Lot

Lot (Senkrechte, Normale, Perpendikel), in der Geometrie eine Gerade, die auf einer anderen Geraden senkrecht steht, mit ihr einen rechten Winkel bildet (s. Winkel) oder rechtwinklig (perpendikular) zu ihr ist. Den Punkt, in dem das Lot die andere Gerade trifft, nennt man den Fußpunkt des Lotes. Konstruiert man zu einer Geraden ein Lot, dessen Fußpunkt gegeben ist, so sagt man, dass man auf der Geraden in dem gegebenen Punkt das Lot errichtet, von einem Punkt außerhalb einer Geraden fällt man dagegen das Lot auf diese. Zieht man durch einen Punkt A einer Ebene zwei gerade Linien g und h, die ganz in der Ebene liegen, so gibt es stets eine und nur eine Gerade, die durch A geht und sowohl auf g als auf h senkrecht steht. Die Gerade steht dann überhaupt auf jeder durch A gehenden Geraden senkrecht, die ganz in der Ebene liegt, und man sagt daher, sie steht auf der Ebene selbst senkrecht, sie ist das auf der Ebene in dem Fußpunkt A errichtete Lot. Entsprechend sagt man, dass man von einem Punkt außerhalb einer Ebene das Lot auf diese fällt.

Eisernes Senklot
Eisernes Senklot

Lot (Senkel, Schnurlot, Senklot, Richtblei), ein an einem Faden hängendes Gewicht, das unter der Einwirkung der Schwerkraft den Faden direkt senkrecht richtet. Man benutzt es, um, z. B. beim Mauern, die Senkrechte (Lotrechte) zu ermitteln (Bleilot, Schrot-, Setzwaage), zur Tiefenmessung (Senkblei, s. Tiefenmessung). Im Vermessungswesen benutzt man zur Bestimmung eines Punktes, der genau senkrecht unter einem anderen gegebenen Punkt liegt, Abloteinstrumente. Zum mechanischen Abloten dient das gewöhnliche Lot, ein schweres, gewöhnlich birnenförmiges Metallstück an einem sehr dünnen (Metall-) Faden. Gewöhnlich ist das Lot mit einer scharfen zentrischen Spitze versehen, so dass beim Fallenlassen aus geringer Höhe auf die Unterlage der abgelotete Punkt durch einen feinen Eindruck bezeichnet wird. Da die Senkel bei jedem Luftzug schwanken, werden häufig starre Lote verwendet, Metallstäbe, die an ihrem oberen Ende eine Dosenlibelle tragen, welche beim Einspielen der Blase die senkrechte Lage des Stabes angibt. Zum optischen Abloten benutzt man ein mit Fadennetz versehenes Fernrohr, das mittels Libellen genau vertikal gerichtet wird. Liegt der gesuchte Punkt oberhalb des gegebenen in der Vertikallinie, so spricht man von Aufloten oder Heraufbringen des gegebenen Punktes. Die hierfür erforderlichen Operationen sind die gleichen wie beim Abloten.

Lot (franz., spr. lo; engl., spr. lott), Kaufmannsausdruck, auch im Pferdesport; ein Posten, eine Partie, Anzahl (z. B. Rennpferde). – In den Vereinigten Staaten versteht man und Lot eine Landfläche von 80 Acres.

Lot (spr. lo), früheres belgisches Hohlmaß, = 2,7088 Liter.

Lot, beim Münzgewicht und Silberprobiergewicht der 16. Teil der Mark (s. Lötigkeit); im nördlichen Europa früher meistens 132 des Pfundes. Bei der Einführung des Zollpfundes von 500 g in das Landesgewicht erhielt das Pfund in Deutschland größtenteils 30, in den Hansestädten und den Staaten des Steuervereins 10 Lot; das 1872 im Deutschen Reich gesetzlich gewordene Neulot wurde 1884 wieder beseitigt.

Lot (mittelhochdeutsch lôt, niederländisch lood, engl. lead, Blei; daher früher »Kraut und Lot«, Pulver und Blei), ein Metall oder eine Metalllegierung, die zwei gleichartige oder ungleichartige Metallstücke durch oberflächliches Zusammenschmelzen miteinander verbindet (verlötet, lötet). Das Lot darf nie schwerer schmelzbar sein als das zu lötende Metall, und da die Lötstelle ja nach dem Zweck, zu dem der gelötete Gegenstand benutzt werden soll, verschiedenen Anforderungen entsprechen muss, so bedarf die Technik zahlreicher Lote, bei denen oft die Farbe, häufiger Festigkeit und Schmelzbarkeit in Betracht kommen. In Bezug auf letztere unterscheidet man leicht schmelzbares Weichlot (Schnelllot, Klempnerlot, Weißlot, Zinnlot) und schwer schmelzbares Hartlot (Strenglot, Schlaglot, Hartschlaglot, so genannt, weil die damit gelöteten Metalle Hammerschläge ertragen, ohne sich von einander zu trennen). Weichlot zum Löten von Weißblech, Kupfer, Messing, Zinn, Zink, Blei etc., ist ein Bleizinnlot von verschiedener Zusammensetzung. Ein sehr leichtflüssiges Lot (etwa 5 Zinn, 3 Blei) erhält man als Sickerlot (Sicherlot), wenn man gleiche Teile Blei und Zinn zusammenschmelzt und von der halb erstarrten Masse den flüssig gebliebenen Teil abgießt. Bismutlot besteht aus 2 bis 8 Teilen Schnelllot und 1 Teil Bismut, ist sehr leicht schmelzbar, bricht aber leicht und wird daher nur bei sehr leichtflüssigem Zinn angewendet. Mit reinem Kupfer lötet man Guss- und Schmiedeeisen, eine Legierung von 5 Teilen Kupfer und 1 Teil Blei dient zum Löten von Kupfer. Messingschlaglot, das gewöhnliche Lot für Eisen, Stahl, Kupfer und Messing, ist eine zinkreiche Kupferzinklegierung, die aus Messing und Zink (auch Zinn) bereitet und mit steigendem Zinkgehalt leichter schmelzbar und spröder wird. Neusilber gibt auf feinen Eisen- und Stahlwaren kaum sichtbare Lotstellen, Neusilber selbst wird mit Lot aus 5 Teilen Neusilber und 4 Teilen Zink gelötet. Silberlot für Silber, Messing, Kupfer, Stahl und Eisen besteht aus einer Silber-Kupferlegierung mit einem Zusatz von Messing und Zink, damit es besser fließt. Mit feinem Gold lötet man nur Platin. Gold und feine Stahlwaren werden mit Goldlot gelötet, das aus Gold, Silber und Kupfer besteht und durch Zink leichtflüssiger gemacht wird. Da beim Goldlot die Farbe zu berücksichtigen ist, so wechselt seine Zusammensetzung nach der Beschaffenheit des zu lötenden Metalls. Aluminium lötet man mit Legierungen aus Aluminium, Kupfer oder Aluminiumkupferzinnlegierungen.

Lot (spr. lott, der Oltis der Römer), rechter Nebenfluss der Garonne, entspringt an der Montagne de Goulet (1499 m) im franz. Département Lozère, durchfließt, anfangs als Olt, in westlicher Richtung die Départements Lozère, Aveyron, Lot und Lot-et-Garonne und mündet bei Aiguillon in die Garonne, nachdem er rechts die Flüsse Colagne, Truyère und Célé, links den Dourdou und die Diège aufgenommen hat. Er ist 481 km land und 295 km weit (von Entraygues an) schiffbar.

Lot (spr. lott), Département im südwestlichen Frankreich, nach dem Fluss Lot benannt, aus der Landschaft Querchy der ehemaligen Provinz Guyenne gebildet, grenzt im Norden an das Département Corrèze, im Westen an Dordogne und Lot-et-Garonne, im Süden an Tarn-et-Garonne, im Osten an Aveyron und Cantal und umfasst 5225 km². Die Bevölkerung belief sich 1901 auf 226.720 Einwohner (43 auf 1 km²), was seit 1881 ein Abnahme um 53,549 Seelen ergibt. Das Département umfasst die drei Arrondissements: Cahors, Figeac und Gourdon; Hauptstadt ist Cahors.

Lot, nach den Berichten des 1. Buch Mos. Sohn Harans, des Bruders von Abraham, mit dem er, früh verwaist, in Kanaan einwandert; er trennt sich bald aber friedlich von ihm und lässt sich mit seinen Herden in der fruchtbaren Jordanaue nieder. Beim Untergang der Städte Sodom und Gomorra verliert Lot seine Frau und flieht mit seinen zwei Töchtern, mit denen er im Rausch Blutschande treibt und dadurch Stammvater der Moabiter und Ammoniter wird. Eine Salzsäule am Toten Meer hat die Volksvorstellung seit ältester Zeit als die versteinerte Frau des Lot bezeichnet. Die Muslime zeigen sein Grab in dem Dorf Bani Na’im östlich von Hebron.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Loth, Bleiloth, ein Stück Blei in der Gestalt einer abgekürzten Pyramide, oder eines Kegels, um vermittelst einer daran befestigten Leine die Tiefe des Wassers zu erforschen. Damit man aber auch zugleich Kenntnis von der Beschaffenheit des Grundes erhalte, ist die Grundfläche des Loths 2 bis 3 Zoll tief ausgehöhlt, worin man Talg gießt, sobald das Loth ins Wasser gelassen werden soll. Besteht nun der Grund aus Sand, Ton, Muscheln usw., so bleibt etwas an dem Talg kleben; ist der Grund grün, so setzen sich Kräuter daran; Klippen machen bloß Eindrücke in den Talg. Die Schwere des Loths richtet sich nach der Tiefe des Wassers; man hat daher auf der See gewöhnlich dreierlei: 1) Das schwere Loth oder Tiefloth, wiegt 30 bis 40 und mehrere Pfunde. 2) Das Mittelloth, halb so schwer als das vorige. 3) Das Handloth, ungefähr 6 bis 9 Pfund schwer.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe