Haus

Haus

Haus, überhaupt entweder einzelne Gebäude, Schlösser, Kirchen, und freistehende Mauern, oder einige in ein Gehöft verbundene Gebäude, zu befestigen, kommt teils in der Feldbefestigung vor, teils auch bei der hartnäckigen Verteidigung einer Festung, oder dem sogenannten Häuserkrieg, wovon die neuere Kriegsgeschichte in Spanien ein Beispiel gibt.

Soll eine freistehende Mauer in Verteidigungszustand gesetzt werden, und ist sie so niedrig, dass die Mannschaft nicht bis zur Brust gedeckt ist, so muss man sich hinter derselben eingraben, aber auch vor derselben einen Graben ziehen, falls sie nicht an einem hohen steilen Abhang steht; sonst dienst sie dem Feind so gut wie uns. Ist sie hingegen höher als fünfeinhalb Fuß, so macht man ein Bankett dahinter, oder ein Gerüst, (Echafaudage) um darüber weg zu feuern, oder man bricht einen Teil derselben ab, oder man lässt in einer bequemen Höhe, je 2 Fuß von einander, Schießlöcher durchbrechen, welche 1,5 Fuß hoch, und außen etwa 4 Zoll, innen, je nach der Dicke der Mauer, aber bis zu 18 Zoll weit sein müssen. Hat man Zeit genug, so kann man auch zwei Reihen Schießlöcher über einander anbringen, die unterste Reihe nur 1 Fuß über den Boden erhaben. Um die Mauer zu verstärken, wirft man an ihr einen Erdwall auf, indem man vor derselben, einige Fuß entfernt, einen Graben führt, und die daraus gewonnene Erde zur Erdverstärkung gebraucht. Auch kann man, wenn es zweckmäßig befunden wird, die Erde innen anschütten, und die Brustwehr 2 Fuß höher als die Mauer machen, wo die letztere sodann der Brustwehr als äußere Verkleidung dient. In festem Erdreich kann man, dicht vor der Mauer, schmale und tiefe Künetten graben lassen, deren Erde nach dem Feld zu verbreitet wird, womit man schnell zu Stande kommt, und wenigstens den Sturm beschwerlich macht.

Was über freistehende Mauern gesagt worden ist, gilt auch zum Teil für die Wände der Gebäude. Sind die Mauern schwach, nur einen Mauerstein stark, so muss man inwendig dicke Bohlen, oder besser 4 bis 5 Zoll starke Hölzer hinter die Wand, bis zu einer Höhe von 6 Fuß anbringen, und so die Wand verstärken. Dass diese Hölzer mit den Ständen auf eine solide Art befestigt werden, versteht sich von selbst. Alle Fenster und Türen werden mit starken Bohlen, oder besser mit starken Hölzern zugemacht. Nur unten bringt man 1 Fuß von der Erde und dann wieder 7 bis 8 Fuß von derselben, Schießlöcher an; bei den unteren muss man die Erde ausgraben, damit man bequem durch dieselben feuern kann. Diese Schießscharten sind außen 4 Zoll und innen 1 Fuß weit. Oben auf das Gebäude werden Steine gebracht, und an den Seiten Öffnungen gemacht, damit man sie durch diese dem stürmenden Feind auf den Kopf werfen kann. Der Boden wird mit Erde und Mist bedeckt, und alles Stroh und andere brennbare Dinge werden weggeschafft.

Ist es ein massives Gebäude, welches sich selbst gegen schweres Geschütz halten kann, so bricht man das Dach ab, legt die Sparren und Steine auf den Boden, und darüber Mist und Erde einige Fuß hoch. Wasser in großen Gefäßen muss allerwärts, besonders oben sein; kann man um das Gebäude einen nassen, oder auch nur einen trockenen, aber beträchtlich tiefen Graben ziehen, und ihn mit Palisaden versehen; hat man überdies gefüllte Handgranaten mit Brandröhren und Leuchtkugeln, so ist man in einem massiven Gebäude schon ziemlich sicher gegen jeden Angriff. Die Leuchtkugeln wirft man in der Nacht, wenn der Feind eskalieren will; die Granaten braucht man bei der Eskalade, indem man sie in den Graben wirft. – Die Besatzung wird in die Zimmer verteilt; in der Mitte ist eine Reserve, um den angegriffenen Teil zu unterstützen, und ein Detachement ist oben bei den Steinen. Vorzüglich muss man aber daran denken, sich einen hinlänglichen Vorrat an Wasser, Lebensmitteln und Munition zu verschaffen.

Hat man nicht Zeit genug, um Schießlöcher in die Mauern zu brechen, so richtet man die Fenster dazu ein; bei sehr hohen Fenstern, wie in Kirchen, wird man in ihnen 2 Reihen anbringen können. Sie werden zu dem Ende hinlänglich durch Balken vermacht, und mit Gerüsten versehen. Hat ein Haus mehrere Stockwerke, so entsteht schon hierdurch ein Etagenfeuer; bisweilen sind auch die Kellerfenster hierzu zu benutzen, dann kann aber keine Erdverstärkung angebracht werden. In Kirchen dienen die Chöre öfters statt der Gerüste zur oberen Feuerlinie; auch kommen die Kirchenbänke wohl zu statten. Der Grundriss, wie bei Kreuzkirchen, angebauten Kapellen, und Seitengebäuden oder Flügeln, gibt bisweilen ein Flankenfeuer. Wo dies nicht der Fall ist, sucht man es durch Tambours zu erhalten, die man vor die Engpässe legt, und allenfalls oben mit Bohlen überdacht. Alle anderen Eingänge, welche nicht auf diese Weise zugerichtet sind, müssen sorgfältig vermacht und mit Schießlöchern versehen werden. Wo eine Brustwehr rings umher geführt ist, schneidet man die beizuhaltenden Eingäge schräg durch die äußere Erdverstärkung, bekleidet die Seiten mit Bohlen, und legt den Tambour vor den Graben. Die inneren Scheidewände bleiben zur Stützung der Decke stehen, und nach Befinden bringt man unter den Balken derselben noch hin un wieder neue Säulen an. Alle Rauchfänge in einem Gebäude werden abgebrochen bis sie mit der gemachten Decke des Hauses gleich sind, und mit Balken überdeckt. Steine, Klötze, Balken und dergleichen müssen hinlänglich auf der Decke vorhanden sein, um diese auf den Feind herab zu stürzen, wenn er sich dem Fuße des Grabens genähert hat. Bei gewölbten Decken und starken Wänden, lässt sich hier bisweilen noch eine niedrige Brustwehr, oder ein Donjon anbringen. Auf den Türmen lassen sich Schützen gut platzieren, zumal wenn die Luken in Schießscharten umgewandelt werden. Hat der Feind wenig Geschütz, oder noch kein Wurfgeschütz, so kann man auch von Ziegel- und Schieferdächern herab sich durch eingebrochene Löcher ganz gut vertedidigen.

Soll sich die Besatzung des unteren Stockwerkes in das obere zurückziehen können, so müssen zuvor die Treppen abgebrochen, und dagegen Leitern angesetzt worden sein, welche die Mannschaft hinter sich herzieht, wenn sie hinaufgestiegen ist. In den Fußboden der oberen Stockwerke, besonders in der Gegend vor Haus- und Stubentüren, macht man Luken, um den in das Innere hereindringenden Feind von oben herunter beschießen, oder mit Steinen und Balken bewerfen zu können. Man kann auch die Scheidewände mit Schießlöchern durchbrechen, um sich aus einem Zimmer in das andere ziehen zu können. Hierbei, so wie bei allen Rückzügen durch Türen, kommt es vornehmlich auf deren Beschaffenheit an. Gehen sie nämlich nach innen auf, so lassen sie sich vermittelst irgend einer passenden Vorrichtung schnell und fest, sobald man hindurch ist, verrammeln. Dies geschieht dadurch, dass man Balken gegen die Türflügel stemmt, schwerbeladene Schubkarren oder dergleichen davor schiebt, und dann Erde, Schutt, oder was man Lastendes zur Hand hat, darüber wirft. Öffnen sich die Türen aber nach außen, so muss man an ihnen inwendig, ungefähr in der Mitte ihrer Höhe, starke eiserne Klammern einschlagen, wodurch man starke Bäume quer durchsteckt, die mit ihren Enden an den Türpfosten oder Seitenmauern ruhen, und auf diese Weise die Türe festhalten, welche überdies noch verschlossen, und wenn sie, was gewöhnlich, schwach ist, mit starken Brettern benagelt sein muss. Hat man den Eingang nur erst so weit versperrt, so kann man ihn bald durch vorher besorgte Anstalten noch mehr bewahren und verschütten. Im Innern der Kirchen lassen sich selbst noch Abschnitte machen, hinter welche man sich zurückzieht, wenn man dem Feind das Eindringen nicht mehr verwehren kann. Diese Abschnitte dienen meistenteils dazu, um für die ehrenvolle Verteidigung eine eben so ehrenvolle Kapitulation zu erhalten, oder wenn dies nicht der Fall sein sollte, sein Leben noch teuer zu verkaufen. Ein Schloss mit Stockwerken lässt sich übrigens in der Regel noch besser verteidigen als eine Kirche.

