Übergang über einen Fluss

Übergang über einen Fluss

Übergang über einen Fluss, soll entweder verteidigt werden, um den Feind am Übergang zu hindern, oder man will ihn seinerseits bewerkstelligen. Im ersten Fall, um den Übergang über einen Fluss auf eine gewisse Strecke zu verteidigen, müsste man an mehreren Orten Schanzen anlegen, welche einige 1000 Schritt von einander entfernt sind, und zwischen denen sich Feldwachen befinden. Beim Anlegen von Schanzen am Fluss verfährt man wie bei der Verschanzung größerer Linien (s. Schanze und Verschanzung); die Besatzung derselben kann dann an diejenigen Orte, wo der Feind in dieser Gegend übersetzen wollte, zur Hilfe hineilen. Um den Übergang eines Flusses, wo keine Brücken, und am jenseitigen Ufer kein Feind ist, zu bewerkstelligen, bedient man sich ohne Schwierigkeiten gewöhnlich der Pontons. Hat der Feind aber das jenseitige Ufer besetzt, so muss man ihn zu überfallen suchen, und dadurch, dass man einige seiner Verschanzungen wegnimmt, unserer Armee den Übergang erzwingen. Dies wird am ersten gelingen, wenn man nicht nahe am Fluss gestanden hat, wodurch der Feind sich sicher glaubt, und wenn der Fluss sehr breit ist, wo er ebenfalls nicht die gehörige Vorsicht anwendet. Man nähert sich in einem heimlichen Marsch dem Fluss, und lässt das zum Angriff bestimmte Detachement auf Fahrzeugen übersetzen. Sind dergleichen nicht auf dem Fluss zu haben, weil sie der Feind wahrscheinlich weggenommen haben wird, so muss man dergleichen auf Wagen herbeischaffen. Die Überfahrt geschieht kurz vor Tagesanbruch, und das Detachement sucht sich in aller Eile einer der vorzüglichen Schanzen zu bemächtigen. Während dieser Zeit muss auch schon angefangen werden eine Pontonbrücke zu schlagen, welches in einigen Stunden bewerkstelligt werden muss. Sind die nächsten Schanzen von uns erobert und behauptet, besonders wenn es geschlossene Schanzen sind, so kann unsere Armee unter dem Schutz dieser, und im Angesicht des Feindes, den Fluss passieren.

Da es beim Übergang eines Truppen-Korps über einen Fluss vorzüglich darauf ankommt, wie tief und wie schnell derselbe ist, und ob die Beschaffenheit seines Grundes einen Übergang ohne Brücken erlaubt, um zu bestimmen, ob das Schlagen einer Brücke entbehrlich ist, oder nicht, so muss auch auf diese drei Punkte vorzüglich Rücksicht genommen werden. – Je tiefer der Fluss ist, desto langsamer muss er fließen, wenn die Truppen ihn, ohne Gefahr, durch den Strom mit fortgerissen zu werden, passieren sollen. Alle Flüsse, die nicht tiefer als 4 Fuß sind, können indessen von einzelnen Detachements immer passiert werden, ohne sich einer Brücke zu bedienen; nie aber von ganzen Korps. Ist aber der Grund entweder weich und nachgebend, oder mit Felsstücken und großen Steinen besetzt, so wird man besser tun, während der Zeit, die das Wegräumen dieser Hindernisse erfordert, Brücken zu schlagen.

Nicht alle Flüsse, deren Grund man noch sehen kann, sind zu durchwaten; wo das Wasser über Kiesel und feinen Sand fließt, wird man den Grund, besonders bei Sonnenschein, noch auf 5 und mehr Fuß Tiefe sehen; dahingegen solche Gewässer, die viel gelöste erdige Teile mit sich führen, schon bei 2 Fuß Tiefe keine Durchsicht gestatten. Flüsse, die in Wäldern oder sonst in weichem Boden langsam dahin schleichen, und deren Wasser manchmal so dunkel erscheint, dass sich kaum die nahe stehenden Bäume darin spiegeln, sind sehr tief, oft beinahe unergründlich. Weniger tief sind gewöhnlich die aus den Gebirgen mit starkem Fall herabströmenden Bäche, die nur da, wo ein dem Strom sich entgegenstreckender Felsen ihn zu einer Krümmung zwingt, tiefe Stellen haben.

