Otto VIII. von Wittelsbach

Otto VIII. von Wittelsbach, Pfalzgraf von Bayern, der Sohn des Pfalzgrafen Otto VII., Neffe des ersten wittelsbachischen Herzogs, geb. vor 1180, gest. 07. März 1209, hat als der einzige Königsmörder in der deutschen Geschichte seinem Namen eine traurige Berühmtheit verschafft. 1204 und 1205 kämpft er unter König Philipp im thürigischen und niederrheinischen Feldzug und wahrscheinlich durch die hier geleisteten Dienste wird Philipp bewogen, ihm eine seiner Töchter zu verloben. Später aber scheint der König Nachteiliges über den Pfalzgrafen erfahren zu haben und macht das Eheversprechen rückgängig. Besonders infolge der Tötung oder ungerechten Hinrichtung eines angesehenen Bayern, Namens Wulf, glaubte man, sei Otto in der Gunst des Königs gesunken. Von der grausamen Strenge seines richterlichen Waltens hat man sich auch sonst erzählt: wie sein Urteil schon wegen Diebstahls von einem Heller Wert auf den Tod gelautet, wie er, morgens ausreitend, gern Stricke mitgenommen habe, um Übeltäter, denen er etwa begegnen würde, auf der Stelle aufzuknüpfen.

Die getäuschte Hoffnung aber verstimmt den Pfalzgrafen umsomehr, das er als Brautwerber großen Aufwand gemacht hat. Indessen bemüht er sich um die Hand einer anderen Prinzessin: Getrud, Tochter des Herzogs Heinrich von Schlesien und der heiligen Hedwig von Meranien; wieder aber glaubt er zu bemerken, dass ihm der König heimlich entgegearbeite. In der Slavenchronik Arnold’s wird die Sache so dargestellt: Philipp habe dem Pfalzgrafen statt eines erbetenen und erwarteten Empfehlungsschreibens an den schlesischen Hof ein warnendes oder abwehrendes mitgegeben, und Otto sei dessen inne geworden. Jedenfalls ist es tief empfundene Ehrenkränkung, was den Wittelsbacher zu einer Tat wilden Jähzorns hinreißt, zu einem Verbrechen, das verhängnisvoll in den Gang der deutschen Geschichte eingreift.

Am 21. Juni 1208 um drei Uhr Nachmittags pflegt der König nach der Hochzeitfseier seiner Nichte mit Otto von Meranien in dem bischöflichen Palaste zu Bamberg der Ruhe, als vor dem Tor, gefolgt von einigen Bewaffneten, der Pfalzgraf erscheint und um Einlass bittet. Philipp befiehlt ihn eintreten, seine Begleiter aber draußen warten zu lassen. Mit bloßem Schwert erscheint Otto vor dem König. Dieser empfängt ihn mit einer Arglosigkeit, die im Falle der Richtigkeit von Arnold’s Erklärung doch schwer zu begreifen wäre; bei dem Anblick des blanken Schwertes glaubte er, der Pfalzgraf wolle, wie er früher zuweilen getan, mit seiner Geschicklichkeit in Gauklerkünsten ihn unterhalten, und verbittet sich für diesmal das Spiel. Doch mit dem Ruf: »Spiel gilt es jetzt nicht!« dringt Otto auf ihn ein. Ein Hieb durchtrennt dem König die Kehle, so dass er nach wenigen taumelnden Schritten entseelt zu Boden stürzt. Mit demselben Schwert verwundet der Wütende den zur Abwehr herbeispringenden Truchseßen von Waldburg, ungefährdet gelangt er dann ins Freie und jagt mit seinen Genossen davon.

Vor den Reichstag Otto’s IV. zu Frankurt (11. Nov.) tritt des Ermordeten zehnjährige Tochter Beatrix, geführt vom Bischofe von Speyer, und klagt gegen den Mörder. Einstimmig wird das Urteil der Friedlosigkeit über ihn gesprochen. Seine Eigentümer und Reichslehen fallen an seinen Vetter, Herzog Luwig von Bayern, das Reichsamt der bayerischen Pfalzgrafschaft jedoch, worin Otto seinem am 18. August 1198 gestorbenen Vater gefolgt ist, an den Grafen Rapoto II. von Ortenburg und Kraiburg. Im Januar 1209 fällt ein Reichstag in der bayerischen Nachbarschaft Augsburgs in Anwesenheit Herzog Ludwigs das gleiche Urteil über den Mörder nach bayerischem Recht. Schon vorher, im Dezember, waren die Bayernherzoge und der Reichsmarschall Heinrich von Kalden (gen. Pappenheim) in die Besitzungen des Geächteten eingebrochen und hatten diesen, der nicht lange Wiederstand leisten konnte, gezwungen, in der Verborgenheit Rettung zu suchen. Damals soll die Burg Wittelsbach zerstört worden sein.

Als dann im März 1209 der Pappenheimer mit einer Botschaft des Königs nach Regensburg reitet, bringt ihm der Sohn eines Mannes, der einst durch den Pfalzgrafen das Leben verloren, die Nachricht, der Geächtete halte sich zu Oberndorf zwischen Kelheim und Regensburg in einer Scheune versteckt. Der Marschall lässt dieselbe umzingeln und gibt als Rächer seines staufischen Herrn dem Königsmörder selbst den Tod. Der abgeschnittene Kopf der Leiche wird in die Donau geworfen, der Rumpf im freien Felde verscharrt, bis ihm Herzog Ludwig acht Jahre später im Kloster Indersdorf ein Begräbnis an der Seite des alten Pfalzgrafen erwirkt.

Bibliographie

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909
  • Riezler, Sigmund Ritter von: Geschichte Baierns, II.
  • Riezler, Sigmund Ritter von: Allgemeine deutsche Biographie (Leipzig 1887)
  • Winkelmann, Philipp von Schwaben und Otto IV., I.
  • Wittmann, Die Pfalzgrafen von Baiern

Quelle: Sigmund Ritter von Riezler

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