Achaier

Achaier oder Achäer, einer der vier Hauptstämme des hellenischen Volkes, der seinen Ursprung von Achaios, einem Sohn des Xuthos und Enkel des Hellen, ableitete. Sie waren den Aiolern nahe verwandt und saßen an verschiedenen Stellen der griechischen Küste, so in Phthiotis, wo Peleus und Achilleus herrschten. Von da breiteten sie sich zuerst in Argolis und dann über einen großen Teil des Peloponnes aus, so dass, da in der Heroenzeit das achaiische Königshaus der Atriden in ganz Griechenland von vorwiegendem Einfluss war, bei Homer der Name Achaier, wie der der Argeier und Danaer, auch als Sammelbezeichnung für die Griechen der mykenischen Zeit insgesamt gebraucht wurde.

Figuren

  • Mykenische Armee, 1:72 Caesar Miniatures H20
  • Mykenische Streitwagen, 1:72 Caesar Miniatures H21

Die Dorische Wanderung (s. Dorier) soll fast allen ihren Staatenbildungen im Peloponnes allmählich ein Ende gemacht haben. Diese Wanderung ist in der Forschung umstritten, vielmehr soll es sich um allmähliche Zuwanderung der Dorer gehandelt haben. Die Bewohner vermischten sich teils mit den Eroberern/Einwanderern. Ein anderer Teil wandte sich im Verein mit Aiolern nach der nordwestlichen Küste von Kleinasien, wo sie in langwierigen Kämpfen Dardanien (Troas) eroberten. Die sie verherrlichenden Sagen und Lieder sind später mit anderen zu der »Ilias« zusammengefasst worden. Nur in Arkadien behaupteten die Achaier ihre Unabhängigkeit und nahmen von hier aus, unterstützt von Stammesgenossen aus Argolis, den Ioniern das nördliche Küstenland (Ägialos) ab, das seitdem Achaia (s. d.) genannt wurde. Die zwölf Städte des Landes bildeten einen Staatenbund und standen anfangs unter der Herrschaft von Königen, des Orestes Nachkommen, deren letzter Ogygos war. Auf das Königtum folgte eine gemäßigte Demokratie.

Den Verwicklungen des übrigen Griechenlands blieben die Achaier, durch die Abgeschlossenheit des Landes begünstigt, bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. meist fern, aber bei Chaironeia (338) kämpften sie mit für Griechenlands Freiheit. Die makedonische Herrschaft wurde von dem achaiischen Volk, das von ursprünglicher und kraftvoller Art war, besonders hart empfunden. Die Achaier benutzten deshalb die Thronstreitigkeiten und andere Verwirrungen in Makedonien zur Vertreibung der Besatzungen und zur Erneuerung des im Laufe der Zeit aufgelösten alten Achaiischen Bundes (280). Größere Bedeutung erhielt dieser Bund aber erst 251, als Aratos von Sikyon zum Bundesfeldherrn (Strategen) gewählt wurde. Die bedeutendsten Städte des Peloponnes, wie Korinth, Epidauros, Megalopolis und Argos, auch mehrere Städte des mittleren Griechenland, z. B. Megara und selbst Athen, traten dem Bund bei, der bei möglichster Gleichheit und innerer Freiheit der einzelnen Staaten nach außen fest und einig dastand. Der oberste Bundesbeamte war der Strategos, der mit dem Hipparchen und Nauarchen die Streitkräfte befehligte und mit den zehn Demiurgen (Ratsmannen) die regelmäßigen Bundesversammlungen in Egio zur Entscheidung über Krieg und Frieden und über Bündnisverträge zusammenberief und leitete. Den ganzen Peloponnes für den Bund zu gewinnen, scheiterte an Spartas und Elis' Weigerung und an der Eifersucht der Ätolier. In dem ausbrechenden Kampf zog Aratos den kürzeren und rief daher den makedonischen König Antigonos Doson zu Hilfe. Die Schlacht bei Sellasia (221) entschied zwar für die Achaier, aber auch der Achaiische Bund selbst hatte seine nationale Bedeutung verloren.

Erneute Kämpfe gegen die Ätolier (Bundesgenossenkrieg, 220–217), dann gegen die Römer im Bunde mit Philipp V. von Makedonien (211–205), zuletzt gegen die Makedonier, gegen die sie ihre früheren Feinde (seit 198) unterstützten, Streitigkeiten der Bundesstädte untereinander und der politischen Parteien in den einzelnen Städten und auf den Tagsatzungen, daneben die erbittertsten Kämpfe mit Nabis und Machanidas, den Tyrannen von Sparta, rieben die Kräfte des Bundes auf.

Während des dritten römisch-makedonischen Krieges 171–168 blieben die Achaier neutral, gerieten aber gerade dadurch in völlige Abhängigkeit von den Siegern, die 1000 der edelsten Achaier wegen makedonischer Gesinnung im Jahre 167 nach Rom zur Verantwortung forderten und sie in Italien als Gefangene zurückhielten. Fernere Gewalttaten der Römer reizten die Achaier endlich 146 zur Kriegserklärung. Ihr Strategos Kritolaos wurde aber von Metellus bei Skarpheia, sein Nachfolger Diaios von Mummius bei Leukopetra besiegt, Korinth, wo eine lärmende Tagsatzung die Forderungen der Römer verworfen hatte, zerstört, der Achaiische Bund aufgelöst und ganz Griechenland in eine römische Provinz (Achaia) verwandelt (146 v. Chr.).

Bibliographie

  • Capes: History of the Achaean league (Lond. 1888)
  • D'Amato und Salimbeti: Bronze Age Greek Warrior 1600–1100 BC (Lond. 2011)
  • Dubois, M.: Les ligues étolienne et achéenne (Par. 1884)
  • Freeman: History of federal government in Greece and Italy (Lond. 1893)
  • Klatt: Forschungen zur Geschichte des Achäischen Bundes (Berl. 1877)
  • Klatt: Chronologische Beiträge zur Geschichte des Achäischen Bundes (Berl. 1883)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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