Zululand

Zululand

Zululand, nördlichster Teil von der brit. Kolonie Natal (Südafrika, s. die Karte »Kapkolonie«), mit dem es 1897 nach der Vergrößerung seines Gebietes durch Tongaland (1895) als »Provinz Zululand« vereinigt ist, begrenzt von Portugiesisch-Mosambik, Transvaalkolonie (Swasiland) und dem Indischen Ozean, 27.064 km² mit (1898) 201.635 Einwohner, darunter 1305 Weiße (vgl. die Artikel »Kapkolonie« und »Natal«). Das Land, an der einförmig verlaufenden Küste flach, steigt in Stufen zum Innern auf. aus dem außer dem Tugela mit dem Buffalo der Umlhatuzi, Umvolosi, Mkusi (in die Santa Lucia-Lagune) und Pongola (in den Usutu) abfließen. Wertvolle Waldungen in mehreren Bezirken werden durch Forstgesetze geschützt. Das Klima ist an der Küste sehr heiß und meist ungesund, im Innern aber gesund und das Land meist schön und fruchtbar. Von dem früheren Reichtum an wilden Tieren sind nur noch Leoparden, Hyänen und Giftschlangen übriggeblieben. Für die Erhaltung der Antilopen sorgen Jagdgesetze. Die in großen Herden gehaltenen Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde gedeihen sehr gut. Gebaut werden Mais, Sorghum, Bohnen, Kürbisse, Bataten. Die Küstenebenen eignen sich für den Anbau von Kaffee, Tee, Baumwolle, Zucker. An Mineralien finden sich Gold, Eisen, an der Santa Lucia Bai große Lager von Anthrazit. Die Bewohner des Landes, die Zulu oder Ama-Zulu (s. Tafel »Afrikanische Völker I«, Fig. 14), gehören zu den Bantu (s. d.), doch sind ihre Gesichter regelmäßiger als bei den übrigen Stammesgenossen, der Körper proportionierter. Jetzt gehört zu ihnen eine Reihe von Völkern, die, ursprünglich von ihnen verschieden, nach ihrer Unterwerfung Sprache und Sitten der Sieger angenommen haben. Sitz des dem Gouverneur von Natal unterstellten Kommissars ist Eshowe; hier hat auch der letzte Häuptling der Zulus, Dinuzulu, seinen Sitz als Regierungsbeamter (gegen 500 Pfd. Sterl. Jahresgehalt) mit der Aufgabe eines Sachverständigen in Angelegenheiten mit Eingeborenen. Deutsche (Hermannsburger), norwegische und englische Missionare wirken seit längerer Zeit. Größere Orte fehlen; die von Durban aus im Küstengebiet laufende Eisenbahn hat fast die Mitte von Zululand erreicht. Die Einkünfte und Ausgaben, die Ein- und Ausfuhr für Zululand werden jetzt mit denen Natals verrechnet.

Die Zulu, die tapfersten der Bantu, unterwarfen sich unter den Brüdern Tschaka (bis 1828), Dingaan (1828–39, gest. 1840), Panda oder Umgande (1839–57, gest. 1872) und dessen Sohn Cetshwayo (seit 1858) das Küstenland vom jetzigen Natal (englisch erst seit Sommer 1842) bis zur Delagoabai. Mit den Engländern hatten die Zulu in Frieden gelebt, während sie mit den Buren in stetem Kampf lagen. Als aber Cetshwayo den ererbten Militärdespotismus noch mehr ausbildete, ein Heer von 40.000 Mann organisierte und dessen Auflösung verweigerte, entsandte der Gouverneur der Kapkolonie, Sir Bartle Frere, im Januar 1879 ein Heer von 15.934 Mann unter Lord Chelmsford. Nachdem eine Abteilung von 1400 Mann mit 60 Offizieren 22. Jan. bei Isandhlwana (Isandula) niedergemetzelt und 1. Juni Prinz Napoleon am iTyotyosi getötet worden war, schlug Chelmsford mit 23.000 Mann Cetshwayo vor seinem Kraal Ulundi (4. Juli); 28. Aug. wurde Cetshwayo im Ngomewald am Schwarzen Umvolosi gefangen. Zululand wurde unter acht Häuptlinge verteilt, ein britischer Resident ihnen beigegeben und ihnen verboten, ihr bisheriges Militärsystem beizubehalten und Waffen einzuführen; zugleich wurde der Erwerb von Grundeigentum durch Weiße untersagt. Doch Gladstone gab Cetshwayo, der 1882 England besuchte, einen Teil seines Königreichs zurück und ließ ihn 29. Jan. 1883 durch Shepstone einsetzen. Aber Cetshwayo wurde im Juli 1883 von dem Häuptling Usibepu bei Ulundi überfallen und der Stamm der Abagulusi, der sich für ihn erklärte, vernichtet. Cetshwayo starb als Flüchtling zu Eshowe 8. Febr. 1884. Sein Sohn Dinuzulu ka Cetshwayo verjagte mit Hilfe von 400 Buren Usibepu und unterwarf sich Zululand mit Ausnahme der englischen Reserve. Die Buren erhielten für ihre Hilfe den Norden, wo sie die Nieuwe Republiek (Hauptstadt Vryheid) gründeten, aber allmählich bis zum Meer vordrangen und nun Anspruch auf die Küste bis zur Santa Lucia-Bai erhoben. An dieser Bai hatte bereits 1884 der Bremer Kaufmann Lüderitz ein Gebiet von 400 km² durch den Reisenden Einwald von Dinuzulu erworben. Auf dies Gebiet erhob aber England ältere Ansprüche, die schließlich von Deutschland anerkannt wurden. England schloss mit der Neuen Republik 22. Okt. 1886 einen Vertrag, wodurch den Buren abermals die erstrebte Verbindung mit dem Meer abgeschnitten wurde. Zugleich wurde der übrige Teil des Zululandes unter Verwaltung des Gouverneurs von Natal gestellt. Den Beschluss dieser Politik bildete die Besetzung des (Ama-) Tongalandes 29. April 1895.

Bibliographie

  • Ashe: Story of the Zulu campaign (Lond. 1880)
  • Colenso und Durnford: History of the Zulu war (2. Aufl. Lond. 1881)
  • Colenso: The ruin of Zulu (Lond. 1885, 2 Bde.)
  • Deléage: Trois mois chez les Zoulous et les derniers jours du prince impérial (Par. 1879)
  • Fritsch: Die Eingebornen Südafrikas (Bresl. 1873)
  • Gibson, J. Y.: The story of the Zulus (Pietermaritzb. 1903)
  • Jenkinson: Amazulu; the Zulus, their past history, manners, customs and language (2. Aufl., Lond. 1884)
  • Kranz: Natur- und Kulturleben der Zulus (Wiesbad. 1880)
  • Mitford: Through the Zulu country (Lond. 1883)
  • Roberts: Zulu manual (Lond. 1900)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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