Münzkunst

Spindelpresse zum Herstellen von Münzen

Die Herstellung der Münzen (Münzkunst) zerfüllt in die Herstellung der Legierung von festgestelltem Gehalt, und die Herstellung der runden Platten von festgestelltem Gewicht in vorgeschriebener Größe und Prägung. Das Münzmetall gelangt in verschiedenen Formen (alte Münzen, Barren etc.) in die Münzwerkstätten, wird in Graphittiegeln (im Tiegelofen, s. Gießerei) unter gleichzeitigem Zusatz der fehlenden Metalle und zur Vermeidung von Oxydation unter Kohlenstaub geschmolzen (legiert), mit Röhrern (runde, 50 cm lange und 5–7 cm dicke Stangen aus Graphit an Holzstangen befestigt) umgerührt und nach Probenahme in sogenannte Zaine von 40-45 cm Länge, 6–10 mm Dicke und einer Breite gegossen, die dem 1-, 2- oder 3fachen Durchmesser der daraus zu fertigenden Münze nahe kommt. Die Gießform besteht aus Platteneingüssen, die, 20–100 an der Zahl, so nebeneinander aufrecht hingestellt werden, dass der Rücken des einen Eingusses den anderen bedeckt, und zwar in einem Rahmen, der auf einem fahrbaren Gestell (Wagen) angebracht ist (Gießmaschine, Fig. 1).

Gießmaschine für Münz-Zaine
Gießmaschine für Münz-Zaine
Justierwaage von Seyß
Justierwaage von Seyß
Handschaber für Münzen
Handschaber für Münzen

Die gebräuchlichste Gießmaschine zum Gießen der Zaine besteht aus einem rahmenartigen, auf Schienen beweglichen Wagen A B, in den die Eingüsse EE (hier 26) von oben eingesetzt werden. Zwei Kopfplatten C und D, wovon D durch die Schraube a angepresst wird, stützen die Eingüsse, die außerdem der Rahmen F mit Druckschraube b scharf zusammenpresst.

Die gegossenen Zaine sind durch Strecken mittels Walzen auf die genaue Dicke der Münzplatten zu bringen, zu welchem Zwecke sie der Reihe nach das Streck- oder Vorwalzwerk und darauf das Schlicht- oder Justierwalzwerk passieren. Das Strecken erfolgt meistens kalt; nur sehr dicke Platten werden anfangs glühend gestreckt. Da die Zaine durch das Walzen eine bedeutende Härte und Sprödigkeit annehmen, so glüht man sie in der Regel nach jedem zweimaligen Durchgang in besonderen Muffelöfen unter möglichstem Luftabschluss aus. Goldzaine bedürfen vielfach des Ausglühens nicht. In manchen Münzen zieht man die gestreckten Zaine mittels Zangen auf einem Zainzug durch zwei stählerne Backen, um alle Ungleichheiten in der Dicke zu beseitigen. Nachdem die Zaine nochmals ausgeglüht sind, zerschneidet man sie auf Kreisscheren in Streifen von etwa 1 m Länge und entsprechender Breite, um aus diesen durch das Stückeln oder Ausstückeln die runden Münzplatten zu gewinnen. Hierzu dient ein Durchschnitt (s. Lochen) mit Schraube, auf der ein Arbeiter in einer Stunde, je nach der Größe, 1000–1500 Platten ausstückeln kann. In großen Münzen benutzt man Exzenterdurchschnitte (mit Vorrichtungen zum selbsttätigen Vorschub der Zaine). Die ausgestückelten Streifen heißen Schroten, betragen etwa 33 Proent des Metalls und gelangen zur Schmelze zurück.

Obgleich beim Walzen der Zaine und Ausschneiden der Platten die größte Sorgfalt verwendet wird, so sind doch Platten von ganz gleichem Gewicht nicht zu erhalten. Deswegen folgt auf das Ausstükkeln das Justieren (Adjustieren), wobei die Platten einzeln abgewogen und nach dem Gewicht getrennt werden, um die zu leichten in die Schmelze zurückgehen zu lassen, die normalen zum Prägen zu bringen und zu schwere so lange durch Schaben mit Handschabern oder auf Schabemaschinen zu bearbeiten, bis sie das richtige Gewicht haben. Zum Abwägen gebraucht man die Justierwaage, welche die Münzen nach genau festgestellten Gewichtsunterschieden sichtet und einzeln in entsprechende Behälter abliefert (Fig. 2).

Die verbreitetste Justierwaage von Seyß in Atzgersdorf bei Wien hat folgende Einrichtung. Der aus zwei parallelen Schienen bestehende Balken AA trägt bei B das Normalgewicht (Richtpfennig), bei C eine Tasche zur Aufnahme der Münzplatte, die aus dem Kocher H vermittelst des Zubringers G durch den Kanal J in die Tasche C fällt und von der Platte P aufgefangen wird. Während dieses Vorganges ist die Waage arretiert, indem eine mit vier Armen versehene Hülse FF längs der Waagesäule E aufwärts geschoben wird, so dass die Federn ff gegen den Waagebalken AA und die an ll schleifenden Fänger LL gegen die Taschen B und C treten und damit die Waage von der vorhergehenden Schwingung zur Ruhe bringen. Wird darauf durch Senkung von FF die Wage wieder frei gemacht, so gelangt die Tasche C je nach dem Gewicht der Münze vor eine der in dem Rahmen R angebrachten Zellen 1, 2, 3, 4, 5, 6 und wirft die Münze nach Zurückziehen der Platte P über u in die betreffende Zelle.

Damit die Münze sicher in die richtige Zelle fällt, tritt folgende Einrichtung in Tätigkeit. An der Säule E sitzt ein Querarm mit zwei ausgezackten Stahlblechen MM. Diese Zacken korrespondieren mit den Stiften 0, 1, 2, 3, 4, 5 am Waagebalken AA. Ist die Platte viel zu leicht oder viel zu schwer, so stoßen die Stifte 0 oder 5 an die zugehörenden Einschnitte von MM und die Platte fällt in die oberste oder unterste Zelle. An den Stiften 1, 2, 3 und 4 hängen Drahtreiter, die je nach dem Spiele des Waagebalkens von den Zacken aufgenommen werden und dadurch die Waage für eine bestimmte Zelle einstellen. Zu einem Sortiersystem gehören 10–12 Wagen, die nebeneinander aufgestellt und von einem einzigen Mechanismus angetrieben werden, der rechtzeitig den Zubringer G und den Schieber K zum Öffnen des Kanals J bewegt, die Hülse F mittels der Schiene m hebt, die auf dem Schieber t mit Stützen ss befestigte Platte P zurückschiebt sowie den Rahmen R bis an C vorschiebt. Da eine Sortierung etwa 15 Sekunden dauert, so sortiert ein System von 12 Wagen bei zehnstündiger Arbeit am Tag 28,800 Platten nach sechs Abstufungen.

Der Antriebsmechanismus für die sämtlichen Wagen besteht der Hauptsache nach aus einer unter K liegenden, sich drehenden Welle mit aufgekeilten Daumen, die auf Hebel einwirken, die mit G, K, m und R verbunden und so gestellt sind, dass die Bewegungen in der notwendigen Reihenfolge stattfinden.

Geringwertige Münzen justiert man in der Mark, indem man die Anzahl Stücke, die auf 1 kg gehen, abzählt und wägt; Goldmünzen werden zum Vorjustieren geschabt (Schaber, Fig. 3-5), zum Nachjustieren gefeilt. Zum Schaben mit der Hand bedient man sich des durch Fig. 3 dargestellten Apparats. An dem Arm A sitzt das Schabemesser m über dem Justierklotz a, der oben eine Vertiefung für die Aufnahme der Platten und neben sich einen Bock b hat, auf dem der Arm A mit dem Vorsprung n eine Stütze findet, um zugleich das Eindringen des Messers zu begrenzen, das durch Hin- und Herdrehen des Armes A um den Bolzen B zur Wirkung gelangt.

Bei der Schabemaschine von Ludw. Löwe u. Komp. in Berlin (Fig. 4 u. 5) werden die Münzplatten in die 6 Kocher kk eingefüllt, ein horizontaler Schieber bringt jedesmal die unterste Platte in einen Trichter t, von dem aus dieselbe in eine rotierende Spindel geleitet wird, die der Länge nach durchbohrt ist und in dieser Bohrung einen Kolben aufnimmt, der, von einer dahinter sitzenden Kurvenscheibe j betätigt, die Platte in einen am vorderen Ende der Spindel befindlichen Spannkopf schiebt, der die Platte festhält. Indem diese sich mit der Spindel dreht, wird ein Schabemesser m vorbeigeführt, das auf einem seitlich verschiebbaren Support s befestigt ist und mit diesem durch die Schlitzkurbel e hin und her geschoben wird, so dass das Messer das überflüssige Material um die Mitte herum wegnimmt. Die nächste Platte stößt die geschabte in eine Abfuhrrinne r, die siebartig durchlocht ist, so dass die Späne von den Münzen getrennt in unterhalb der Maschine aufgestellte Sammelgefäße fallen, während die Platten in die Schubkasten 1, 2, 3, 4 etc. gelangen. Die Maschine ist sechsfach angeordnet und schabt in 10 Stunden bis 40.000 Stück.

Münzenschabemaschine von L. Löwe u. Komp.

Bei dem nun folgenden Rändeln erzeugt man am Rande der Münzen einen Grat und auf der Randfläche eine Verzierung oder Schrift, um das Gepräge der Münzen vor Abnutzung und die Münzen selbst gegen betrügerische Wertverringerung durch Beschneiden oder Befeilen zu schützen. Die Rändelwerke (Fig. 6–9) bestehen aus zwei gehärteten stählernen Rändeleisen oder Backen, die entweder geradlinige Lineale oder konzentrische Kreisbogen bilden, und dadurch zur Wirkung gelangen, dass der eine Backen verschoben oder gedreht wird, während der zweite festliegt, und somit die zwischen den beiden Backen liegende Münze unter entsprechendem Druck wälzt, wobei der Rand verbreitert und die auf den Backen angebrachte Verzierung oder Schrift eingepresst wird.

Rändelmaschine

Wenn nur zum Schutz des Gepräges die Ränder gestaucht werden sollen, so benutzt man allgemein die durch Fig. 6 und 7 dargestellte Rändelmaschine. Ein gehärteter Gussstahlring a, der auf eine Planscheibe s gespannt ist und sich mit dieser, angetrieben durch die Riemenscheibe r, schnell dreht, hat in der Mitte eine der zu rändelnden Münze entsprechende eingedrehte Nute. Mit dieser Kreisnute korrespondiert an der tiefsten Stelle die kreisbogenförmige Nute des Rändeleisens b, das durch ein Spanneisen gehalten und mittels Druckschrauben in genaue Stellung zum Rändelring a gebracht wird, so dass jede durch a und b durchgeschobene Münze hier die Stauchung erfährt. Die Zuführung der Platten erfolgt aus dem Kocher k durch die unterhalb desselben sich drehende Scheibe c, die mit flachen Zähnen versehen ist, auf deren gerade nach oben gerichtete Flächen sich jedesmal nur die unterste Platte aus dem Kocher legt, die sodann längs der geneigten Rinne i abwärts und zwischen die Teile a und b rutscht. Von dem Ring a sofort erfasst, wird die Platte gewaltsam an b entlang gerollt, dadurch gestaucht und zugleich auf einen ganz bestimmten Durchmesser gebracht. Diese Maschine rändelt 40.000 Platten in der Stunde.

Rändelmaschine

Auf der Münzenrändelmaschine für Schriftrand von L. Löwe u. Komp. in Berlin (Fig. 8 u. 9) erfolgt das Einprägen von Schrift, Sternen, Arabesken etc. in die Ränder der Münzen mittels gerader Rändeleisen an vier Stellen 1, 2, 3, 4. Auf der oberen Platte A des Gestelles G werden gleichzeitig zwei Schlitten a, a hin und her bewegt, indem sie mittels Stangen c an Schwingen ss angeschlossen sind, die von dem Krummzapfen der Welle u mit Riemenscheibe r und Schwungrad S in Schwingungen versetzt werden und die Schlitten a, a mitnehmen. Jeder Schlitten hat zwei Rändeleisen (Backen) 1, 2 und 3, 4, die mit zwei auf der Tischplatte festgeschraubten Rändeleisen korrespondieren. Aus den zwei mit Münzen gefüllten Kochern k, k werden beim Vorgang und beim Rückgang der Schlitten von Mitnehmern je zwei Münzen vorgeschoben, zwischen die Rändeleisen gebracht und infolge der Schlittenbewegung zwischen den letzteren abgerollt und mit Schrift etc. versehen. Die Schlittenbacken gehen dann so weit über die festen hinaus, dass dadurch die Münzen frei werden und durch ein Rohr in einen unterhalb des Tisches angebrachten Kasten fallen. Die Maschine rändelt daher bei jeder Umdrehung der Welle u vier Münzen; da sie gewöhnlich 60 Touren in der Minute macht, so rändelt sie in der Stunde 14.400 Münzen.

Vor oder gewöhnlich nach dem Rändeln werden die Münzen geglüht, um anhaftenden Schmutz (Öl etc.) zu verbrennen und das Metall weich zu machen, und dann zur Bildung einer metallreinen Oberfläche gebeizt. Das Glühen findet in offenen Pfannen bei Luftzutritt oder in kupfernen oder eisernen Zylindern unter Luftabschluss und Zusatz von Kohlenpulver statt. Als Beizflüssigkeit benutzt man verdünnte Schwefelsäure (auf 14 Liter Wasser 150 g Schwefelsäure), selten eine Lösung von Weinstein. Zum Beizen dienen hölzerne Beizfässer, die, mit Platten und der kochenden Beizflüssigkeit versehen, etwa 3-4 Minuten gedreht und darauf in ein Siebbecken entleert werden. Nachdem die Beize abgelaufen, spült man die Platten mit Wasser gehörig ab und trocknet sie auf heißen Tischplatten durch Abreiben mit Tüchern. Da die Beize von den Gold- und Silbermünzen das auf der Oberfläche oxydierte Kupfer löst, so besitzen sie neu ganz die Farbe des reinen Goldes und Silbers, nach Abnutzung der zarten Gold- und Silberhaut aber die Farbe der Legierung. Der Beizverlust beträgt bei Silbermünzen 0,12 bis 2,5 Proz., bei Goldmünzen 0,07 Proz. im Durchschnitt.

Das Prägen der Münzen erfolgt zwischen zwei gehärteten Prägstempeln aus Stahl durch einen auf den Oberstempel ausgeübten äußerst kräftigen Druck oder Stoß. Die Prägstempel, die das Gepräge umgekehrt besitzen, werden durch Abpressen eines recht geschnittenen oder gravierten und gehärteten Stahlstempels (Urstempel) mittels eines besonders starken Prägwerkes erhalten (Senken, Absenken). Auf diese Weise lassen sich eine größere Anzahl vollkommen gleicher Prägstempel herstellen, die bis 400.000 Prägungen aushalten. In einzelnen Münzen presst man den erhaben gravierten Urstempel (Patrize) ab, erzeugt mit der so gewonnenen Matrize einen wieder erhabenen Stempel und benutzt diesen zur Herstellung der Prägstempel durch Absenken. Den Stoß erzeugte man anfangs durch einen Hammer (Klippwerk), später, bisweilen noch heute, auf einem Schraubenstoßwerk (Spindelwerk, Druckwerk, Anwurf), das wie die Lochmaschine eingerichtet ist. Am gebräuchlichsten ist jedoch die Prägmaschine mit Kniehebel (Tafel, Fig. 10–12), die in Deutschland von Uhlhorn in Grevenbroich erfunden wurde. Bei dieser mechanisch äußerst vollkommen ausgebildeten Prägmaschine werden die in größerer Anzahl in einen rohrartigen Behälter (Köcher) geschütteten Münzplatten von der Maschine selbsttätig einzeln mittels eines Fingers (Zubringer) zwischen die Stempel geschoben, darauf durch einen kräftigen Druck auf den Oberstempel geprägt und dann fertig aus der Maschine ausgeworfen.

Münzprägwerk

Eine vorzügliche, auf dem Prinzip des Kniehebels beruhende Münzprägmaschine von L. Löwe u. Komp. (Fig. 10) besteht aus dem eigentlichen Prägwerk A und dem Antriebsständer B, beide verbunden durch drei Paar Stehbolzen t. In dem Ständer B liegt die Welle W mit Schwungrad S, das eine gleichmäßige Bewegung der ganzen Maschine sichert und in Umdrehung gesetzt wird durch die Riemenscheibe R mittels einer auslösbaren Stiftenkuppelung m. Das aus einem schweren Rahmen gebildete Gestell des Prägewerks A nimmt zunächst den vertikal beweglichen Schieber s auf, der an seinem unteren Ende den Oberstempel trägt und mittels zweier Stangen an zwei Federn ff so aufgehängt ist, dass die letzteren den Schieber stets nach oben ziehen. Unmittelbar unter dem Oberstempel befinden sich der Unterstempel. Zum Zwecke des Prägens wird der Schieber s mit Hilfe des Kniehebels L abwärts bewegt, indem an dem langen Arm des Kniehebels eine Zugstange a angreift, die von einem auf der Welle W sitzenden Krummzapfen hin und her bewegt wird.

Um die Senkung des Oberstempels genau der Münzendicke anpassen zu können, ist das obere Lager des Kniehebels durch einen Keil von dem Handrad d mit Mutter auf das sorgfältigste einzustellen. Damit beim Prägen die Münzplatte sich nicht in der Fläche vergrößert, seitlich ausweicht, wird sie während des Prägens von einem stählernen Prägring umschlossen. Bei i erkennt man den sogen. Zubringer, der für jede Prägung eine Münzplatte aus dem Kocher K zwischen die Stempel bringt, zugleich aber auch die geprägte Platte seitwärts in einen an dem Grundbalken C angebrachten Kanal stößt. Damit das letztere geschehen kann, tritt ein Ausstoßmechanismus in Tätigkeit, der den Unterstempel so weit hebt, dass die Münze über den Prägring gelangt. Dieser Ausstoßmechanismus besteht wesentlich aus dem um den Bolzen p drehbaren Hebel H, mit zwei bei c sichtbaren, gegen den Unterstempel wirkenden Stangen, der einerseits durch einen auf der Welle W sitzenden Daumen, anderseits durch die Feder x in Bewegung gesetzt wird. Der bei y gezeichnete Handhebel dient zum Ein- und Ausrücken der Kupplung m, der Fußhebel Z zum Bremsen des Schwungrades S. Da die Antriebswelle W in der Minute 60–70 Umdrehungen ausführt, so prägt diese Maschine bei zehnstündiger Arbeitszeit 30–42.000 Münzen.

Um einer Beschädigung der Prägstempel bei eintretenden Unordnungen vorzubeugen, namentlich dann, wenn zufällig keine Platte zwischen die Stempel gelangt ist, rückt eine Vorrichtung sofort den Antrieb aus und bringt die Maschine zum Stillstand. Ein anderer, äußerst sinnreicher Mechanismus mindert die Druckkraft des Stempels, falls etwa zwei Platten übereinander auf den Unterstempel zu liegen kommen oder die neu zugebrachte Platte nicht gänzlich in die Öffnung des Prägringes eintritt und gequetscht wird.

Damit unter dem großem Druck zwischen den Stempeln die Platten nicht seitlich ausweichen und dadurch unansehnlich werden, wird über dem Unterstempel ein sogenannter Prägring aus gehärtetem Stahl angebracht, der genau auf den Durchmesser der Münzen ausgedreht ist (glatter Ring) und die Platten während des Prägens umschließt (Ringprägen). Das Innere dieses Ringes enthält mitunter Schrift oder Verzierung, um zugleich den Rand der Münze zu prägen. Um in diesem Falle die Münze aus dem Ring leicht herausbringen zu können, teilt man diesen in drei Segmente, die sich beim Auswerfen etwas voneinander entfernen (gebrochener Ring). Bestehen die Verzierungen im Ringe nur aus Kerben zur Hervorbringung von parallelen Riffeln, so ist die Teilung des Ringes nicht notwendig (Kerbring). Da die Prägung schärfer ausfällt und weniger Kraft gebraucht, wenn im Moment des Druckes der Unterstempel um etwa 3 Grad gedreht wird, so ist jede Prägmaschine mit einer hierzu dienenden Einrichtung versehen. Das geprägte Geld ist nur noch auf Gewicht, Gehalt etc. zu prüfen, zu welchem Zweck es genügt, aus einer größeren Menge ein Stück herauszugreifen.

