Kaiserswerth

Kaiserswerth

Kaiserswerth, Stadt im [ehem.] preußischen Regierungsbezirk und Landkreis Düsseldorf, am Rhein, hat eine evangelische und eine katholische Kirche, letztere im romanischen Stil und mit einem kostbaren Schrein, in dem die Gebeine des Gründers der Stadt, des heil. Suitbertus, ruhen, eine neuerdings restaurierte Kaiserpfalzruine, eine berühmte evangelische Diakonissenanstalt (1836 vom Pfarrer Fliedner gegründet, vgl. Diakonissen; Disselhoff, Das Diakonissenmutterhaus zu Kaiserswerth [neue Ausg. 1903]), verbunden mit Lehrerinnenseminar, Mädchenweisenhaus, Irrenheilanstalt, Asyl und Magdalenenstift; ferner ein katholisches geistliches Emeritenhaus (ehemaliges Kapuzinerkloster), ein katholisches Marienhospital, Seidenweberei, Pressspan-, Pappen- und Anilinfarbwarenfabriken, Ziegelbrennerei, Molkerei, Schifffahrt und (1900) 2538 meist katholische Einwohner.

Pippin von Herstal schenkte die Insel, auf der die Stadt lag, um 710 dem Bischof Suitbert, der hier ein Benediktinerkloster errichtete. Neben dem Stift entstand die Stadt. 1062 ward der zwölfjährige König Heinrich IV. seiner Mutter, der Kaiserin Agnes, durch den Erzbischof Arno von Köln in Kaiserswerth geraubt. Bei der Belagerung 1214 durch den Grafen Adolf V. von Berg ward der eine Rheinarm durch einen Damm abgeschnitten, so dass Kaiserswerth seitdem nicht mehr auf einer Insel liegt. Kaiserswerth war Reichsstadt, kam aber 1293 an das Erzstift Köln, 1336 als Pfand an Jülich, 1368 an Kurpfalz, 1399 an Kleve, durch Kauf 1424 an Kurköln, von dem es 1772 durch Einlösung des Pfandes das Herzogtum Jülich erwarb. Kaiserswerth wurde 1689 von den Brandenburgern belagert und 1702 von den Österreichern und Preußen unter dem Prinzen von Nassau-Saarbrücken genommen und zerstört.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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