Munitionswagen

Munitionswagen

Munitionswagen (s. Munitionsergänzung), dazu gehören die Kartusch-, Granaten- und Patronenwagen, sowie die Kugel- und Bombenwagen. Die drei ersten Arten der Munitionswagen sind einander, bis auf die innere Abteilung für die besondere Beschaffenheit der Munition, völlig gleich.

Das Untergestell derselben besteht aus zwei eisernen Achsen, welche den Protzachsen, so wie die Vorderräder den Protzrädern gleich sind; die Hinterachse ist unmittelbar mit den Unterbäumen des Kastens verbunden, sonst ist der Beschlag, mit den nötigen Abänderungen, größtenteils wie bei der Protze. Das Obergestell besteht aus einem Kasten, dessen Unterbäume vor und hinter demselben hervorstehen, und vorn auf dem Achsschemel, hinten aber auf besonderen Achsstreben, mit den Achsen verbunden sind. Die Unterbäume werden zusammen durch sechs Bodenschwingen verbunden, auf denen das Bodenbrett liegt, und das in die Unterbäume eingefalzt ist. Die langen Seitenbretter des Kastens sind der mehreren Leichtigkeit wegen aus Kiefernholz, und ebenfalls in die Unterbäume eingefalzt; die kurzen eichenen Seitenbretter, Kopfstücke, greifen mit einem Falz über die Bodenbretter über, und stehen stumpf auf den äußeren Erdschwingen auf. Der dachförmige Deckel umschließt nicht nur die schmalen Seiten, sondern steht auch allenthalben beträchtlich über; er ist von dünnen kiefernen Brettern, mit Birch beschlagen. Auf dem vor dem Kasten vorstehenden Teil der Unterbäume wird ein Kästchen befestigt, dessen Deckel an der vorderen Seite mit Gelenkbändern versehen ist, und mit dem großen Wagendeckel, wenn dieser zugemacht wird, zugleich verschlossen wird. Das größere Fach dieses Kästchens enthält einen blechernen Einsatz zu Wagenschmiere; auf der Sattelseite sind zwei kleinere Fächer zu Vorratssachen; bei den Patronenwagen dient dieser Kasten zur Aufbewahrung der Flinten-, Karabiner- und Pistolensteine.

Der Beschlag ist bei den Deichseln, Achsen, Rädern etc. größtenteils wie bei den Protzen; der Kasten wird in seiner Höhe auf der Sattelseite mit fünf Bändern beschlagen, von denen das mittelste und die beiden Eckbänder auch über das mittlere Scheidebrett und die beiden Kopfstücke gehen. Quer durch den Kasten gehen, und zwar durch jede Kopf- und Scheidewand zwei, also zehn Bolzen, welche auf der Handseite mit Schrauben befestigt werden; an den oberen Bolzen der zweiten und vierten Scheidewand sind statt der Köpfe Vorreiber, zum Verschließen des Deckels. Auf der Sattelseite befindet sich am Unterbaum ein Ring, nebst der Hemmkette und ihrem Schließhaken; auf der Sattel- sowie auf der Handseite ist an der hinteren Wand eine ringförmige Öse, und ungefähr in der Mitte des Kastens ein Überwurf nebst Kramme, von welcher eine hölzerne Stange, an der ein mit Ölfarbe bestrichenes Stück Zwillich, zur Bedeckung der Futtersäcke auf den Futterbrettern befestigt ist, gehalten wird. Auf der Handseite ist nach vorne hin ein Überwurf nebst Kramme, zur Aufnahme des Schippen- und Hackenstiels; ein Bügel für das Eisen der Schippe selbst, und eine viereckige Öse an der vorderen Kante der Wand, für die Spitze der Hacke. Die Gelenkbänder des Deckels haben an der Sattelseite Überwürfe, welche über die Vorreiber greifen; außerdem geht noch zwischen beiden ein Band über denselben, auch liegt unter jedem Kopfstück eine Schiene.

In Absicht der inneren Einrichtung sind alle Munitionswagen der Länge nach durch starke Scheidewände in vier gleich große Abteilungen geteilt; beim 6pfündigen Kartuschwagen ist in der Länge jeder Abteilung, abwechselnd auf der Sattel- und Handseite, ein schmales, durch ein niedriges dünnes Scheidebrett abgesondertes Fach, welches zur Aufnahme von sieben in einer Reihe stehenden Kartätschbüchsen bestimmt ist, und unten eben so viele kleine Fächer enthält, deren Scheidewände aber ganz niedrig sind. Im 12pfündigen Kartuschwagen und beim Patronenwagen, sind außer den Hauptabteilungen keine besonderen Fächer nötig. Der 7pfündige Granatwagen enthält in jeder Hauptabteilung der Länge nach vier, und nach der Breite drei, im Ganzen also zwölf Fächer für Granaten. In die erste, zweite und vierte Abteilung wird auf die unterste Lage der Granaten noch ein Einsetzkasten, mit ebenfalls zwölf Fächern, gesetzt; in der dritten Abteilung steht auf der untersten Lage ein Einsatzkasten mit einem Deckel, aber ohne Fächer, für die Kartuschen. — Im 10pfündigen Granatenwagen enthält jede Abteilung der Länge nach, in zwei Reihen, acht Fächer für Granaten; hierdurch bleibt an der Sattelseite des Wagens in der ganzen Länge der Abteilung ein Fach für Kartuschen. In die erste, zweite und vierte Abteilung wird auf die unterste Lage der Granaten im Einsatzkasten mit ebenfalls acht Fächern für Granaten, und mit einem langen Fach auf der Handseite zu Kartuschen gesetzt; in der dritten Abteilung aber steht auf der untersten Lage ein Einsatzkasten für die übrigen Kartuschen, der nach seiner Länge zwei Scheidewände hat, und mit einem Deckel versehen ist.

Zu Kugel- und Bombenwagen kann jeder gewöhnliche Wagen mit einem einfachen Gestell, vier Rungen und einem darauf stehenden Kasten gebraucht werden, einige Scheidewände sind hinreichend, damit beim Bergauf- oder Bergabfahren die hintere oder vordere Wand des Kastens nicht den Druck der ganzen Beladung zu ertragen hat; sind die Bomben und Granaten geladen, so muss ein Deckel über dem Kasten sein. Die 50pfündigen Bombenwagen, welche stärker gearbeitet sind, haben zwölf Fächer in einer Reihe für eben so viele Bomben.

Zum Transport der Kugeln, Granaten und Bomben in den Festungen, auch bei Belagerungen, sind kleine zweirädrige Karren mit einem darauf stehenden Kasten, und einer Gabel- oder Kluftdeichsel, sehr vorteilhaft zu gebrauchen.

Bibliographie

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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