Stadthaus Ruine

Testbericht des 1:87 Modells von POLA

Stadthaus Ruine, 1:87 H0 Modellbau POLA 166

Das Modell zeigt ein ausgebombtes Stadthaus mit zerstörtem Nebengebäude. Im Schuttkegel ist die Öffnung eines Gewölbekellers zu erkennen, der den Angriff unversehrt überstanden hat. Der Hinweis "LSR --->" auf der Hauswand legt nahe, dass sich die Bewohner zum Zeitpunkt des Angriffes im nahegelegenen Luftschutzraum aufgehalten haben. Demnach ist hier vermutlich kein Mensch zu Schaden gekommen. Die frisch angeschlagenen Wahlkampfplakate vor dem Schuttkegel stellen den Bezug zur Nachkriegszeit in Deutschland her. Das Gebäudemodell erzählt viele Geschichten aus der Zeit vor und nach 1945, doch vordergründig dominiert das Bild der Zerstörung. So wie im Modell hat es zwischen 1939 und 1945 in vielen Städten ausgesehen, in Warschau wie in Rotterdam, Coventry, London, Leningrad, Stalingrad, Berlin, Dresden oder Darmstadt, um nur einige zu nennen.

Die neue Dimension der Zerstörung aus der Luft wurde erstmals während des Spanischen Bürgerkrieges getestet: Deutsche Bomber und Piloten der Legion Condor griffen im April 1937 die baskische Stadt Guernica an und machten Sie dem Erdboden gleich. Picasso lies sich von diesem Angriff zu einem seiner berühmtesten Gemälde inspirieren. Guernica war eine reine Demonstration der militärischen Stärke, die Stadt hatte keine strategische, wohl aber eine symbolische Bedeutung. Das unsinnige Morden der Zivilbevölkerung löste weltweit einen Sturm der Entrüstung aus. In der Folgezeit wurde der Bombenterror dennoch von vielen kriegführenden Parteien eingesetzt, gleich ob es sich dabei um demokratisch gewählte Regierungen oder Diktaturen handelte. Man hoffte, den Gegner zu demoralisieren und ein schnelleres Kriegsende herbeizuführen, aber das Gegenteil wurde erreicht: Tiere und Menschen leisten nämlich erbitterten Widerstand wenn sie in scheinbar auswegloser Situation heftig bedrängt werden.

Inhalt

  • Stadthaus Ruine
  • Epoche II, ab ca. 1921
  • 12 Bauteile, patiniert
  • 36 Kleinteile, Trümmer
  • Vierfarbige Transferbilder
  • Krupp-Ardelt Löffelbagger
  • 1:72er Grundriss: 17,28 × 9,00 m
  • 1:72er Höhe: 10,44 m
  • Zubehör: Römisches Pflaster Nr. 652

Bewertung

Pädagogisch wertvolle Themenwahl. Beim Bemalen und Detaillieren des Schuttkegels wird sehr schnell der Bezug zum eigenen Haus deutlich. Abgerissene Rohrleitungen, Deckenträger, Dachbalken und herumliegende Ziegel sind Teile eines Puzzles, sie zeigen den genauen Ablauf der Katastrophe. Die intensive Beschäftigung mit dem Gebäude involviert den Modellbauer in das übergeordnete Thema der Zerstörung und ihrer Folgen. Sogar der beiliegende Löffelbagger vom Typ Krupp-Ardelt liefert interessante Denkanstöße. Die Industrie produziert immer was gebraucht wird: Kanonen im Krieg, Schippe und Besen danach.

Schuttkegel

Scale Modell mit exzellenten Details. Die Anordnung der Trümmer zeigt gute Sachkenntnis. Offenbar liegt nichts wahllos herum, die Teile stehen in Bezug zueinander. Darin liegt die Kunst: Die geordnete Unordnung des Schuttkegels ist eine große Herausforderung für den Modellentwickler. Die Häufung bestimmter Bauteile muss genau überlegt werden, damit im Schuttkegel nicht wesentlich mehr Wasserrohre und Badewannen auftauchen als es im gesamten Haus gegeben hat.

Kurze Bauzeit, nur 12 Teile und verschiedene kleinere Trümmer.

Hohe Qualität. Die Bauteile sind praktisch frei von Graten, die notwendigen Angüsse am Gussast lassen sich mit dem Skalpell sauber entfernen. Das Gebäude kann auch von ungeübten Bastlern problemlos montiert werden, die Passgenauigkeit ist sehr gut. Die Verteilung der kleineren Trümmer wird im Bauplan angedeutet. Die Gestaltungsvorschläge sind wohl durchdacht und sie sollten befolgt werden.

Wer das Gebäude zur historischen Simulation verwendet, wird den Innenraum begehbar machen wollen. Balken und andere Kleinteile aus dem Zurüstsatz können zum Bau kleiner Platformen verwendet werden, auf denen später Figuren stehen können.

  • Sehr gute Farbgebung, die Gebäudemauern sind innen und außen verschiedenfarbig angelegt und sogar gealtert. Hier ist eigentlich keine weitere Bearbeitung notwendig, leichtes Trockenbürsten mit heller Sandfarbe holt aber noch mehr Details aus der Fassade heraus. Der Schuttkegel ist gealtert, aber einheitlich Mittelgrau. Die vielen Details sollten mit dem Pinsel einzeln herausgepickt werden. Hier bieten sich verschiedene Farben an, z. B. rote Ziegel, graue Träger, graubraune Balken, dunkelgraue Rohre und cremefarbene Stuckteile. Die Mühe lohnt sich.
  • Vierfarbige Transferbilder aus der Nachkriegszeit liegen bei, nur der Wegweiser zum Luftschutzraum stammt aus der Zeit vor 1945.

    Dem Bausatz liegt ein Wiking Modell des Krupp-Ardelt Löffelbaggers bei. Der Hersteller weist im Bauplan darauf hin, dass der Bagger ungewöhnlich häufig reklamiert wird. Offenbar ist das Modell derart begehrt, dass sich Langfinger an der Schachtel zuschaffen machen. Es empfiehlt sich daher, den Packungsinhalt noch im Beisein des Fachhändlers zu prüfen.

    Fehlende Fensterrahmen lassen auf einen Brand schließen. In diesem Fall sollte die Fassade aber deutliche Schmauchspuren aufweisen, insbesondere über den Fensteröffnungen. Wer eine Spritzpistole besitzt, kann sich daran versuchen.

    Die Außenmauern fallen mit nur 18 cm Stärke etwas dünn aus, 38 cm sind normal. Der Gesamteindruck ist in Ordnung.

    HO Modelle sind 21 % kleiner als Figuren und Fahrzeuge in 1:72. Der Unterschied ist gerade bei kleinen Häusern sehr deutlich. Die Stadthaus Ruine ist jedoch groß genug für Simulationszwecke, vielleicht kann man sie sogar im Hintergrund eines Dioramas verwenden und durch die Größendifferenz die perspektivische Entfernung zum Objekt andeuten.

    Historische Verwendung

    • Mittel- und Osteuropa 1939-1960

    Die Stadthaus Ruine eignet sich sehr gut für historische Dioramen und Simulationen, auch wenn Sie nicht unmittelbar zu Figuren und Fahrzeugen in 1:72 passt. Die Ruine ist anders dimensioniert als intakte HO Gebäude, das Dach fehlt und das Modell wirkt dadurch kompatibler mit den größeren Figuren und Fahrzeugen. Wer viele Häuser für Simulationszwecke benötigt, findet im HO Sortiment eine riesige Auswahl, davon können wir in 1:72 bisher nur träumen. Die Stadthaus Ruine wird bemalt und patiniert geliefert, das Modell ist in wenigen Minuten einsatzbereit und dabei wirklich preiswert. Vielleicht entdeckt einer der etablierten Hersteller von Plastikbausätzen den Militärmodellbau als Wachstumsmarkt und gibt Gebäudemodelle in 1:72 heraus.

    Fragen und Antworten

    Bitte nehmen Sie bei facebook oder im Miniatures Forum Kontakt mit der Redaktion der Military Miniatures Zeitschrift auf, wenn Sie weiterführende Information zum Thema wünschen.

    Häuser, Gebäude und Gelände für Wargames und Dioramenbau