Bielefeld

Bielefeld, Stadt und Stadtkreis im [ehem.] preußischen Regierungsbezirk Minden, an der Lutter, am Teutoburger Wald und an der Staatsbahnlinie Wustermark-Hamm, 118 m ü. M., hat sechs evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge und (1900) mit der Garnison (II. Bataillon, Infanterie-Regiment „Graf Bülow von Dennewitz“ [6. Westfälisches] Nr. 55) 63.046 Einwohner, darunter 54.327 Evangelische, 7400 Katholiken und 793 Juden. Die Stadt ist Hauptsitz der westfälischen Leinen- und Damast- sowie sehr bedeutender Wäschefabrikation, deren Erzeugnisse fast nach allen Ländern der Erde ausgeführt werden. Von großer Bedeutung ist auch die Seiden- und Plüschweberei, die Flachsspinnerei (2760 Arbeiter) und die Nähmaschinen- und Fahrradfabrikation (5300 Arbeiter). Außerdem hat Bielefeld Fabriken für Herstellung von Werkzeug- und landwirtschaftlichen Maschinen, Dampfmaschinen, Zentrifugen, Automobilen, Feilen, Geldschränken, Wagen, Armaturen und Eisenkonstruktionen, Papier, Geschäftsbüchern und Kartonnagen, Pianofortes, Möbeln, Margarine, Backpulver, Cakes, Likör etc., eine Glashütte, Glasschleiferei, Brennerei und Bierbrauerei, Bleicherei, Färberei und Appreturanstalten. Den bedeutenden Handel unterstützen eine Reichsbankstelle (Umsatz 1901: 750,3 Mill. Mark), die Westfälische Bank und eine Handelskammer. Bielefeld hat ein Gymnasium mit Realgymnasium, eine Realschule, das Landratsamt des Landkreises Bielefeld, ein Landgericht und in der Vorstadt Gadderbaum die bekannten Wohltätigkeitsanstalten des Pastors v. Bodelschwingh (s. d. 3). Der Magistrat zählt elf, die Stadtverordnetenversammlung 39 Mitglieder.

In der Nähe liegt die alte Feste Sparrenberg, früher Gefängnis, jetzt wieder ausgebaut, mit historischem Museum, Festsaal etc. und dem Denkmal des Großen Kurfürsten (vgl. Fricke, Bielefelds Sparenburg und ihre Geschichte, 2. Aufl., Bielef. 1893); ferner der Johannisberg mit schönen Anlagen und die Hünenburg.

Zum Landgerichtsbezirk Bielefeld gehören die 14 Amtsgerichte zu Bielefeld, Bünde, Gütersloh, Halle, Herford, Lübbecke, Minden, Öynhausen, Petershagen, Rahden, Rheda, Rietberg, Vlotho und Wiedenbrück.

Der Ort ist 1015 als Bilivelde nachzuweisen und erscheint zuerst 1233 urkundlich als Stadt. Bielefeld gehörte den Grafen von Ravensberg, die vielfach auf der Sparrenburg residierten, und fiel 1347 an die Herzöge von Jülich. Am Ende des 13. Jahrhunderts trat Bielefeld der Hanse bei. Die Reformation fand um 1545 in der Stadt Eingang. 1614 fiel Bielefeld an Brandenburg, wurde aber erst 1647 vom Großen Kurfürsten dauernd in Besitz genommen. Vgl. Fricke, Geschichte der Stadt Bielefeld (Bielef. 1887).

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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