Verteidigung der Festungen

Verteidigung der Festungen

Verteidigung der Festungen. (Von ihrer Bewaffnung , s. Bedürfnisse). Sobald eine Festung in der Nähe eines Kriegsschauplatzes liegt, trifft der Kommandant, noch ehe er etwas vom Feind zu befürchten hat, folgende Anstalten:

Wenn in Friedenszeiten die Palisaden in den Magazinen aufbewahrt worden sind, so lässt der Kommandant dieselben jetzt aufrichten, und besonders den bedeckten Weg, und die Waffenplätze in demselben damit versehen. Längs allen Linien der Befestigungswerke, welche den Rikoschettschüssen unterworfen sind, werden häufige Traversen geführt, besonders aber im bedeckten Weg; diese Traversen werden aber unterminiert, um sie in die Luft zu sprengen, wenn man das Werk verlassen muss, damit der Feind dadurch keine Deckung gegen das Feuer der rückwärts liegenden Werke erhalte. Man erhöht das Bankett, wenn es zu niedrig ist, macht die Bänke für die Kanonen auf den Außenwerken und Facen, besonders an den Örtern, wo man von dieser Bank der Länge nach in den bedeckten Weg herunterschießen kann, und schneidet in jede Flanke wenigstens zwei Schießscharten, um den Graben zu bestreichen. Hat die Festung trockene Gräben, so legt man in den Waffenplätzen Tamboure an, aus denen man den bedeckten Weg beschießen, und durch die man sich zurückziehen kann, wenn die Kanonen auf dem Wall anfangen, mit Kartätschen zu agieren; vor diesen Tambours steht eine Reihe Palisaden mit der Spitze gegen den Feind gekehrt. In den eigentlichen Winkeln der Ravelins und Kontregarden schneidet man ebenfalls Schießscharten in die Brustwehr, um den Graben von diesen Werken bestreichen zu können.

Einige bedeckte Pulvermagazine sind in jedem Bastion und Außenwerk unentbehrlich; sind daher keine Kasematten vorhanden, so macht man unter dem Wall Galerien, welche wie Minengänge ausgebaut werden, und erweitert sie, um sich ihrer als Magazine zu bedienen. Hat man keine Kasematten unter den Flanken, so geht man ebenfalls mit einer Galerie unter dieselben, und durchbricht entweder die Futtermauer zu Schießscharten für Kanonen, indem man die Galerie für den Stand der Geschütze erweitert, oder man führt eine Rastelle hindurch, und legt eine niedrige oder Faussebraye-Flanke an. Eben dies geschieht in den Ravelinen und Kontregarden, um aus ihnen den Graben zu bestreichen. Hat man noch Zeit, oder viel Mannschaft, so führt man bei einer nicht minierten Festung an den ausgehenden Winkeln vor der Spitze der Ravelins und Bastions, eine Minengalerie an der Kontreskarpe rechts und links, wenn auch nur auf eine kurze Strecke, unter dem bedeckten Weg, und geht aus diesen hernach, wenn die Angriffsfront bekannt ist, dem Feind entgegen. Alle diese Anstalten macht man auf den schwächsten Seiten der Festung zuerst, und legt daselbst noch auf 2 bis 300 Schritt vor der Festung viereckige Redouten an, wenn die Garnison nicht zu schwach ist. Diese Redouten müssen sehr stark, hinten mit Palisaden geschlossen, und vor dem Wurffeuer durch Traversen so viel als möglich geschützt sein. Nahe vor den ausspringenden Winkeln des Glacis kann man kleine Werke, sogenannte Hufeisen anlegen, die bei der förmlichen Belagerung sehr nützlich werden können, da sie die einzigen sind, welche gerade Front gegen den feindlichen Angriff machen, und gegen die feindlichen Batterien gewissermaßen gedeckt sind. Sie werden nicht eher, als bis wirklich der förmliche Angriff angefangen ist, besetzt, weil sonst die Mannschaft, früher, bei einem Überfall aufgehoben werden, oder durch ihren Rückzug Unordnung in dem bedeckten Weg verursachen könnte. Überschwemmungen sind wichtig, wenn sie die Gegend zulässt. Sind Gebäude nahe vor den Festungswerken, so werden sie abgebrochen, oder man trifft solche Anstalten, dass man sie leicht in Brand stecken kann, wenn es die Not erfordert. Gebüsche, Hecken, Gartenhäuser u. dgl. werden weggeschafft.

Die Kanonen werden auf die Wälle gebracht, und die da selbst schon befindlichen mit tauglichen Lafetten versehen; besonders aber werden in allen ausspringenden Winkeln der Werke starke Batterien angelegt, um über Bank nach allen Richtungen feuern zu können. Für die Sicherheit der Pulvermagazine muss man besonders sorgen, und das Pulver in mehrere kleinere Depots verteilen, damit nicht alles Pulver verloren gehe, wenn sich an einer Stelle ein Unglücksfall ereignet; allerhand Ernstfeuer werden im Vorrat angefertigt. – Um die Wirkung der Bomben unschädlicher zu machen, wird das Pflaster aufgerissen, und in allen Straßen ein Vorrat von Wasser angeschafft.

Die Bürgerschaft wird in gewissen Abteilungen geteilt, wovon jede einen Distrikt der Stadt zum Löschen entstandener Feuersbrünste zugewiesen erhält; von sämtlichen den Bürgern zugehörigen Lebensmitteln wird ein genaues Verzeichnis durch die Stadtobrikeit aufgenommen, um sich danach in Absicht der Magazine zu richten. Alle in der umliegenden Gegend befindlichen Lebensmittel, so wie Holz zum Brennen, werden in die Stadt gebracht; die in der Gegend befindlichen Brücken werden abgebrochen, die auf einem schiffbaren Fluss befindlichen Fahrzeuge weggeschafft usw.

Ist die Bürgerschaft unzufrieden, so separiert man die Soldaten von denselben, quartiert sie in abgesonderte Häuser ein, und lässt ihnen alles liefern. Man verstattet keine Zusammenkünfte und Beratschlagungen, und bemächtigt sich alles Pulvers und aller Gewehre. Man verlangt von den Bürgern bei Zeiten, sich mit Lebensmitteln auf drei bis sechs Monate, nach Lage der Sachen, zu versehen; diejenigen dies nicht können, werden aus der Festung geschafft.

Um nun früh genug von der Ankunft des Feindes unterrichtet zu sein, schickt man Leute mehrere Meilen weit umher, welche sogleich zurückkommen, sobald sich der Feind sehen lässt. Man stellt kleine Wachen, sowohl von Kavallerie als Infanterie, auf 1000 bis 2000 Schritt vom Glacis, an verdeckten Örtern, und an den Wegen, welche zur Festung führen, auf; diese examinieren alles, was ankommt, und geben Feuer, sobald sich der Feind unerwartet sehen lässt, damit die Tore geschlossen werden. In der Nacht steht außerdem noch eine Kette von Schildwachen, 400 Schritt von den Palisaden des Glacis, und schließt die Festung ein; sie sind von den Piketts des bedeckten Weges ausgestellt. Beständig gehen kleine Kavallerie-Patrouillen bis auf die nächsten Dörfer; des Morgens aber wird die ganze Gegend bis auf 3000 Schritt untersucht; ehe die Tore geöffnet werden; bei Nebel bleiben sie geschlossen. Am Tage können noch auf den Türmen Leute mit Fernrohren die Gegend umher beobachten.

1) Verteidigungsanstalten gegen den Überfall. Sobald sich der Feind in der Gegend gezeigt hat, wird der Garnison ihr Alarmplatz angewiesen, und eine schriftliche Disposition zur Verteidigung gegeben; ⅔ der Besatzung versammeln sich auf den Werken. Sind 6000 Mann in einer Festung von acht Bastions und eben so vielen Ravelins, so werden 2000 auf die Ravelins und eben so viele auf die Bastions verteilt. Ein jedes dieser Werke erhält also 250 Mann; von diesen gibt das Ravelin ein Detachement von 50 Mann in die beiden neben ihm liegenden Waffenplätze. Die übrigen 2000 Mann der Garnison bleiben zur Reserve, und versammeln sich auf einem oder ein Paar großen Plätzen, von wo aus sie die leidenden Teile unterstützen können. Die Kanonen werden nach den oben gegebenen Regeln aufgestellt, und mit Kartätschenschüssen versehen; die Bedienung ist in der Nacht immer mit brennenden Lunten versehen. Die Mortiere stehen auf den Facen, haben Steinkörbe, und sind auf den bedeckten Weg gerichtet; Leuchtkugeln sind ebenfalls bereit. Alles Geschütz wird schon bei Tage gerichtet, und mit Latten, welche man neben der Lafette in die Erde nagelt, in ihrer Richtung erhalten. Die Artilleristen müssen genau die Distanz jedes Gegenstandes wissen; die Ladung dazu ist in wollenen Beuteln vorhanden.

Ist die Besatzung weit geringer, als oben angenommen, so besetzt man den bedeckten Weg nicht. Ist sie nur 2000 Mann stark, so dass die Facen der Bastions kaum mit einem Glied besetzt werden können, so werden nur die Hauptwerke, wenn keine Kontregarden da sind, sind diese aber da, nur sie und die Ravelins mit Mannschaft versehen. Bei einer ganz schwachen Besatzung würde man auch unter nachteiligen Umständen, diese nicht besetzen, sondern nur bloß das Hauptwerk, aber alles Geschütz auf die Außenwerke und in den Graben richten; die Haubitzen würden hinter den Schießscharten der Flanken, mit Kartätschen geladen, bereit stehen, um dem Feind den Übergang über den Graben unmöglich zu machen.

Die inneren Wachen bestehen in der Hauptwache,

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe