Peter III. Fjodorowitsch
Herzog von Holstein-Gottorf, 1739–1762
Zar des Russischen Reiches, 1762

Peter III. Fjodorowitsch, als Herzog von Holstein-Gottorp Karl Peter Ulrich genannt, ein Enkel Peters des Großen, Sohn von dessen Tochter Anna Petrowna und des Herzogs Karl Friedrich von Gottorp, geb. 21. Febr. 1728 in Kiel, wird, da schon mit Peter II. der Romanowsche Mannesstamm ausgestorben ist, durch die Kaiserin Elisabeth nach Russland berufen und 18. Nov. 1742 zum Thronfolger ernannt. Fast gleichzeitig (4. Nov. 1742) wählen ihn die schwedischen Stände zum König, doch muss Peter ablehnen. Am 1. Sept. 1745 wird er mit der Prinzessin Sophie Auguste von Anhalt-Zerbst, der nachmaligen Kaiserin Katharina II., vermählt. Meist lebt er in Oranienbaum, wo er sich oft an Trinkgelagen ergötzt. Seine Ehe mit Katharina ist unglücklich.

Nach Elisabeths Tod (5. Jan. 1762) besteigt Peter den Zarenthron. Er erlässt sofort eine umfassende Amnestie, erleichtert für den Adel das Reisen ins Ausland, beseitigt die geheime Kanzlei, die das Leben der Untertanen allen Angebereien preisgab, schafft die Tortur ab, beschränkt den Luxus, vermindert die Handelsabgaben und verbessert das Kriminalverfahren. Er sucht Handel und Ackerbau, Flotte und Heer zu reformieren. Mit Friedrich dem Großen, den er schwärmerisch verehrt, schließt er im Mai 1762 Frieden, nach dem er das schon eroberte Ostpreußen zurückgibt und den General Tschernitschew mit 15.000 Mann zu Friedrichs Heer stoßen lässt.

Wegen der Ansprüche des Hauses Holstein-Gottorp auf Schleswig rüstet er zum Krieg gegen Dänemark, als eine Verschwörung in Petersburg ausbricht, an deren Spitze des Kaisers eigene Gemahlin steht, die von Peter mit der Verbannung in ein Kloster bedroht worden ist. Statt gegen die Empörer zu Felde zu ziehen, verzichtet er in einem Brief an Katharina, die in der Nacht vom 8. auf 9. Juli 1762 zur Kaiserin ausgerufen wird, auf den Thron und verspricht, nach Deutschland zu gehen. Er wird aber in Peterhof zur Unterschreibung der Thronentsagungsakte gezwungen und in Ropscha 17. Juli 1762 von Alexei Orlow und anderen Parteigängern der Kaiserin, vermutlich ohne deren Vorwissen, ermordet.

Bibliographie

  • »Biographie Peters III.« (anonym, Tübing. 1809, 2 Bde.)
  • Bain: Peter III. emperor of Russia (Lond. 1902)
  • Bülau: Geheime Geschichten und rätselhafte Menschen, Bd. 1 (2. Aufl., Leipz. 1863)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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