Besatzung

Besatzung

Besatzung, s. Bedürfnisse, Schanze, usw.

Die Stärke der Besatzung einer Festung hängt von ihrer Größe, dem Umfang der zu verteidigenden Werke ab, und ist auf mancherlei Weise bestimmt worden. Einige wollen den Umkreis der ganzen Festung besetzen, andere rechnen nach Bollwerken, und verlangen auf jedes derselben 500 bis 600 Mann, wenn die Festung keine anderen Außenwerke als Raveline hat, außerdem aber auf ein Hornwerk noch 600 Mann, für jede vorliegende Brille 150, und für jede detachierte Redoute 600 Mann; endlich noch 115 des Ganzen an Kavallerie. Am besten aber berechnen noch andere die Stärke der Besatzung und das Verhältnis ihrer Zusammensetzung nach dem Dienst, welche jede Truppenart während der Belagerung zu leisten hat, und lassen dabei einen großen Teil der Schanz- und Holzarbeiten durch besonders bezahlte Bürger verrichten. – Im Allgemeinen ist der Widerstand einer Festung nicht nach der Stärke ihrer Besatzung abzumessen, und wohl zu überlegen, dass 20 bis 30.000 Mann anstatt zwischen Wall und Graben eingesperrt zu sein, als offensives Armeekorps ganz andere Dienste leisten könnten. Auch wird der Feind selten oder nie ein Belagerungskorps aufstellen können, wie er es eigentlich nach den angenommenen Regeln müsste, also hier wenigsten 40 bis 60.000 Mann und mehr. – Die Unterbringung einer Festungsbesatzung geschieht auf die beste Art in Kasernen. Diese müssen hinreichend starke Mauern haben, und werden oben mit zwei Balkenlagen und 5 Fuß hoch aufgeschütteter Erde bedeckt. Die Einquartierung in den Bürgerhäusern hat vorzüglich den Nachteil, dass man die Leute nie gehörig beisammen hat, wie doch in einer belagerten Festung alle Augenblicke nötig ist; Kasematten unter den Wällen geben zwar einen sehr sicheren Aufenthalt, sind aber höchst ungesund, besonders in der späteren Zeit der Belagerung, wo der Soldat durch Gefecht, Arbeiten und Nachtwachen ermüdet, und durch die kärgliche Kost nicht hinreichend genährt ist. Nur bei den quer durch den Wall gehenden, hinten offenen Bögen, die zugleich als Defensivkasematten dienen, ist eine freier Luftzug, Trockenheit, und sogleich ein gesunder Aufenthalt zu erwarten.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Besatzung, Truppe zur Abwehr feindlicher Angriffe auf Befestigungen. Feldbefestigungen erhalten eine Ausdehnung, die in angemessenem Verhältnis zu der für die Besatzung verfügbaren Truppen steht. Soll der Feind nur aufgehalten werden, so genügt ein Mann auf 1 m Feuerlinie, will man einen Entscheidungskampf annehmen, so braucht man eine Rotte Infanterie auf 1 m. Außerdem sind Artillerie, Pioniere etc. nötig und eine Reserve von etwa ein Viertel der Gesamtstärke. Die Kriegsbesatzung der Festungen muss stets eine starke sein, weil man es, abgesehen von kleinen, als Sperrpunkte wichtigen Plätzen, deren Besatzung sich nach den örtlichen Verhältnissen richtet, nur mit politisch und strategisch wichtigen, großen Waffenplätzen zu tun hat.

Während man früher zur Besatzung der Festungen minderwertige Truppen wählte (Preußen 1806, Frankreich 1870), verwendet man später größtenteils Linientruppen, geschlossene Divisionen, Brigaden etc. Eine Festung mit solcher, zu weitausgreifenden Unternehmungen befähigten Besatzung beherrschte ganze Geländeteile, bzw. einen Kriegsschauplatz. Auch die Festungsartillerie musste verstärkt werden, da die gezogenen Geschütze sorgfältige Bedienung verlangten, und da die Wirkung schwerer Geschütze im Festungskrieg eine immer entscheidendere geworden war. Die Besatzung von Metz betrug im Frieden fast 6 Bataillone; rechnet man für das Geschütz durchschnittlich 6 Mann und für jedes Kampfgeschütz eine doppelte Bedienung, so war es nötig, jene Besatzung auf mindestens 9–10.000 Mann zu erhöhen und hierzu die erforderlichen Landwehrbataillone heranzuziehen. Bei minder bedeutenden Festungen konnte man die Besatzung auf 5–6000 Mann Fußartillerie, 15–20.000 Mann Infanterie veranschlagen; dazu kamen, wenn nicht geschlossene Truppenverbände die bezüglichen Dienste leisteten, ein bis zwei Kavallerieregimenter, ein bis zwei Pionierbataillone und ein bis zwei Ausfallbatterien. Vgl. Festungskrieg.

Besatzung, das Funktionspersonal von Landfahrzeugen und Flugzeugen, auschließlich der Passagiere. Im Seewesen die Gesamtheit aller an Bord eines Schiffes befindlichen Personen; vgl. Bemannung.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe