Heu

Heu

Heu (Dürrheu, Grünheu), jedes getrocknete Futter, vorzugsweise aber Wiesengras, im Gegensatz zum Kleeheu, Lupinenheu etc. Man spricht auch von süßem und saurem Heu, letzteres als das Produkt nasser Wiesen mit vorherrschend sauren Gräsern gedacht, das nur den Zugochsen gefüttert werden sollte. Das auf Wiesen und auf Feldfutterschlägen gewonnene Heu ist außerordentlich verschieden an Wert, je nach der Reifezeit des Grases, nach Boden und Bestand der Grasnarbe und nach der Witterung bei der Heubereitung (vgl. Futter und Fütterung). Alles Futter, das zu Heu gemacht werden soll, muss mit beginnender Blüte oder in der Vollblüte der Gräser etc. geschnitten werden, weshalb für Wiesen die möglichst gleiche Reifezeit der Gräser und Kräuter wichtig ist. Zu früh geschnitten, gibt es zu kleine Quantitäten, zu spät, eine um so geringere Qualität, je weiter die Samenbildung schon vorgeschritten ist. Findet die Heuernte bei vorherrschend und andauernd trockenem Wetter statt, so trocknet das Gras infolge der durch die Sonnenwärme und den Luftzug ungehinderten Wasserverdunstung nicht nur rascher, sondern es gehen auch um so weniger Nährstoffe verloren; es behält insbes. den würzhaften Geruch, und hält sich bei der Aufbewahrung in unveränderter Güte. Die Heubildung beruht außer auf einem Gärungsprozess, der das Trocknen beeinflusst, die Rohfaser auflockert und durch Bildung aromatischer Stoffe die Schmackhaftigkeit und Gedeihlichkeit des Heues erhöht, auf der Verminderung des Vegetationswassers der grünen Pflanzen von 75–85 Prozent durch Verdunstung bis auf 14–15 Proz., somit um 60–70 Prozent. Je stärker die normale Gärung verläuft, um so wertvoller ist das Heu gegenüber ohne Gärung schnell an der Sonne getrockneten Heues. Beregnetes Heu ist mehr oder weniger ausgelaugt, verliert Farbe und Geruch, verursacht große Kosten wegen der mehrmaligen Bearbeitung und erhitzt sich bei der Aufbewahrung bis zum vollen Verderben, wenn nicht besondere Vorsicht beim Einschichten angewendet wird (Durchschichten mit Stroh).

Wo die Witterung unsicher ist, bedient man sich zum Trocken besonderer Gerüste (Kleereuter, Kleehiefel, Heinzen, Reuter, Heugalgen, Trockenpyramiden), d. h. Stangen mit kreuzweise eingeschobenen Querhölzern oder Pyramiden von Stangen in der Höhe bis zu 1,25 m, auf deren jede man das Grünfutter für etwa 0,5, bez. 3,5–4 dz Heu hängt und allmählich an der Luft von selbst trocknen lässt. Sie empfehlen sich besonders für feuchte Gebirgsgegenden und solches Futter, das, wie Klee und Lupinen, viele Blätter hat und diese bei häufigem Bearbeiten leicht verliert. Bei großer Unsicherheit der Witterung dient als Notbehelf die Ensilage (s. Futterbereitung) oder die Braun- und Brennheubereitung. Man schichtet bei letzterer die geschnittenen Pflanzen, nachdem sie auf der Wiese einen oder mehrere Tage in Schwaden gelegen haben, auf große Haufen und überlässt sie sich selbst so lange, bis die Hitze im Innern der Haufen das Hineinstecken der Hand nicht mehr erlaubt. Sowie das geschehen, wirft man das Heu rasch auseinander und lässt es an der Luft abdampfen, worauf es sofort eingefahren werden kann. Grünes Heu, Dürrheu, muss man soviel wie möglich der Luft und der Sonne aussetzen und vor Regen und Taubeschlag bewahren. Zu dem Zweck recht man das Heu in Schwaden und wendet diese öfters, oder man lässt es zunächst breit liegen und wendet es dann durch Handarbeit oder mit Heuwendemaschinen. Dann setzt man es vor Abend auf kleine Windhaufen und wirft diese bei Sonnenschein wieder auseinander, fährt mit dem Wenden den Tag über fort und bildet abends wieder Haufen, diesmal aber größere, und so fort, bis das Heu so dürr geworden ist, dass die um den Finger gewickelten Halme weder brechen (Überreife), noch wässerige Feuchtigkeit, selbst beim Zerquetschen, von sich geben. Je nach der Witterung kann das Trocknen in 1–2 Tagen vollendet sein oder Wochen in Anspruch nehmen.

Beim Einfahren kann man je nach Größe und Art des Zugviehes, nach der Beschaffenheit des Wiesenbodens und nach dem Zustand der Wege bis zum Lagerplatz 5–12 dz und mehr laden und erntet vom Hektar auf Wiesen 7–35–75 dz, auf besten Rieselwiesen auch wohl 100 dz und mehr. Zur Erleichterung des Heusammelns dienen einfache leiterartige Heuschleifen, in Amerika ähnlich den Gabelheuwendern gebaute, nur schräg gestellte Schwadmaschinen; zum Heuaufladen Heulademaschinen, die vor oder hinter dem Heuwagen angebracht werden. Zum Abladen vom Wagen und Versetzen des Heues in die Scheunen oder Schober dienen in Amerika Heuaufzüge, hay-carriers. Näheres s. Heuerntemaschinen. Aufbewahrt wird das Heu in Mieten oder Scheunen und zwar in ersteren mit und ohne Bedeckung, in letzteren auf Unterlage von Stroh, vielfach auch in Heufeimen, d. h. auf eisernen Gestellen (vgl. Feimen). Es unterliegt noch einer Nachgärung bei der Aufbewahrung. Die Aufbewahrung über Räumen, in denen sich viel Dunst entwickelt (z. B. Stallungen), muss vermieden werden, da das Heu diese anzieht. Zum Zweck weiteren Transports wird neuerdings das Heu gepresst (s. Heupresse), besonders für Armeezwecke, Eisenbahnfrachten etc. Da, wo man Wert darauf legt, das Vieh regelmäßig zu füttern, bindet man das Heu in Bündel von solcher Größe, wie sie dem Tagesbedarf der einzelnen Tiere entsprechen.

Bibliographie

  • Albert: Konservierung der Futterpflanzen (Berl. 1903)
  • Böhmer: Heubereitungsarten (Berl. 1890)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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