Traverse

Traverse, ist ein Querwall, welcher in den Schanzen angebracht wird, um sich gegen das schwere Geschütz zu decken; auch die Brustwehr, welche in geschlossenen Werken hinter dem Eingang angebracht wird, ist eine Traverse. Sie bestehen in Erdhaufen, welche 6 Fuß noch, unten 8, oben 6 Fuß breit, und 10 bis 12 Fuß lang sind; die Erde wird mit Flechtwerk eingeschlossen, welches man von den entgegengesetzten Seiten durch starke Wieden mit einander verbindet, damit es von der Erde nicht ausgedrängt wird. In einer Redoute werden sie wie Fig. 2 oder 54 angebracht.

Fig. 73: Traverse h’i’k’l’ im gedeckten Weg.
Fig. 73: Traverse h’i’k’l’ im gedeckten Weg.

In den Festungen legt man solche Querwälle über alle Wallgänge der verschiedenen Werke an, und sie dienen hier dazu, die feindlichen Rikoschettschüsse, welche die Wallgänge der Länge nach bestreichen, aufzuhalten. Im bedeckten Weg dienen sie auch zur Verteidigung, in welchem Fall sie ein Bankett erhalten; Fig. 73 und 82 h’i’k’l’. Die zwischen dem Glacis und den Traversen des bedeckten Weges gelassenen und um die Traversen herumführenden Umgänge, i’o’l’p’ heißen auch Crochets oder Echancrures. Auf den übrigen Wallgängen werden die Traversen in der Entfernung von 70 bis 90 Fuß von einander angelegt, und stoßen dann mit der Brustwehr zusammen; hinter denselben muss noch ein 6 bis 9 Fuß breiter Gang übrig bleiben; damit aber auch dieser Gang vom Feind nicht der Länge nach berikoschettiert werden kann, so legt man zwischen zwei Traversen noch eine dritte an, welche von der inneren Böschung des Walles gegen die Brustwehr gezogen ist, und hier wieder einen gleichen Gang übrig lässt. Diese Traversen haben eine Dicke von 12 bis 15 Fuß und eine Höhe von 9 bis 10 Fuß, bei 24 bis 27 Fuß Länge, nach der Breite des Wallganges.

Obgleich die Traversen im bedeckten Weg manche Vorteile gewähren, so haben sie hier doch den Nachteil, dass sich der Belagerer ihrer zu seiner Deckung bedienen kann, sobald er nach der Eroberung des bedeckten Weges hier Logements errichtet. Auf dem Hauptwall aber sind die Traversen unentbehrlich, mehrerer Unbequemlichkeiten ungeachtet, vorzüglich weil sie viel Raum einnehmen, und die dazu erforderliche Erde von Weitem hergeschafft werden muss, um den Wall selbst nicht zu erniedrigen. Zu Ersparung des Raumes führt man sie daher oft aus Schanzkörben, Faschinen, oder Sandsäcken auf, und schüttet sie in der Mitte mit Erde aus. Die Schanzkörbe dazu sind gewöhnlich 4 Fuß dick und 3 Fuß hoch, und kommen 4 Reihen neben einander, auf diese aber 3 Reihen, die nachher mit 2 Lagen Faschinen bedeckt werden. Mann kann auch Kasten von Balken oder starken Bohlen aufführen, die durch eingegrabene, mit einem Rahmen oben verbundene Hölzer gehalten werden, und sie inwending mit Erde ausfüllen.

Auch der Belagerer kann der Traversen gegen die Enfilade nicht entbehren, wo sie teils durch die Wendungen der Sappen, teils auch wirklich, wie bei den Würfelsappen, aufgeführt werden. Eben so werden sie bei der Krönung des bedeckten Weges abwechselnd auf beiden Seiten des Laufgrabens angebracht.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Traverse (a) im Fort Oberer Kuhberg in Ulm
Traverse (a) im Fort Oberer Kuhberg in Ulm

Traverse (franz., »Querstück, Querweg«, Schulterwehr), ein Querwall (a), der hinter der Brustwehr (b) von Befestigungen senkrecht zu dieser aufgeworfen wird, um die Verteidiger gegen Feuer von seitwärts zu decken (s. Defilement). Sie ist entweder voll in Erde geschüttet (Volltraverse) oder mit Schanzkörben, resp. in Mauerwerk als Hohltraverse (s. Festung) ausgeführt zum Schutz für Mannschaften und leichte Geschütze (Schutzhohlraum). Befindet sich darin eine Geschosshebevorrichtung, so heißt die Traverse Munitionsfördertraverse. Sie liegt senkrecht über dem Verbrauchsgeschossmagazin des Ladesystems (s. d.). In den Flügelmauern der Hohltraversen befinden sich durch Stahlblechläden geschlossene Munitionsnischen. Über Kapital- und Mitteltraverse s. Festung; Traversengraben (Traversensappe), s. Sappe.

Hohltraverse im Fort Oberer Kuhberg in Ulm
Hohltraverse im Fort Oberer Kuhberg in Ulm.

Traverse heißt auch eine Querschranke, ein Querverschlag in einem Saal; im Bauwesen ein Querbalken, eine Querschwelle, auch ein Querbau, ein Quergang, eine Querbühne, ein Straßenübergang; bei Maschinen ein Glied, das zwei gewöhnlich parallele Konstruktionsteile quer verbindet.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe