Bedürfnisse

Bedürfnisse

Bedürfnisse einer Festung. Sie sind 1) die Besatzung, 2) Waffen, 3) Munition, 4) Lebensmittel.

1) Die Besatzung einer Festung besteht aus Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Pionieren und einigen Ingenieur-Offizieren. Gewöhnlich schließt man aus der Anzahl der vorhandenen Bollwerke auf die Anzahl der Infanterie, und sind keine Bollwerke da, so kann man leicht bestimmen, wie viel deren in dem Umfang der Festung da sein müssten. Auf jedes Bollwerk rechnet man ungefähr 600 Mann, welch auch die davor liegenden Außenwerke mit besetzen. Sind große äußere detachierte Werke da, so wird für diese die Anzahl der Infanterie noch besonders bestimmt, z. B. für ein großes Hornwerk 4 bis 600 Mann, eben so viel für eine große detachierte Redoute usw. An Kavallerie rechnet man den zehnten Teil von der in einer Festung nötigen Zahl von Infanterie; doch kann hier die Lage einer Festung diese Bestimmung ändern. Die Anzahl der Artillerie ergibt sich aus der Menge des Geschützes; Pioniers müssen nach Verhältnis der vorzunehmenden Erd-, Wasser- und Holzarbeiten da sein.

2) Waffen,
a) Kanonen für jedes Bollwerk 10, nämlich ein oder zwei 24pfünder, vier bis sechs 12pfünder, zwei bis vier 6pfünder. Außerdem noch mehrere leichte Kanonen für die Außenwerke.

b) Mortiere auf jedes Bollwerk 4 größere, 25 bis 50pfündige; außerdem mehrere Haubitzen und kleinere Mortiere.

c) Lafetten, außer den zum Geschütz gehörigen, auf jedes Stück noch eine Reservelafette. Ferner gehören hierzu Bohlen, Balken zu den Bettungen, Hebezeug, Stricke, Ketten, Protzwagen und Schleifen.

d) Kleines Gewehr. Man hat ein Drittel der nötigen Gewehre noch zur Reserve; außerdem Doppelhaken und Wallbüchsen.

e) Faschinen, Schanzkörbe, Palisaden, Bauholz. Auf jedes Stück Geschütz rechnet man 200 Fuß Faschinen; ferner einige 1000 drei Fuß hohe zwei Fuß weite Schanzkörbe, einige 1000 Palisaden; einige 100 Balken, eben so viel Sparren und einige 1000 Dielen zum Bau der Gegenminen.

f) Endlich das nötige Handwerkszeug für die Pioniere.

3) Munition. Auf jede Kanone rechnet man 1000 Schuss, worunter 150 Kartätschen; auf jeden Mortier 1200 Schuss; hierzu die anderen nötigen Materialien; einige 1000 Handgranaten auf jedes Bollwerk für kleine Mörser; auf jeden Infanteristen 6 bis 700 Schuss; 50 bis 60.000 Pfund Pulver zu den Minen. Ferner muss man einen hinlänglichen Vorrat von Steinkohlen haben, ein Laboratorium mit den zu den Licht- und Brandkugeln erforderlichen Bestandteilen, die dazu nötigen Handwerkszeuge, einen Vorrat von Papier usw.; ferner Äxte, Beile, mehrere 1000 Spaten etc.

4) Lebensmittel. Man rechnet auf einen Mann täglich 2 Pfund Brot, ½ Pfund Fleisch, ⅛ Pfund Reis, oder statt dessen eine verhältnismäßige Quantität Grütze, Kartoffeln, Erbsen, gebackenes Obst etc.; auf 4 Wochen pro Mann 1 Metze Salz, und täglich 2 Lot Butter oder Talg; ferner wöchentlich 1 Pfund Tabak, täglich 110 Quart Branntwein, und ein Vorrat von Weinessig zur Erhaltung der Gesundheit; für ein Pferd täglich eine Ration, für ein Stück Rindvieh eine halbe Ration. Auch kann man für eine Brauerei, für Wein, Brennholz usw. sorgen. – Ein Plan von der Festung und der umliegenden Gegend ist höchst nötig.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe