Otto I., der Große

Otto I., der Große, Sohn des deutschen Königs Heinrich I. und dessen zweiter Gemahlin Mathilde, geb. 23. Nov. 912, gest. 7. Mai 973, noch bei seines Vaters Lebzeiten, mit Übergehung seines älteren Bruders Thankmar, zum Nachfolger bestimmt, wird 8. Aug. 936 zu Aachen von Vertretern aller deutschen Stämme gewählt und vom Erzbischof von Mainz gekrönt. Entschieden in seinem Wollen, kühn und ausdauernd im Handeln, trägt er viel zur Hebung des Ansehens des deutschen Namens und zur Kräftigung des Reiches nach innen und außen bei. Anfangs empören sich die Böhmen und Wenden, und in Bayern nehmen die Söhne Herzog Arnulfs nach dessen Tod eigenmächtig von der herzoglichen Gewalt Besitz. Otto unterwirft die letzteren und schlägt auch die Erhebung seines Bruders Thankmar, der 938 in der Eresburg getötet wird, und des Herzogs Eberhard von Franken nieder. Langwieriger ist der Kampf gegen seinen jüngeren Bruder, Heinrich, der sich gemeinsam mit Eberhard von Franken sowie mit Giselbert von Lothringen und Friedrich von Mainz und auch vom französischen König unterstützt, empört. Otto siegt bei Birthen 939, die beiden Herzoge finden bei Andernach ihren Untergang, und auch Heinrich unterwirft sich; er macht zwar 941 noch einen Mordversuch, indes erlangt er die Verzeihung des Königs wieder und bleibt ihm fortan treu.

Otto vergibt die Herzogtümer an seine nächsten Verwandten, Lothringen an seinen Schwiegersohn Konrad den Roten, Bayern an seinen Bruder Heinrich, Schwaben an seinen Sohn Ludolf, während er Franken und Sachsen, welch letzteres er erst 961 an Hermann Billung abtritt, für sich behält; sein Bruder Brun wird Erzbischof von Köln. Er waltet als strenger, aber gerechter Richter, macht seinen glänzenden Hof zum Mittelpunkt des Reiches, vermehrt den Besitz der Krone und sucht eine wirksame Stütze in der Geistlichkeit. Auch unterwirft er die Wenden und Böhmen (950) wieder und unternimmt 947 einen siegreichen Feldzug gegen die Dänen. Durch Gründung zahlreicher Bistümer befestigt er das Christentum an der Nord- und Ostgrenze Deutschlands. Als er sein Reich zum mächtigsten der Christenheit erhoben, zieht er 951, von der Witwe Lothars von Italien, Adelheid, zu Hilfe gerufen, über die Alpen, vermählt sich, da seine erste Gemahlin, die angelsächsische Prinzessin Editha, 946 stirbt, mit Adelheid und nennt sich König von Italien.

Nachdem er eine Empörung seines Sohnes Ludolf und Schwiegersohnes Konrad des Roten 953–954 niedergeschlagen und dieselben ihrer Herzogtümer beraubt hat, besiegt er 10. Aug. 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg die Ungarn, denen er die bayerische Ostmark entreißt. 961 zieht er von neuem nach Italien, vertreibt Berengar (s. d.), der sich der königlichen Herrschaft bemächtigt hat, wird 2. Febr. 962 in Rom zum römischen Kaiser gekrönt und eröffnet damit den Kampf des deutschen Königtums um die Weltherrschaft. Zwei Aufstände der Römer schlägt er nieder, entsetzt Johann XII. sowie Benedikt V. der päpstlichen Würde und vereinigt die höchste weltliche und geistliche Gewalt im Abendland in seiner Hand. Dagegen gelingt es ihm nicht, Unteritalien zu erobern. Er stirbt zu Memleben in Thüringen und wird in dem von ihm gegründeten Dom zu Magdeburg beigesetzt, wo ihm ein Reiterstandbild errichtet wurde.

Bibliographie

  • Die Urkunden Ottos I. liegen vor in den »Monumenta Germaniae historica, Diplomata«, Bd. 1 (Hannov. 1879)
  • Fischer, W. A.: Das Verhältnis Ottos d. Gr. zu seinem Sohne Ludolf und seiner Gemahlin Adelheid (Innsbr. 1903)
  • Heil: Die politischen Beziehungen zwischen Otto d. Gr. und Ludwig IV. von Frankreich (Berl. 1904).
  • Köpke und Dönniges: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter Otto I. (Berl. 1838–39, 2 Bde.)
  • Köpke und Dümmler: Kaiser Otto d. Gr. (Leipz. 1876)
  • Kurowski, Frank: Die Sachsen – Schwertgenossen Sahsnôtas (Hamb. 2009)
  • Vehse: Kaiser Otto d. Gr. und sein Zeitalter (3. Aufl., Leipz. 1867)
  • ZDFmediathek, Teil 1: Otto und das Reich

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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