Schlacht

Schlacht

Schlacht (franz. bataille) der Entscheidungskampf zwischen Armeen oder Heeresmassen. Der militärische Zweck des Krieges ist die Vernichtung der feindlichen Widerstandskraft, die verkörpert wird durch die Streitkräfte und Streitmittel des Gegners. Am raschesten und nachhaltigsten wird dieser Zweck erreicht durch die Schlacht mit daran anschließender Verfolgung. So bildet die Schlacht den naturgemäßen Abschluss der vorangegangenen strategischen Operationen, und Sieg oder Niederlage in ihr sind entscheidend für den Ausgang des Feldzuges oder doch eines Abschnittes desselben. Man unterscheidet heutzutage zwischen Begegnungsschlacht (früher »Rencontre«), wenn die beiderseitigen Hauptkräfte in der Hauptsache aus den Marschkolonnen heraus unmittelbar in die Kampfhandlung eintreten, und vorbedachter oder rangierter Schlacht (geplanter Schlacht, bataille rangée), wenn die eine Partei wenigstens zu Beginn auf die Offensive verzichtet und damit dem angreifenden Gegner die Möglichkeit bietet, auch seinerseits schon die einleitenden Anordnungen planmäßig treffen zu können. Den Unterschied zwischen beiden Arten erläutert am besten ein Beispiel (vgl. Metz mit Karte der Schlachten um Metz): in der Schlacht von Vionville-Mars la Tour 16. Aug. 1870, Begegnungsschlacht, gelang es zweieinhalb preußischen Armeekorps, die ganze Armee Bazaines aufzuhalten; in der Schlacht von Gravelotte-St.-Privat 18. Aug. 1870, vorbedachte Schlacht, hatten acht deutsche Armeekorps Mühe, dieselbe französische Armee aus ihrer Stellung zu drängen. Bezüglich Entwicklungsgang und Durchführung der Schlacht lassen sich theoretisch unterscheiden: Einleitung, Durchführung und Entscheidung, an welch letztere sich die Verfolgung, bzw. der Rückzug anschließt; s. auch die Artikel »Gefecht« und »Fechtart«.

Die schlachtenentscheidende Waffengattung ist bis ins 20. Jahrhundert die Infanterie (Hauptwaffe); Kavallerie und Artillerie sind im Verhältnis zu ihr Hilfswaffen, wenn auch naturgemäß die größte Kraftäußerung eines Heereskörpers sich nur ergibt aus dem verständnisvollen Zusammenwirken aller drei Waffengattungen unter Mitwirkung der sogen. Spezialwaffen (technische Truppen etc.). Die Eigenart des Infanteriekampfes, das stundenlange, blutige Ringen, das durch unvermeidliche Rückschläge auch beim siegreichen Angreifen eintretende Hin- und Herwogen des Kampfes verleiht der Schlacht der Neuzeit ihr besonderes Gepräge. Je nach der Richtung, in welcher der Entscheidungskampf ausgefochten wird, spricht man von einer Frontal- (Parallel-) schlacht oder von einer Umfassungs- (Flügel-) schlacht; letztere, die sich aber bei den heute in Betracht kommenden großen Massen im allgemeinen schon aus den Anmarschrichtungen der Heeresteile ergeben muss, erleichtert die Durchführung und verspricht im Falle des Gelingens den größeren Erfolg, der sich unter Umständen bis zur Einschließung des Feindes im freien Felde steigert (Sedan).

Die Verhältnisse in bezug auf die Schlachtenleitung haben sich 19. Jahrhundert gegenüber früher bedeutend geändert und sind wesentlich schwieriger geworden. Solange verhältnismäßig kleine Heere sich gegenüberstanden, war die Schlacht auch noch von einer Stelle aus zu leiten. Mit dem Anwachsen der Heere hat aber die Ausdehnung des für die Schlachtdurchführung benötigten Raumes derart zugenommen, dass trotz aller dem Melde- und Befehlswesen dienstbar gemachten Fortschritte der Verkehrstechnik die unmittelbare Einwirkung des obersten Befehlshabers auf den Verlauf der Schlacht sich in der Hauptsache beschränkt auf die Schlachtenanlage, die Gruppierung der Streitkräfte im großen, die Bestimmung der von den nächsten Untereinheiten (Armeen, bzw. Armeekorps) zu erreichenden Ziele und das Einsetzen der zu seiner Verfügung zurückgehaltenen Reserven an entscheidender Stelle. Galt das schon für die großen Schlachten des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71, so in noch erhöhtem Maße für die Schlachten im Russisch-Japanischen Kriege 1904/05; beispielsweise hielt in der Schlacht von Mukden, 26. Febr. bis 10. März 1905, die russische Armee am ersten Schlachttag mit zehn Armeekorps eine befestigte Stellung von 75 km Ausdehnung besetzt. Die größten Meister der Schlachtenleitung aus neuerer und neuester Zeit sind: Friedrich d. Gr., Napoleon I. und Moltke.

Schlachtfeld ist der Kampfplatz, der Geländebereich, auf dem die Schlacht durchgeführt wird; während in der Zeit der Lineartaktik die Ebene aufgesucht wurde, schlagen sich die heutigen Heere in jedem gangbaren Gelände (Weiteres vgl. Schlachtfeld). Unter Schlachtstellung versteht man den vom Verteidiger zur Schlacht gewählten, vielfach ganz oder teilweise künstlich verstärkten Geländeabschnitt; unter Schlachtlinie meist die vorderste Linie der kämpfenden Truppen.

Die Dauer der Schlachten ist mit Einführung und fortschreitender Verbesserung der Feuerwaffen länger geworden. Am kürzesten und zugleich blutigsten waren die ausschließlich mit Nahwaffen durchgeführten Kämpfe; hinsichtlich der Zeitdauer gilt das auch heute noch für den Reiterkampf. Mit Ingebrauchnahme von Feuer- (Fern-) waffen wuchs entsprechend der Vervollkommnung dieses Kampfmittels auch die Zeitdauer der Kampfdurchführung, da zunächst die Streitenden weiter auseinander bleiben, infolge der Geländeausnutzung und -Verstärkung (Ortschaften, Höhen, Waldungen etc.) sich zähe örtliche Kämpfe ergeben und ein allmählich wachsender Kräfteeinsatz erforderlich wird (Kämpfen aus der Tiefe). Dennoch aber werden in einem Krieg auf mitteleuropäischem Boden die Schlachten nicht jene Dauer haben, wie dies im Russisch-Japanischen Kriege der Fall gewesen ist [so die weit verbreitete Fehleinschätzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die in Folge der Ereignisse des Weltkrieges revidiert werden musste]. Die Eigenart der beiden Gegner in der Mandschurei und die dortigen Gesamtverhältnisse machten den Krieg von vornherein mehr zu einem langwierigen Stellungs-, als zu einem rasche Entscheidung anstrebenden Bewegungskrieg; nur letzterer kann aber aus zwingenden inneren Gründen in unserer Zeit für die hochzivilisierten Völker und Heere Mitteleuropas in Betracht kommen. Auch ist nicht außer acht zu lassen, dass bei der Zeitberechnung offenbar nach anderen Grundsätzen als in Deutschland verfahren wurde; wollte man dem Beispiel der Berichterstatter aus dem Ostasiatischen Krieg folgen, so müsste man als Schlacht bei Orléans 1870 die Kämpfe vom 26. Nov. bis 5. Dez. 1870 zusammenfassen, während das deutsche Generalstabswerk über den Krieg 1870/71 unter der angegebenen Bezeichnung nur die Entscheidungskämpfe 3. und 4. Dez. 1870 versteht.

Mit dem Wachsen der Zeitdauer der Schlachten geht Hand in Hand eine Minderung der Verluste in ihrer Gesamtheit, wenn man nur die Toten und Verwundeten, nicht aber auch die Gefangenen in Ansatz bringt. Diese, auf den ersten Blick befremdliche Tatsache steht in engem Zusammenhang mit der Verbesserung der Waffen, der zunehmenden Größe der Heere und den Fortschritten des Sanitätswesens. Freilich erleiden auch in der Schlacht der Gegenwart einzelne Truppenteile Verluste, die an Vernichtung grenzen; aber im Verhältnis zur Gesamtzahl der Streiter sind die Verluste doch dauernd geringer geworden. Falsch wäre es jedoch, daraus die Folgerung zu ziehen, nunmehr den Erfolg unter ängstlichem Vermeiden von Verlusten erringen zu wollen. Zwischen ungesunder, weil das Wesen des Krieges völlig verkennender Verlustscheu und unnützem Hinopfern der Truppe den richtigen Weg zu finden, ist Sache der Führer.

Bibliographie

  • »Studien zur Kriegsgeschichte und Taktik«, herausgegeben vom preußischen Großen Generalstab, 3. Teil: »Der Schlachterfolg, mit welchen Mitteln wurde er erstrebt?« (Berl. 1903)
  • Balck: Taktik, Bd. 5 u. 6: Die Gefechtslehre (1903)
  • Clausewitz, v.: Vom Kriege (5. Aufl., Berl. 1905)
  • Goltz, v. d.: Das Volk in Waffen (5. Aufl. 1899)
  • Goltz, v. d.: Krieg- und Heerführung (1901)
  • Harbottle: Dictionary of battles (Lond. 1904)
  • Horsetzky, v.: Kriegsgeschichtliche Übersicht der wichtigsten Feldzüge in Europa seit 1792 (6. Aufl., Wien 1905; mit einem Atlas von 38 Karten)
  • King: Famous and decisive battles of the world (Philad. 1905, 2 Bde.)
  • Meckel: Allgemeine Lehre von der Truppenführung im Felde (3. Aufl., Berl. 1890)
  • Scherff, v.: Von der Kriegführung (2. Aufl., Berl. 1883)
  • Scherff, v.: Die Lehre vom Kriege (1897)
  • Schlichting, v.: Taktische und strategische Grundsätze der Gegenwart (1897–99, 3 Tle.)
  • Sternegg: Schlachtenatlas des 19. Jahrhunderts (Iglau 1887–1907, über 200 Kartenseiten, dazu Textband)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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