Flüsse, die ein hohes Ufer haben, sind gewöhnlich plötzlichem Anschwellen unterworfen: ein sicheres Zeichen davon ist, wenn, indem er weder Wasser noch Strom genug hat, um große und eckige Steine mit sich fortzuführen, sich dennoch häufig dergleichen Steine in der ganzen Länge seine Bettes verstreut finden, die nur durch starke Fluten dahin gebracht werden konnten. Von der Höhe, bis zu der solche Flüsse anschwellen, geben die Ufer, und die an denselben stehenden Bäume sichere Zeichen.

Das Vorhandensein von Furten in einem Fluss kann man vermuten, wenn ein in einem schmalen Bett fließender Strom sich plötzlich ausbreitet, und zugleich schneller fließt; wenn Sandbänke sich in einen von Natur breiten Fluss weit hinein erstrecken, und endlich wenn bei entstehendem starken Wind das Wasser nur kurze Wellen wirft, während es an anderen Orten heftig wogt. Ehe man sich jedoch einer solchen Furt bedient, muss man sich genau, durch Hineinreiten; oder mit einem Kahn usw. von der Tiefe derselben und ihrer sonstigen Beschaffenheit überzeugen. Um ein ganzes Korps einen Fluss durchwaten zu lassen, darf die Tiefe nicht mehr als 2½ Fuß betragen.

Geschieht der Übergang eines Korps auf Brücken, welche erst geschlagen werden sollen, so ist vorzüglich darauf Rücksicht zu nehmen, wie weit der Feind entfernt ist. Ist er in der Nähe, und kann er schon das Schlagen der Brücke stören, so sind Beherrschung des jenseitigen Ufers, und die möglichste Geschwindigkeit des Brückenschlages die wesentlichen Gegenstände. Das diesseitige Ufer muss also höher sein, weil man sonst nicht im Stande sein wird, die feindliche Artillerie durch eine überwiegendes Feuer zum Schweigen zu bringen. Man wählt daher solche Stellen, wo das jenseitige Ufer weit zu übersehen ist, wo der Fluss nicht allzu breit ist, und einen einwärts gekrümmten Bogen macht; Inseln mit Gebüsch bewachsen sind ebenfalls vorteilhaft, besonders bei breiten Strömen. Im ersten Fall wird man das Geschütz vom diesseitigen Ufer aus mit gutem Erfolg gebrauchen können; im letzten kann man auf der Insel eine Haubitzbatterie anlegen, und durch Granaten den Feind in gehöriger Entfernung halten, damit er die Spitze der Brücke nicht beunruhige. Die übergegangenen Truppen müssen sich auf dem jenseitigen Ufer sogleich gehörig ausbreiten können, um dem Feind Streitmassen entgegen zu setzen; sind Furten in der Nähe der Brücke, so wird dies für den Übergang der Kavallerie sehr vorteilhaft sein, und dadurch das Brückenschlagen selbst begünstigt werden.

Die Avantgarde des Korps muss noch vor dem Anfang der Arbeit mit einigen Feldgeschützen übergesetzt worden sein, und sucht sich wo möglich gleich zu verschanzen; sieht man voraus, dass man ungeachtet aller Anstrengungen, doch im feindlichen Kanonenfeuer würde arbeiten müssen, (was indessen unmöglich ist); so geschieht dies Übersetzen der Avantgarde mit dem Einbruch der Nacht, um während derselben die Brücke bauen zu können. Ein dicker Nebel begünstigt ebenfalls unsere Arbeiten, den man auch durch den Rauch von nassem Stroh und Laubholz, das auf beiden Ufern und in Kähnen angezündet wird, nachahmen kann. Ist die Brücke fertig, so muss man sie sogleich jenseits durch Traversen gegen feindlichen Schüsse zu decken suchen, welche besonders den Pontonbrücken höchst gefährlich sind. Diese sind indessen weit geschwinder geschlagen, als alle übrigen, während aber die Floßbrücken gegen das feindliche Feuer die vorteilhaftesten sind. Sollten sich Flöße auf dem Fluss befinden, so können sie eben so rasch, wie die Pontons, eine Brücke herstellen.

Eine andere Art, im Angesicht des Feindes, an einem bestimmten Ort, eine Brücke zu schlagen, ist die, wo man die ganze Schiff- oder Pontonbrücke bereits oberhalb, an einer vom Feind nicht beunruhigten Stelle des Flusses gliederweise fertig bauen lässt. Diese einzelnen Glieder, aus vier bis fünf Pontons, oder aus drei bis vier Schiffen bestehend, nehmen die Avantgarde ein, und werden nun mit leichter Mühe den Strom herabgefahren; nachdem die Avantgarde auf dem jenseitigen Ufer abgesetzt ist, um die Tete der Brücke zu decken, werden die Glieder unter sich verbunden. Jedes Glied von fünf Pontons wird durch acht bis zehn Pontoniers geführt; das erste und letzte Glied führt die nötigen Materialien zu den Landbrücken mit sich. Auch dieses Manöver ist am besten des Nachts auszuführen.

Zieht ein Korps sich über einen Fluss zurück, so stehen entweder die Brücken schon, oder sie werden erst geschlagen; in beiden Fällen werden die Pontonbrücken so eingerichtet, dass sie entweder gliederweise abgebrochen, oder ganz herumgeschwenkt werden können. Die Brücken selbst werden durch Schanzen gedeckt, und diese durch die Arrieregarde verteidigt, bis die Brücken in Sicherheit sind; weil jedoch die zum Rückzug eines Korps dienenden Brückenschanzen mit geräumigen Eingängen versehen sein müssen, so würde es dem Feind leicht sein, hier durchzubrechen, wenn sie nicht gut verbarrikadiert werden. Dieses wird sich in der Geschwindigkeit am besten durch Stroh und dürres Reisholz tun lassen, welches man anzündet; ein gleiches kann man auch in den Gräben der Schanzen tun. Die Arrieregarde wird hierdurch den Feind so lange aufhalten können, dass sie Zeit gewinnt, sich endlich noch in die für sie bestimmten Fahrzeuge werfen zu können. Sind Furten im Fluss, so werden sie zur Beschleunigung des Rückzuges von der Kavallerie passiert; es müssen ihnen gegenüber aber Kanonen aufgefahren werden; um den etwa nachdringenden Feind mit Kartätschen zu empfangen. Bei allen Rückzügen über einen Fluss, muss man indessen immer darauf bedacht sein, mehr als eine Brücke zu haben, um jede Unordnung zu vermeiden; kann man sie beide von Pontons herstellen, so muss man darauf Rücksicht nehmen, dass sie weit genug von einander stehen, um herumgeschwenkt zu werden.

Wenn einzelne Detachements einen Fluss passieren sollen, so erhalten sie keine Brücken, sobald sie nicht stark genug sind, und bewerkstelligen ihren Übergang, wenn nicht Furten vorhanden sind, durch Übersetzen, oder durch leichte Brücken, die sie sich selbst verfertigen müssen. Hierher gehören Floßbrücken, Tonnenbrücken usw. Das Übersetzen geschieht aber durch fliegende Brücken, wenn der Strom sehr schnell, und dabei breit ist; durch Prahme und andere große Fahrzeuge, wenn das Wasser nur langsam fließt. Soll Kavallerie durch einen Strom schwimmen, so muss sie besonders darin geübt sein, wenn sie nicht mehrere Menschen und Pferde verlieren will.

