Küstenpanzerschiffe

Küstenpanzerschiffe, kleine Panzerschiffe von etwa 3–5000 t Wasserverdrängung mit meist geringer Geschwindigkeit und verhältnismäßig schwerer Bewaffnung; manche sind auch weniger seetüchtig als die Hochseeschlachtschiffe. Sie dienen nur zur Verteidigung der eigenen Küstengewässer und sollen infolge geringen Tiefganges auch seichte Fahrwasser besser als die feindlichen Schiffe ausnutzen und im Kampfe womöglich von den Küstenbefestigungen, Minensperren, Küstentorpedobooten oder Unterseebooten unterstützt werden. Die großen Seemächte, die nicht darauf zu rechnen brauchen, in ihren eigenen Gewässern angegriffen zu werden, und die mittleren Seemächte, die auch in der Defensive kräftige Vorstöße mit einer Schlachtflotte gegen feindliche Blockadeflotten zu machen beabsichtigen, bauen keine Küstenpanzerschiffe mehr. Die englischen Küstenpanzerschiffe sind sämtlich veraltet, die französischen sind nichts anderes als kleine Linienschiffe, zumeist, wie z. B. Henri IV (Stapellauf 1899; 8948 t groß), bedeutend stärker als die deutschen ehemaligen Ausfallkorvetten (s. Korvette), die jetzt noch als Linienschiffe gerechnet werden. Russland hatte 3 Küstenpanzerschiffe in der Ostsee, die den 8 deutschen Küstenpanzerschiffen der Siegfriedklasse sehr ähnlich sind. Die 8 amerikanischen Küstenpanzerschiffe sind wie große Monitors mit einem oder zwei Panzerdrehtürmen und niedrigem Oberdeck gebaut.

Die schwedische Marine verfügt über 12, die norwegische über 4, die dänische über 5, die holländische über 7 zumeist ganz vorzügliche moderne Küstenpanzerschiffe. Die 3 österreichisch-ungarischen sogen. Küstenpanzerschiffe der Monarchklasse sind kleine Linienschiffe von 5550 t Größe, also größer und bedeutend stärker als das veraltete deutsche Linienschiff Oldenburg, das ursprünglich auch nur als Küstenpanzerschiff gebaut war. Als stärkstes und schnellstes Küstenpanzerschiff ist das (1905) im Bau befindliche schwedische Küstenpanzerschiff Oskar II. zu betrachten; es ist 4270 t groß, 96 m lang, 15 m breit, hat 5,2 m Tiefgang; die Maschinen leisten mit 8500 Pferdekräften 18 Seemeilen Geschwindigkeit. Der Kohlenvorrat von 500 t reicht für fast 3000 Seemeilen Dampfstrecke. Bewaffnung: zwei 44 Kaliber lange 21 cm-Geschütze, je eins in einem Panzerdrehturm im Vor- und Hinterschiff; acht 44 Kaliber lange 15 cm-Schnelladegeschütze, zu zweien in vier Panzerdrehtürmen, von denen je zwei an jeder Schiffsseite stehen; Turmaufstellung für starke Rundfeuerwirkung sehr günstig. Außerdem 12 leichte Schnellader und 2 Unterwassertorpedorohre. Gürtelpanzer und schwere Geschütztürme mit 15 und 19 cm-Panzer, die vier 15 cm-Türme mit 12 cm-Panzer geschützt; das Panzerdeck ist 5 cm stark. Besatzung 326 Mann.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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