Trotz der bedeutenden Fortschritte der Münztechnik kommen falsche Münzen doch noch häufig vor. Vom Polizeipräsidium in Berlin wurden z. B. 1880 an falschen Münzen angehalten: 1263 1-Markstücke, 1018 20-Pfennigstücke, 629 2-Markstücke, 147 Talerstücke, 132 5-Markstücke, 4 10-Markstücke, 3 20-Markstücke. Die falschen Münzen sind entweder a) mit nachgeahmten Stempeln aus minderwertigen Metallen und Legierungen geprägt und dann event. noch galvanisch versilbert oder vergoldet; b) in von echten Münzen abgenommenen Formen gegossen und dann häufig versilbert oder vergoldet; oder sie bestehen c) aus einem minderwertigen Metallkern, auf den die mittels einer ganz feinen Säge in Gestalt dünner Blättchen abgeschnittene Avers- und Reversseite einer echten Münze aufgelötet sind; d) aus einem minderwertigen Metallkern, auf den Kupferplatten, die galvanisch auf echten Münzen erzeugt, dann vergoldet und versilbert wurden, aufgelötet sind; e) häufig werden echte Münzen am Rande befeilt, beschnitten, abgekratzt; seltener werden Goldmünzen am Rande ausgebohrt und das Bohrloch mit unedlem Metall gefüllt. Auch werden die Münzen durch Ätzen mit Säuren minderwertig gemacht. Alle derartig gewaltsam minderwertig gemachten Münzen werden in Deutschland von den Staats-, resp. Reichskassen angehalten und dem Einlieferer eingeschnitten zurückgegeben. Falschstücke von Goldmünzen wurden bisweilen hergestellt, indem man Silber- oder Platinbleche mit dünnen Goldblechen belegte und dann ausprägte. Vergoldete Münzen aus Platin-Kupferlegierungen mit Silber- und Zinkgehalt werden seit länger als 20 Jahren in Valencia und Barcelona hergestellt.

Zur Prüfung der Münzen benutzt man vor allem das Gewicht. Es wiegt:

Geldstück Metall Gewicht Passiergewicht Maximalgewicht
20-Markstück Gold 7,965 g 7,9252 g 7,9849 g
10-Markstück Gold 3,9825 g 3,9825 g 3,9925 g
5-Markstück Silber 27,7778 g   28,055 g
2-Markstück Silber 11,1111 g   11,222 g
1-Markstück Silber 5,5555 g   5,611 g
50-Pfennigstück Silber 2,7778 g   2,805 g

Außer dem absoluten Gewicht kommt auch das spezifische Gewicht in Betracht, das äußere Ansehen und der Klang. Für die Anwendung chemischer Erkennungsmittel ist in Betracht zu ziehen, dass die falschen Münzen meist vergoldet oder versilbert vorkommen; man muss also die äußere Schicht abkratzen, wenn man die Strichprobe anwenden will.

Medaillen haben in der Regel einen größeren Umfang und ein stärkeres Relief als Geldmünzen, fordern deshalb zum Prägen sehr bedeutende Kraft und häufiges Ausglühen und Beizen, werden im übrigen wie Münzen erzeugt. Um die Prägstempel zu schonen, verwendet man hier vielfach erst Vorstempel, welche die Prägung im Groben hervorbringen, und dann die Prägstempel (Glanzstempel) zur Vollendung (Glanzstoß). Kupferne Medaillen werden bronziert (s. Bronzieren).

Bibliographie

  • Ansell: The Royal Mint; its working, conduct and operations, etc. (3. Aufl., Lond. 1871)
  • Dammer: Lexikon der Verfälschungen (Leipz. 1886)
  • Karmarsch: Beitrag zur Technik des Münzwesens (Hannov. 1856)
  • Schlösser: Die Münztechnik (Hannov. 1884)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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