Rückzug

Rückzug

Rückzug, rückgängige Bewegung einer Truppe vor dem Feinde, erfolgt nach unmittelbarer Berührung mit dem Feind, um sich der Übermacht desselben zu entziehen, entweder freiwillig oder durch den Gegner erzwungen. Der freiwillige Rückzug kann mit Ordnung geschehen. Die Maßnahmen auf dem Gefechts- oder Schlachtfeld (die taktischen Anordnungen) betreffen den Abzug der Truppen unter dem Schutze starker Artillerie- und Kavallerieentwicklung, und Beziehen einer Aufnahmestellung rückwärts-seitwärts durch möglichst frische Arrieregardentruppen, um den Angriff des verfolgenden Feindes abzuwehren.

Der ungestörte Abzug wird erleichtert, wenn die Rückzugsstraßen (die Rückzugslinie) Deckung bieten, z. B. in Wäldern, oder wenn der Rückzug durch den Wirkungsbereich einer befreundeten Festung führt; er kann gefährdet werden, wenn er durch Engwege geht, z. B. über Brücken. Das Freihalten der einzuschlagenden Wege ist aber besonders wichtig. Darum werden Bagage, Trains und Kolonnen rechtzeitig weit zurückgeschickt, Verpflegung zu späterem Empfang durch die zurückgehenden Truppen an den Marschstraßen niedergelegt. Schwierige Wegestellen, z. B. Brücken, werden gangbar gemacht, an diesen und an Wegekreuzen Offiziere etc. aufgestellt, die für Ordnung und Einhaltung des rechten Weges, besonders bei Nacht, sorgen. Die Lage der Rückzugslinie zur Schlachtlinie ist für den Rückzug am vorteilhaftesten, wenn sie senkrecht zu ihr läuft. Oft geschieht der Rückzug im Schutze der Nacht. Besonders wünschenswert ist Benutzung der Eisenbahn für den Rückmarsch, zumal der Infanterie.

Grundsätzlich werden die Rückzugsanordnungen nur den nächsten Stellen im voraus und vertraulich bekannt gemacht. Der strategische Rückzug, die rückgängige Bewegung eines Heeres, bezweckt die Verlegung der Operationen auf einen anderen Kriegsschauplatz. Dem geordneten Rückzug steht gegenüber der durch den Feind erzwungene, bei dem das Loslösen vom Gegner, das Einfädeln der Truppen in Marschkolonnen und das Wiedergewinnen der völligen Operationsfreiheit schwere Aufgaben der Führung bilden, die bei energischer Verfolgung durch den Feind zunächst nicht lösbar sind.

Auf dem Schlachtfelde wie auf dem weiteren Rückzuge sind Kämpfe, Rückzugsgefechte (s. Arrieregarde), zu bestehen, die Truppen können von der Rückzugslinie abgedrängt werden, und große Verluste sind unvermeidlich; der schlimmste Feind einer solchen Kriegslage aber ist die Entmutigung, die sich der Truppe bemächtigt und verderblicher wirkt als alle Verluste. Hier bewähren sich das Talent der Führer und die Mannszucht der Soldaten. Exzentrisch ist der Rückzug, wenn Teile eines Heeres oder wenn getrennte Heereskörper auseinandergehende Rückzugslinien, konzentrisch dagegen, wenn getrennt operierende Armeen zusammenführende Rückzugslinien einschlagen. Der in Unordnung ausgeführte Rückzug hieß früher Retirade (s. Flucht).

Bibliographie

  • Balck: Taktik (Berl. 1903, 6 Bde. in 2. und 3. Auflage)
  • Schlichting, v.: Taktische und strategische Grundsätze der Gegenwart (Berl. 1897–99, 3 Tle.)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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