Laufgraben

Laufgraben

Laufgraben, heißt im Allgemeinen, bei der Belagerung einer Festung, jedes Stück Tranchee, welches gegraben wird, sowohl um die Truppen gedeckt in die Parallelen zu führen, als auch um sich der Festung immer mehr zu nähern; Fig. 126 m, Fig. 127 m und n. Sie werden vermittelst der Sappe vorgetrieben, und es hängt von den Umständen, von der Nähe und Wirksamkeit des feindlichen Feuers ab, welcher Art der Sappe man sich bedienen muss. – Diejenigen Laufgräben, welche bloß dazu dienen, die Truppen in die Parallelen zu führen, und die Verbindung der Parallelen unter einander zu halten, heißen insbesondere Kommunikationsgräben, m, Fig. 126; werden sie dergestalt auf den verlängerten Kapitallinien einer Angriffsfront angelegt, dass sie diese Kapitallinien mit kurzen Wendungen, bald rechts, bald links, durchschneiden, und sogleich in einer mehrmals gebrochenen Linie n r o s p m, Fig. 127, nach dem bedeckten Wege der Festung hinlaufen, so heißt jedes kurze Stück derselben ein Zickzack; die Spitze der ganzen auf einer Kapitale fortgeführten Zickzacks heißt das Cheminement.

Beim Tracieren eines jeden Zickzacks muss darauf gesehen werden, dass die Verlängerung derselben, z. B. s p Fig. 127, bei den äußersten Punkten des Glacis, und in der Folge des bedeckten Weges, vorbeiläuft, um allen Enfilierschüssen auszuweichen. Je näher sie der Festung kommen, je kürzer werden sie, und je näher werden sie an die Kapitale gerückt; daher endigen sie sich oft in einer ganz geraden Linie, wo sie dann nach einer den Umständen angepassten Sappe geführt werden, und auch den Namen derselben beibehalten. Im Allgemeinen können die Zickzacke der ersten zur zweiten Parallele 120 bis 180 Fuß, die von der zweiten zur dritten laufenden aber 60 bis 80 Fuß lang gemacht werden. Der Graben wird 8 bis 10 Fuß breit und 3 Fuß tief gemacht; die Erde wird gegen die Festung zu aufgeworfen, und so lange sie bloß zur Kommunikation dienen, erhalten sie keine Banketts. Das Ende eines jeden Zickzacks wird gewöhnlich noch etwas über den Vereinigungspunkt hinaus rückwärts verlängert, und in einem Bogen oder Haken, b Fig. 124, geführt, welcher den vorhergehenden Zickzack vor Enfilierschüssen deckt, und für die Mannschaft zum Ausweichen, und zu Abtritten dient.

Haken

Die Besatzung einer Festung bedient sich ebenfalls einer Art Laufgräben, welche jedoch nicht eher, als während der Belagerung ausgehoben werden. Sie werden gewöhnlich durch die flüchtige Sappe hergestellt, und auf den Kapitallinien der an die Angriffsfront grenzenden halben Monde, bis zum Fuße des Glacis, selbst noch etwas weiter in das Feld hinaus, geführt, und heißen Gegenlaufgräben, u Fig. 127. An den Enden dieser Laufgräben werden entweder leichte Geschütze, durch eine Brustwehr von Schanzkörben und Sandsäcke gedeckt, aufgestellt, oder es wird eine Flesche von eben diesen Materialien angelegt, deren Facen ungefähr 80 bis 120 Fuß Länge erhalten; diese schnell aufgerichteten Werke heißen Kontreapproschen oder Kontretrancheen. Die Anlage dieser Kontreapproschen muss jedoch stets sehr vorsichtig geschehen, damit sie bei dem ferneren Vorrücken des Feindes der Besatzung nicht nachteilig werden. Man sucht sie daher dergestalt anzulegen, dass ihre Verlängerungen in einen Fluss, eine Überschwemmung, einen tiefen Grund etc. fallen, wo der Feind nicht mehr im Stande ist, Geschütz in der wirksamen Schussweite dagegen aufzustellen. Macht das Terrain diese Anlage unmöglich, so sucht man sie wenigstens an einen steilen Abhang zu stützen, damit sie der Feind mit seinen Belagerungsarbeiten doch nicht umfassen, oder in den Rücken nehmen kann. Erlaubt es die Beschaffenheit des Bodens, die Gegenlaufgräben unter der Erde wegzuführen, dass der Feind in der Folge keinen Vorteil daraus ziehen kann, so sind sie noch von größerem Nutzen für die Besatzung, weil sie nach davon gemachtem Gebrauch nicht hinderlich fallen. In diesem Fall müssen die Arbeiten auf den Kapitalen schon früher vorbereitet sein, weil dergleichen Unternehmungen sehr schnell ausgeführt werden müssen.

Die Vorteile, welche der Besatzung durch die Gegenlaufgräben zu Teil werden, sind: 1) dass das Feuer des Feindes von den hinten liegenden Werken zum Teil abgezogen, und folglich verteilt wird; 2) dass man hierdurch Gelegenheit erhält, die feindlichen Laufgräben der Länge nach, ja wohl gar im Rücken zu beschießen, und folglich den Feind zwingen kann, neue Laufgräben anzulegen, oder doch wenigstens die schon angelegten abzuändern. 3) Dass der Belagerer sich genötigt sieht, diese Kontreapproschen mit seinen Linien zu umfassen, folglich seine Linien weiter ausdehnen muss, als er sich anfänglich vorgenommen hatte. – Wenn hingegen diese Gegenlaufgräben nicht schnell wieder weggerissen werden können, sobald der Feind vorrückt, so entstehen die Nachteile daraus, dass derselbe sich der am Ende aufgeworfenen kleine Werke als Brustwehr bedienen kann, und die Linien der Gegenlaufgräben für sich als Trancheen benutzt.

Laufgraben, in Schiffen, ein ungefähr 3 Fuß breiter Gang auf der Kuhbrücke im Raum, rund um die inneren Seiten des Schiffes, wo sich während des Treffens der Zimmermann und seine Gehilfen befinden, um die Lecke, welche das Schiff durch Grundschüsse bekommt, zu verstopfen. – Die Laufgräben eines Branders sind Leitrinnen.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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