Ellwangen

Ellwangen

Ellwangen, Hauptstadt des württembergischen Jagstkreises, eine der sogen. guten Städte, liegt im Virngrund an der Jagst und an der Staatsbahnlinie Krailsheim–Goldshöfe, 439 m ü. M. Es hat eine evangelische und fünf katholische Kirchen, darunter die romanische Stiftskirche (1100–1124 erbaut) und die St. Wolfgangskirche, ein Gymnasium (im ehemaligen Jesuitenkollegium), eine Realschule, eine Ackerbauschule (im Schloss ob Ellwangen), reiche Stiftungen etc., ist Sitz der Kreisregierung, eines Oberamts, Landgerichts, von vier Forstämtern, hat Fabrikation von Schäften, Pergamenthülsen und Briefumschlägen, Gerberei, berühmten Pferdemarkt (sogen. Kalter Markt im Januar), Wollmarkt und zählt (1900) 4747 meist katholische Einwohner. Auf einem der beiden Hügel, zwischen denen die Stadt liegt, steht das 1354 erbaute Schloss ob Ellwangen, auf dem anderen, dem Schönenberg, die im Jesuitenstil erbaute Wallfahrtskirche der Maria von Loreto. Zum Landgerichtsbezirk Ellwangen gehören die sieben Amtsgerichte: Aalen, Ellwangen, Gmünd, Heidenheim, Neresheim, Schorndorf und Welzheim.

Brunnen am Fuchseck in Ellwangen
Brunnen am Fuchseck in Ellwangen

Ellwangen erhielt um die Mitte des 14. Jahrhunderts Stadtrecht. Es war bis 1802 die Hauptstadt der gefürsteten Propstei Ellwangen, die vor 1803: 385 km² (7 mi²) mit 25.000 Einwohnern umfasste. Das Kloster soll bereits 764 von Herulf, Bischof von Langres, gestiftet sein, ist aber erst 814 urkundlich nachweisbar. Unter den Äbten ragt Kuno (1188–1218), ein vertrauter Ratgeber König Friedrichs II., hervor. 1459 wurde die Abtei mit Bewilligung des Papstes Pius II. säkularisiert und in ein Ritterstift verwandelt, an dessen Spitze der bisherige Abt nun als gefürsteter Propst trat. 1803 kam Ellwangen an Württemberg. Der letzte Propst war Klemens Wenzel, Prinz von Sachsen (gest. 1812).

Ellwangen stellte eine Kompanie für das Infanterie-Regiment Baden-Baden des Schwäbischen Reichskreises.

Bibliographie

  • »Beschreibung des Oberamts Ellwangen« (hrsg. vom statist. Landesamt, Ellwangen 1886)
  • Seckler: Beschreibung der gefürsteten Reichspropstei Ellwangen (Stuttg. 1864)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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