Schützen

Schützen

Schützen, meist soviel wie Jäger; früher Truppen mehrerer deutscher Kleinstaaten. Anfang des 20. Jahrhunderts führten nur noch ein Bataillon des preußischen Gardekorps und das sächsische Regiment Nr. 108 den Namen Schützen. Ersteres, das Gardeschützenbataillon, wurde 1815 aus freiwilligen Neuchâteller Schützen gebildet. Österreich hatte in Tirol zwei Landesschützenregimenter zu drei Bataillonen, eine Division berittene Tiroler und eine Eskadron berittene Dalmatiner Landesschützen (alles Landwehrtruppen). Russland hatte Schützenbrigaden. Der infanteristische Einzelkämpfer hieß im damaligen Sprachgebrauch Schütze (in Österreich Plänkler, in Frankreich Tirailleur).

Da im modernen Krieg auf selbständige, wohlüberlegte Anwendung der Waffe durch den einzelnen Schützen und auf seine moralischen Eigenschaften sehr viel ankommt, so ist die Erziehung zum Schützen das Endziel der infanteristischen Ausbildung. Das Gefecht in zerstreuter Ordnung nennt man Schützengefecht, die zerstreute Ordnung selbst Schützenlinie, Schützenschwarm, in Österreich Schwarmlinie; sie ist die Hauptkampfform der Infanterie, das von ihr abgegebene Feuer heißt Schützenfeuer, dessen Schnelligkeit, abgesehen von dem erreichten Ausbildungsgrad, nur von der Sichtbarkeit und Wichtigkeit des Zieles abhängen soll (Schwarmsalve gibt es nicht mehr). Eine zusammenhängende, im Gelände für Schützen ausgehobene Deckung heißt Schützengraben, in tiefen Gräben ist an der Innenseite ein Schützenauftritt angebracht, von dem aus die Schützen feuern. Da die Schützenlinie mit ihrem Feuer sich an den Feind heranarbeitet und damit ganz wesentlich zur Entscheidung beiträgt, nennt man die moderne Infanterietaktik auch geradezu Schützentaktik.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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Die Schützengruppe der Wehrmacht im Gefecht