Überall, wo in den Gebäuden viel Holzwerk ist, hat man vorzüglich Sorge zu tragen, dass sie nicht in Brand geraten, weshalb an mehreren Orten Vorräte von Wasser gesammelt und die zum Ausschöpfen nötigen Gefäße bereit stehen müssen. Außerdem müssen aber alle feuerfangenden Stoffe so gut wie möglich entfernt werden. Wenn in der Nähe des zu verteidigenden Gebäudes andere Häuser befindlich sind, durch deren Besetzung der Feind eine Einsicht in das Innere des befestigten Raumes gewinnen könnte, so müssen solche, falls man sie nicht ebenfalls besetzen und befestigen kann, entweder ganz niedergerissen, oder wenigsten diejenigen Wände eingeschlagen werden, die den Feind decken könnten; oder man trifft alle Vorbereitungen, um sie schnell in Brand zu stecken, wenn sich der Feind ihnen nähert. In diesem Fall dürfen sie aber nicht zu nahe liegen, um unserer Besatzung nicht durch die Glut beschwerlich zu werden. – Übrigens s. auch Kirchhof.

Die wirkliche Verteidigung eines so befestigten Gebäudes richtet sich nun nach der Art des Angriffs, welche der Feind wählt. Vorzüglich muss man sich vor einem Überfall hüten, und alle Maßregeln hiergegen vorbereiten. Eine offenbaren, gewaltsamen Angriff des Feindes wird man leichter abwehren können, vorzüglich wenn derselbe kein Geschütz hat. Den Sturm schlägt eine tapfere Besatzung mit blanken Waffen ab, und durch die übrigen Verteidigungsmittel, wie Balken, Steine, usw. welche sie sich bereitet hat.

Beim Angriff der befestigten Gebäude verfährt man wie bei den übrigen festen Posten; es kommt hauptsächlich darauf an, ob man Geschütz bei sich hat oder nicht. Dieses wird in den meisten Fällen bald die kleine Festung des Feindes außer Verteidigung setzen. Soll der Angriff gegen ein auf diese Art befestigtes Gebäude ohne schweres Geschütz geschehen, oder kann man sein Geschütz nicht anbringen, so muss man ihn unerwartet in der Nacht vornehmen, damit die Feinde von ihrem Feuer keinen Gebrauch machen können. Man muss es von allen Seiten in 6 bis 8 Abteilungen umgeben; jede Abteilung hat einige Leute mit Äxten, andere mit Leitern usw. bei sich, welche gleich die Wände, ober bei massiven Häusern, die verschlossenen Fenster öffnen, und in dieselben einige Granaten werfen, damit in dem Gebäude eine allgemeine Unordnung entsteht; alsdann müssen sie, wenn ungefähr die Granaten krepiert sind, selbst in dasselbe eindringen. Vielleicht könnte man hier von einem Gestell, welches oben ein Dach hätte, auf irgend eine Art, gegen die Steine, welche von oben kommen, und auch von vorn, gegen die Gewehrkugeln, Gebrauch machen.

Man sucht das Gebäude anzuzünden, die Besatzung durch Rauch und Gestank zu ängstigen, von oben her hineinzudringen, oder sich einen unterirdischen Zugang zu eröffnen. Gegen das Mauerwerk, die Tore usw. kann man bisweilen auch eine Art von Widder anwenden, indem man einen schweren, an seinem Vorderrand mit Eisen beschlagenen Balken, in seinem Schwerpunkt aufhängt, und ihn durch Stricke und Menschenhände zu gewaltsamen Stößen bewegt. Um ihn aufzuhängen, macht man ein pyramidenförmiges Balkengerüst, dessen Basis ein gleichseitiges Dreieck bildet, und an dessen Spitze das Seil befestigt wird, in dem der Stoßbalken hängt. Kann man auf diese Art gegen das Mauerwerk nichts ausrichten, so muss man es mit der Sappe versuchen, und Minen anlegen, um das Gebäude in die Luft zu sprengen. Ist auch dieses durch den Feind verhindert, und sind die Türen, Fenster usw. von innen verschüttet, so wird man schwerlich ohne Geschütz etwas ausrichten. Sollte man aber wirklich eingedrungen sein, so treibt man den Feind durchs Handgemenge, und mit dem lebendigsten Ungestüm, aus einem Schlupfwinkel in den nächsten, so dass er nicht Zeit gewinnt, die Öffnungen hinter sich zu verschließen.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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