Einschließen

Einschließung, Einsperrung, Blockade, einer Festung, heißt, wenn eine feindliche Festung allenthalben so mit Truppen umgeben wird, dass Niemand weder heraus- noch hineinkommen kann, und ihr dadurch alle Zufuhr und Kommunikation abgeschnitten wird. Man wird diese Art des Angriffs nur bei einer großen und volkreichen Stadt anwenden, oder wenn man weiß, das wenige Vorräte in der Festung sind, oder wenn felsiges und sumpfiges Terrain die Belagerungsarbeiten gänzlich verhindern, oder auch, wenn es uns unmöglich ist, das nötige Belagerungsgeschütz zu erhalten. Auch geht das Einsperren einer Festung gewöhnlich der förmlichen Belagerung vorher, ehe man die nötigen Mittel hierzu in Händen hat.

Liegt die Festung am Meer, so muss sie auch von dieser Seite durch Kriegsschiffe gesperrt werden, welche sich so vor den Hafen legen, dass sie weder durch das feindliche Kanonenfeuer erreicht, noch durch des Nachts abgeschickte Brander beschädigt werden können, und dass sie im Stande sind, sich bei einem entstehenden Sturm auf das hohe Meer zu begeben. Ist der Eingang des Hafens sehr schmal, so kann man ihn auch vielleicht durch eingesenkte Schiffe, oder durch starke eiserne Ketten versperren.

Öfters verbindet man auch mit der Blockade ein Bombardement, um die feindlichen Magazine, Brauhäuser, Bäckereien u. dgl. zu verderben, und die Einwohner zu ängstigen. Die beste Zeit zur Einsperrung ist kurz vor der Ernte, weil da gewöhnlich der geringste Vorrat in der Stadt ist. Liegt die Festung an einem großen Strom, so sind bloße Batterien am Ufer nicht hinreichend, sondern man muss auch auf dem Strom selbst Fahrzeuge haben, welche die Passage bewachen. – Überläufer und aus der Stadt getriebene Einwohner müssen aus einer bloßen Festung nicht angenommen, sondern immer abgewiesen werden.

Bei großen Festungen, welche eine zahlreiche Besatzung haben, muss das Blockadekorps wenigstens noch einmal so stark sein, weil es sonst schwerlich die erstere auf den bedeckten Weg beschränken kann, da der Feind in der Festung seine Verteidigungsmittel rascher konzentrieren, und durch einen Ausfall gegen einen Punkt anwenden kann; nur besondere Umstände machen es möglich und ratsam, eine Festung mit einem eben so starken, oder noch schwächeren Blockadekorps einzuschließen. Dahin gehört Mutlosigkeit der Besatzung, und schlechte Beschaffenheit der Verteidigungsmittel; eine günstige Lage der Festung, als in Morästen, auf Bergen etc., wo gewöhnlich nur wenige Punkte zu einem Ausfall auf das Blockadekorps genutzt werden können. – Auch auf das Kriegstheater muss Rücksicht genommen, und gegen eine etwa anrückende feindliche Entsatzarmee müssen Vorkehrungen getroffen werden, wodurch eine größere Anzahl von Truppen erfordert wird.

Geht aber die Einsperrung bloß einer zu führenden Belagerung vorher, so muss man die Festung gleich so nahe als möglich einschließen, und dazu das Terrain auf das beste benutzen, weil man dadurch nachher in Stand gesetzt wird, mit seinen Parallelen näher an den Werken anzufangen, und hiermit Zeit und Menschen spart. Es muss bei einer solchen Einsperrung der Feind wenigstens nicht wagen, des Nachts Vorposten außerhalb seiner Werke zu haben, um ungehindert gleich auf 3 bis 400 Schritt seine Arbeiten eröffnen zu können.

Sobald der Entschluss zur Einschließung eines festen Platzes gefasst ist, geht derselben die Berennung vorher, deren vornehmster Zweck darin besteht, der Besatzung keine Zeit zu lassen, dass sie die zunächst bei der Festung liegenden Dörfer nicht ausfouragieren, und überhaupt ihre zur Verteidigung und Verproviantierung der Festung dienlichen Vorkehrungen nicht vollenden kann; ferner um den Feind zu verhindern, dass er nicht Verstärkungen, Vorräte u. dgl. von außerhalb hinein ziehe. Die Berennung muss daher mit Schnelligkeit und Überraschung ausgeführt werden, damit die Besatzung wo möglich nicht eher Nachricht davon erhält, als bis man schon da ist. Dies gibt auch wohl Gelegenheit, von außerhalb der Festung befindlichen feindlichen Trupps Gefangene zu machen, und durch diese Nachrichten einzuziehen. Zu Erreichung dieser Absicht wird ein besonderes Berennungskorps aus Kavallerie, leichter Infanterie und reitender Artillerie gebildet; die Größe desselben richtet sich nach der Stärke der Besatzung; das Verhältnis der verschiedenen Waffenarten unter einander bestimmt sich nach der Beschaffenheit des Terrains. Öfters geschieht die Berennung bloß mit Kavallerie und reitender Artillerie, oder nur von ersterer allein; von einer Einschränkung der Besatzung, besonders wenn solche einigermaßen stark und tätig ist, kann aber dabei die Rede nicht sein.

Für die Berennung selbst gelten folgende Regeln: 1) Man beachtet in Allem das strengste Geheimnis. 2) Man marschiert so schnell als möglich, und heimlich. 3) Man sucht von 2 oder mehreren Seiten zugleich bei der Festung anzukommen, wodurch solche um so vollständiger überrascht wird; der Marsch des Korps wird daher gleich darnach angeordnet; liegt der Platz in einem Fluss, so muss eine der beiden Kolonnen denselben passieren. 4) Gleich nach seiner Ankunft fordert man den Platz zur Übergabe auf. 5) Verspricht man sich einigen Erfolg davon, so kann man den Platz sogleich beschießen, welches besonders gleich nach einer gewonnenen Schlacht wirksam sein wird. 6) Man nimmt eine möglichst ausgedehnte, nicht zu übersehende Stellung ein, damit die Besatzung auf zahlreiche Truppen zu schließen veranlasst ist; in der Nacht zündet man daher eine große Anzahl Feuer an. 7) Die großen Passagen werden am stärksten besetzt, und die Truppen nach dem Terrain aufgestellt, ohne sich jedoch zu vereinzeln; der größte Teil des Korps bleibt auf einer Seite der Festung beisammen. 8) Man zieht rings um die Festung eine Postenchaine von Infanterie und Kavallerie. 9) Man besetzt das Terrain so nahe gegen den Platz zu, als es die Besatzung zulässt, oder nicht verwehren kann; in der Nacht geht man aber auf jeden Fall näher heran, wenn man sich auch bei Tage wieder zurückziehen müsste. 10) Man lässt Kavallerie-Detachements sich nach allen Seiten um den Platz verbreiten, durch dieselben die Haupteingänge beobachten, und die Straßen abpatrouillieren, um zeitig genug die Annäherung des Feindes zu erfahren. 11) Ist es notwendig, so besetzt man hierzu gewissen Punkte mit besonderen Detachements von Kavallerie und Infanterie. 12) Liegt die Festung an einem Fluss, so rekognosziert man denselben ober- und unterhalb, um die vorhandenen Übergangsplätze, Furten, Brücken etc. ausfindig zu machen, und sich der etwa vorhandenen Fahrzeuge zu bemächtigen; zerstörte Brücken weden sogleich wieder hergestellt.

Wenn hierauf das Einschließungs-Korps angekommen ist, von dem das Berennungs-Korps die Avantgarde macht, so wird die Festung noch genauer rekognosziert, und enger und sicherer eingeschlossen; die wichtigsten Punkte werden sogleich besetzt, und verschanzt. Sind sie vom Feind besetzt, und geht es an, so sucht man sie plötzlich und mit Gewalt wegzunehmen. Man sucht den Feind so viel als möglich bloß bis auf seinen bedeckten Weg einzuschränken; man besetzt daher alle Häuser, Dörfer, Gärten, Hecken, Hohlwege etc., selbst wenn sie im Kanonenschuss der Festung liegen. Wie im freien Felde, so werden auch hier Truppen ausschließlich zu den Vorposten bestimmt; diese bestehen aus der Chaine von Posten, den Feldwachen, den Haupttrupps, und ist man stark genug, zwischen beiden letzteren noch den Unterstützungstrupps; das Gros des Korps wird auf 2 oder mehreren Punkten im Lager aufgestellt, oder befindet sich nach Umständen in engen Kantonierungen, doch nur, wenn es bedeutend stärker ist, als die Besatzung. Über die Vorposten des Einschließungskorps, s. Ausfall; außerdem auch Berennung usw.

Aus allem diesem geht im Allgemeinen das Verhalten der Besatzung einer eingeschlossenen Festung hervor. Sie wird im Umkreis derselben, nach Verhältnis ihrer Stärke, mehrere Posten befestigt und besetzt haben, um durch die Behauptung derselben den Feind so weit als möglich von der Festung entfernt zu halten, und Gelegenheit zu bekommen, sich selbst nach der Einschließung noch aus den nahe liegenden Dörfern zu versorgen. Die entfernteren Dörfer wird sie schon früher ausfouragiert haben, nicht nur um ihre eigenen Vorräte zu vermehren, sondern auch um dem Feind die Subsistenz zu erschweren. Je weiter der Feind von der Festung bleiben muss, desto größer wird der Umfang, den er zu besetzen hat, desto schwächer seine Postenkette, und um so leichter zu durchbrechen, wenn dies für die Besatzung nötig oder vorteilhaft ist. Erlaubt jedoch die geringe Stärke der Besatzung nicht, sich durch vorgeschobene Detachements noch mehr zu schwächen, so sucht man wenigsten dem Feind die wahre Schussweite der Festungsgeschütze zu verbergen, schießt anfangs aus allen Kalibern nur mit halber Ladung, und überschüttet ihn mit Geschossen aller Art, sobald er sein Lager geschlagen, und die übrigen Anstalten zur Belagerung gemacht hat. Hierdurch wird er nicht nur einen bedeutenden Verlust erleiden, sondern auch zu anderen Vorkehrungen genötigt, die mancherlei Verzögerungen und Hindernisse herbei führen. Geht auch der Feind nicht in diese ziemlich sichtbare Falle, so wird sich doch vielleicht Gelegenheit finden, und dies besonders, wenn die Gemeinschaft des Einschließungskorps durch einen bedeutenden Fluss erschwert wird, über irgend einen schwachen Teil desselben herzufallen, und ihm bedeutenden Schaden zuzufügen.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe