Sikh

Sikhs

Sikh (im Sanskrit Ciksha, »Jünger«), religiose Sekte in Britisch-Indien, vornehmlich Jat, denen sich wahrscheinlich Sudra der niedrigsten Kasten, Rajputen und Muslime anschlossen. Von ihrer (1901) 2.195.339 Köpfe betragenden Gesamtzahl wohnten 1.517.019 im Punjab, wo die Tributärstaaten Dschind, Faridkot, Kapurthala, Kalsia, Nabha und Patiala unter Sikhherrschern stehen. Hier haben sie, obschon nur 7 Prozent der Gesamtbevölkerung des Punjab ausmachend, als religiöse Sekte wie als politische und soziale Klasse, die vorzugsweise den Kleinhandel umfasst, einen überwiegenden Einfluss ausgeübt. Selbst die Brahmanen lesen ihre heiligen Bücher mit Ehrfurcht. Fleißige Ackerbauer im Frieden, sind sie mit den Rajputen die tapfersten Soldaten des anglo-indischen Heeres, stehen jedoch in ihrer Bildung hinter anderen Volkselementen Indiens zurück. Allerdings ragen die höchsten Klassen der Sikh durch besondere Gelehrsamkeit hervor. Der Stifter der ursprünglich rein religiösen Sekte war Baba Nanak, ein Hindu aus der Kriegerkaste (geb. 1469, gest. 1538 in Dera Nanak), der eine Einung der Hindu und Muslime anstrebte und, sich an die Lehre von Ramanand und Kabir anschließend, einen reinen Monotheismus predigte. Das Kastensystem verwarf er gänzlich. Nach ihm sorgten zehn Guru (Prediger) für die Verbreitung der neuen Lehre, die namentlich bei den Hindu im Punjab zahlreiche Anhänger fand.

Nanak ernannte sterbend Angad zu seinem Stellvertreter, der das erste heilige Buch, Grantah, schrieb. Ramdas, der vierte, erhielt von Akbar die Erlaubnis, einen Teich, Amrita Sara (»Teich der Unsterblichkeit«), anzulegen und darin einen Tempel zu bauen, der zum religiösen Mittelpunkt der Sikh und zum Kern für die spätere Stadt Amritsar (s. d.) wurde. Von Ramdas an wurde die Nachfolge erblich. Sein gelehrter Sohn Ardschun(i) Moll schrieb den Adi Grantah (Granth), das Religionsbuch, in dem jeder Sikh zweimal täglich zu lesen verpflichtet wurde, beendete den Tempelbau und entfaltete so viel Glanz, dass er die Eifersucht der Mogulkaiser auf die immer mächtiger wachsende Sekte lenkte. Als Ardschun Chusrau, den Sohn des Kaisers Nureddin Dschihangir, in einem Aufstand gegen seinen Vater unterstützte, ließ ihn dieser ins Gefängnis werfen, in dem er 1606 starb. Dies Ereignis verwandelte die bisher harmlosen Sektierer in fanatische Krieger. Sie ergriffen die Waffen unter Har Govind, dem Sohn und Nachfolger des Märtyrers, mussten aber nach kurzem Erfolg und nach Hinrichtung ihres neunten Oberhauptes, Teg Bahadur, durch Aurangzeb (1675) in die Berge flüchten, wo sie sich in mehrere Sekten spalteten. Der neue Guru Govind gab den Sikh ein neues Gesetzbuch, das Padschahka Grantah, das die kriegerischen Eigenschaften erhalten sollte, aber auf die neuen Anhänger Govinds, die Singh (»Löwen«), beschränkt blieb. Govind vermochte nichts gegen die mächtigen Mogul auszurichten; seine Feste wurde erstürmt, seine Familie niedergemetzelt, er selbst 1708 ermordet.

Der neue Führer der Sikh, Banda, zeichnete sich durch die verwegensten Streifzüge gegen die Muslime aus, überall mordend und plündernd, bis er gefangen und mit anderen Häuptern der Sikh zu Dehli grausam hingerichtet wurde. Durch den Tod des Kaisers Bahadur 1712 waren die Sikh vor gänzlicher Vernichtung bewahrt worden, und die folgende Anarchie des Mogulreichs verwandelte sie bald in eine Nation, nachdem grausame Bedrückungen die Hindu massenhaft in ihre Reihen getrieben hatten. Die Sikh im Punjab teilten sich nun mit den Mahratthen in die Erbschaft des Mogulreiches. Die Verfolgungen der Mogul hatten zur Bildung der Khalsa genannten politischen Einigung geführt, wobei die einzelnen Fürsten (Sirdar) in zwölf Misl oder Verbrüderungen zusammentraten, jedoch ein gemeinsames Oberhaupt nicht anerkannten. Diese Bundesrepublik fasste Anfang des 19. Jahrhunderts der tatkräftige Randschit Singh (s. d.) in einen einzigen Staat zusammen, fügte 1819 auch Kaschmir hinzu und regierte mit militärischem Despotismus. Mit den Engländern schloss er 5. Dez. 1805 einen Freundschaftsvertrag und versprach, die Fürsten südlich vom Satledsch nicht anzugreifen; bei seinem Tod (27. Juni 1839) hinterließ er seinem Sohn Kharak Singh ein Reich von 36.000 qkm mit einer von französischen Offizieren geschulten und mit Artillerie gut ausgestatteten Armee von 82.000 Mann.

Kharak Singh starb schon 6. Nov. 1840; dann folgten Palastrevolutionen, in denen eine Witwe Randschit Singhs und dessen jüngerer Sohn, Dhalip Singh, emporkamen. Zur Beschäftigung der nutzlos gewordenen Armee erfolgte im Dezember 1845 ein Feldzug gegen die Fürsten am linken Satledschufer. Damit war der Kriegsfall mit England gegeben, dessen Truppen 19. Febr. 1846 bei Sobraon die Sikh aufs Haupt schlugen. Im Vertrag zu Lahor vom 9. März 1846 traten die Sikh an England alles Bergland zwischen Bias und Satledsch ab, mit Einschluss von Kaschmir, das die Engländer dem Raja von Dschammu übergaben. Zusatzverträge gewährten den Engländern Besatzungsrechte und Einfluss auf die Regierung. Viele Sikhfürsten waren damit nicht einverstanden; es kam zum zweitenmal zum Krieg, der nach der Schlacht von Gudschrat (21. Febr. 1849) zur vollständigen Gefangennahme der Sikharmee und zur Einverleibung des Punjab in das britisch-indische Kaiserreich führte.

Figuren

  • Sikh Führungsgruppe, 15 mm Minifigs 114C
  • Sikh Infanterie 1880-1900, marschierend, 15 mm Minifigs 110C
  • Sikh Infanterie 1880-1900, vorgehend, 15 mm Minifigs 111C
  • Sikh Infanterie 1880-1900, stehend schießend, 15 mm Minifigs 112C
  • Sikh Infanterie 1880-1900, kniend schießend, 15 mm Minifigs 113C
  • Sikh Artilleristen, 15 mm Minifigs 126CA

Bibliographie

  • Cunningham, J. D.: History of the Sikhs (Lond. 1849)
  • Gordon, J.: The Sikhs (Lond. 1904)
  • Gough und Innes: The Sikhs and the Sikhswars (Lond. 1897)
  • Hügel, v.: Kaschmir und das Reich der Sieck (Stuttg. 1840–48, 4 Bde.)
  • Trumpp: The Adi Granth or the holy scriptures of the Sikhs (Lond. 1877)
  • Trumpp: Die Religion der Sikhs (Leipz. 1881)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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