Karl I. von Anjou

Zweites Wappenschild des Karl I. von Anjou, ab 1246 getragen: in blau, mit goldenen Lilien besät, darüber ein roter Turnierkragen mit drei Lätzen

Karl I. von Anjou, geb. im Frühjahr 1226, gest. 7. Jan. 1285, jüngster Sohn König Ludwigs VIII. von Frankreich und Blankas von Kastilien, erhält von seinem Bruder Ludwig IX. Anjou und Maine als Apanage und durch seine Vermählung mit Beatrix, Tochter des Grafen Raimund Berengar von Provence (1246), dieses Land, das er allmählich unterwirft und durch Erwerbungen in Piemont vergrößert. Er begleitet seinen Bruder 1248 auf dem sechsten Kreuzzug, der mit der Gefangenschaft beider Brüder endet (1250).

Um den Staufer Manfred zu stürzen, belehnt Papst Clemens IV. 28. Juni 1265 Karl, der einen Tribut von 8000 Unzen Gold versprochen hat, mit Neapel und Sizilien, und durch den Sieg bei Benevent 26. Februar 1266 erobert Karl die Krone. Bald aber reizen Gewalttaten und Steuerdruck das Volk zum Aufstand, und die Großen treten mit Konradin, Manfreds Neffen, in Unterhandlung. Dieser wird jedoch 23. August 1268 bei Tagliacozzo besiegt, in Astura gefangen genommen, durch Spruch des Königs zum Tode verurteilt und 29. Oktober 1268 enthauptet. Auch die abgefallenen Inländer, Sarazenen und Deutschen werden blutig bestraft.

Als Ludwig IX. 1270 einen neuen Kreuzzug gerüstet, veranlasst ihn Karl, sich gegen Tunis zu wenden, die Zufluchtsstätte staufischer Parteigänger, die seinen Thron bedrohen. Nach Ludwigs Tod (25. August des Jahres) befehligt er das Kreuzheer und schließt mit dem Herrscher von Tunis einen vorteilhaften Frieden. Weitausblickend sind auch seit 1271 seine Absichten auf den Westen der Balkanhalbinsel (1273 Huldigung der Albanesen von Berat), die dem Kaiser Michael VIII. Palaiologos sehr unbequem sind.

In der Sizilianischen Vesper bricht 1282 der lange verhaltene Grimm der Sizilianer gegen die Franzosen hervor. Diese werden 31. März in Palermo und dann in den anderen Städten niedergemetzelt. Wohl eilt Karl mit Heer und Flotte herbei und belagert Messina; doch entsetzt Peter von Aragonien, den die Sizilianer zu Hilfe gerufen, die Stadt; in einer Seeschlacht bei Reggio wird die Flotte Karls von der aragonischen geschlagen, und Sizilien bleibt dem französischen Haus verloren. Karl stirbt unter neuen gewaltigen Rüstungen, das Verlorene wiederzuerringen. In zweiter Ehe war er vermählt mit Margarete von Nevers, Tochter Herzog Eudos von Burgund.

Titel

  • Graf von Anjou und Maine, seit 1246
  • Graf von Provence and Forcalquier, seit 1246
  • König von Sizilien, seit 1266
  • König von Jerusalem, seit 1277

Bibliographie

  • Cadier: Essai sur l’administration du royaume de Sicile sur Charles I et Charles II d’Anjou (Par. 1891)
  • Durrieu: Archives angevines de Naples; étude sur les registres du roi Charles I (Toulouse 1886-87, 2 Bde.)
  • Merkel: La dominazione di Carlo I d’Angiò in Piemonte e in Lombardia (Tur. 1891)
  • Riccio: Genealogia di Carlo I di Angiò (Neapel 1857)
  • Riccio: Il regno di Carlo I di Angiò 1272-1283 (im »Archivio storico italiano«, 1875-81)
  • Sternfeld: Karl von Anjou als Graf der Provence, 1245-1265 (Berl. 1888)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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