Über die Beschaffenheit einer Furt, die man passieren soll, ist schon oben ein mehreres gesagt worden; ist dieselbe aber impraktikabel gemacht, so muss man vorher die Hindernisse wegräumen. Wenn durch einen Damm das Wasser aufgestaut ist, so sucht man denselben einzureißen, oder einzuschießen; eingeschlagene Pfähle, hineingeworfene Räder, Eggen, Bäume usw. lassen sich leicht wegräumen, indem man die letzteren an starken Seilen oder mit Bootshaken herauszieht; die Pfähle werden erst durch wiederholte Schläge an ihren Seiten locker gemacht, und dann mit den Händen, oder vermittelst einer Wucht herausgezogen; sollte dies hierdurch nicht bewerkstelligt werden können, so bedient man sich einer Schraubenmaschine, welche auf zwei Fahrzeugen ruht, und die stärksten Pfähle herauszuziehen im Stande ist. Das dies jedoch immer nur langsam von Statten geht, so kann man während dieser Zeit lieber eine Brücke schlagen. Fußangeln kann man nur mit Mühe durch eiserne Rechen herausbringen; am besten macht man sie durch Hurden oder mit Steinen beschwerte Faschinen unschädlich, welche man darauf wirft. Sind Gräben in der Furt gezogen, so füllt man sie mit Faschinen aus, oder legt Bretter darüber, die mit Steinen beschwert sind. Die Infanterie, welche hierauf eine Furt passiert, muss angewiesen werden, immer dem Strom entgegen zu waten, um dadurch besser im Stande zu sein, sich gegen den Stoß des Wassers zu halten.

Um über ein zugefrorenes Wasser zu setzen, sind mehrere Vorsichtsmaßregeln notwendig. Bei Flüssen erkundigt man sich nach der Geschwindigkeit des Flusses an verschiedenen Orten, und wählt die Stelle, wo er am langsamsten fließt, weil er hier gewöhnlich am festesten zufriert. Die Stärke des Eises lässt sich leicht durch eingehauene Löcher erkennen; bei 3 Zoll Stärke kann man sehr gut Pferde und leicht Wagen übergehen lassen, die Leute müssen jedoch einzeln und ohne Tritt marschieren, und das leichte Feldgeschütz muss durch untergelegte Bretter gesichert werden. Ist das Eis sechs Zoll stark, und liegt auf dem Wasser auf, so kann man ihm unbedenklich das schwerste Fuhrwerk anvertrauen, vorausgesetzt, dass man die Spur der Räder durch untergelegte Bretter verstärkt. Wenn das Eis aber zu schwach ist, so würde es am besten sein, eine Bahn zu hauen, und alles auf Fahrzeugen überzusetzen, oder auch eine Pontonbrücke zu schlagen, welche aber sogleich wieder abgebrochen werden muss, um nicht in die Gefahr zu kommen, dass unerwarteter Regen und Tauwetter entsteht, worauf die Pontons durch das Treibeis unwiederbringlich verloren sein würden.

Man kann die Stärke des Eises auch dadurch vermehren, dass man es mit Stroh überstreut, und fleißig Wasser darauf gießt, bis dadurch eine zweite Eisdecke entstanden ist. Fehlt es hierzu an Zeit, so wirft man grünes Reisholz auf das Eis, und bedeckt es mit quer über den Fluss gelegten Brettern, auf denen die Kanonenräder gehen, und wodurch die Erschütterung vermindert wird; setzt man die Kanonen auf Schlitten, so wird die Erschütterung ganz beseitigt, doch wird vorausgesetzt, dass das Eis stark genug ist, diese Last zu tragen.

Beim Übergang über die Brücken, besonders von Schiffen oder Pontons, sind noch mehrere Regeln zu beachten (s. Pontonbrücke).

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe