nötigen Wachen und Vorposten aufgestellt, und die Umgegend darf von Patrouillen fast nie leer werden. Abhängig davon, ob die Gefahr groß oder klein ist, werden die Wachen des Nachts verstärkt; besonders wenn man einen Überfall zu befürchten hat, müssen alle möglichen Maßregeln hiergegen getroffen werden. Die Kavallerie-Patrouillen gehen des Nachts nach den entfernten Orten; hat man keine Kavallerie, so macht man einige zwanzig Mann beritten.

Um während des Angriffs Feuergefahr zu verhüten, welche hier am aller gefährlichsten sein würde, schafft man Stroh und dergleichen brennbare Materialien aus dem Ort, und trifft alle Anstalten zum Löschen, wozu die Bürger unter gewisse Offiziere und Unteroffiziere verteilt werden. Kommt aber dennoch die Stadt in Brand, so muss man den größten Teil seiner Mannschaft zur Verteidigung beisammen haben.

In einer feindlichen Stadt, und überhaupt, wo man der Bürgerschaft nicht trauen kann, wird diese unter Androhung der Todesstrafe völlig entwaffnet. Das hierdurch erhaltene Pulver und Blei wird an einem sicheren Ort in Verwahrung gebracht; von allen Arten der Gewehre werden die Schlösser abgeschraubt, und an einem heimlichen Ort vergraben; Seitengewehre, die man nicht selbst gebrauchen, auch nicht gehörig sichern kann, werden zerbrochen. Man bemächtigt sich aller Lebensmittel, deren man habhaft werden kann, um bei der Einschließung gegen Mangel gesichert zu sein; hierauf muss sich die Bürgerschaft immer auf 8 bis 14 Tage mit Lebensmitteln versehen; wer dies nicht kann, wird aus der Stadt gewiesen, sobald der Feind anrückt.

An jedes Tor gibt man einen Unteroffizier zum Examinieren, der zwei vertraute Leute bei sich hat, welche die Einwohner der Stadt kennen. Alle nicht bekannten Menschen werden abgewiesen, verdächtige aber zurückgehalten. Auf die Türme werden bei Tag Posten gestellt, um weit umher sehen zu können.

Beim Angriff einer solchen Stadt versucht man zuerst den Überfall; man sucht gegen Abend durch verkleidete Soldaten die Torwache zu überrumpeln; Sturm, Regen, trübe Tage, durchschnittenes Gelände, welches eine heimliche Annäherung gestattet, begünstigt ein solches Unternehmen mehr, als man vielleicht glaubt. Oder man übersteigt in der Nacht die Mauer mit Leitern, oder legt sich unweit des Tores in Hinterhalt, welches man sogleich anfällt, sobald es des Morgens geöffnet wird, usw. S. auch Überfall. Gelingt dergleichen nicht, so unternimmt man des Morgens, kurz vor Tagesanbruch, eine offenbaren Angriff, schießt die Tore mit dem Geschütz nieder, wirft Granaten in den Ort, legt zugleich Leitern an, usw.

Wird auch dieser Angriff abgeschlagen, so muss man zum förmlichen Angriff schreiten; man wirft in der Nacht Batterien auf, und sucht nun an mehreren Orten Bresche zu legen, welche man hierauf stürmt. Gegen Mauern feuern die Kanonen lagenweise auf den unteren Teil, um die Erschütterung zu vermehren; die Werke vor der Stadt müssen weggenommen werden, wobei man mit der sich zurückziehenden Besatzung zugleich, vorzüglich durch Kavallerie, in die Stadt zu dringen sucht. Brandkugeln, Granaten, glühende Kugeln, werden das Ihrige oft zur Übergabe beitragen. Verteidigt sich aber der Feind, selbst nach Erstürmung der Tore oder der Breschen, noch in der Stadt, so entsteht der Häuserkrieg; s. Haus.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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