Kurfürstentum Bayern, 1623–1805

Kurfürstentum Bayern, 1623–1805

Während des Dreißigjährigen Krieges leistete Maximilian II. Emanuel, Herzog von Bayern, dem Kaiser die wichtigsten Dienste, wofür ihm dieser 1623 die Kurwürde des geächteten Friedrich V. von der Pfalz verlieh. Für die Kriegskosten bekam er die Oberpfalz erblich und behielt sie wie die Kur auch im Westfälischen Frieden.

Im Dreißigjährigen Krieg litt Bayern schwer, namentlich von den Schweden, die Bayern 1632 zuerst besetzten. Doch vermochte sich Maximilian nicht mehr vom Kaiser zu trennen, selbst als er im Ulmer Vertrag mit Frankreich (1647) einen Versuch dazu machte, bemühte sich aber gegen Ende seiner Regierung dem erschöpften Land wenigstens nach Kräften wieder aufzuhelfen. Sein Sohn Ferdinand Maria (1651-79), für den wegen seiner Minderjährigkeit bis 1654 seine Mutter und sein Onkel Albrecht die Regierung führten, heilte allmählich die tiefen Wunden, die der Krieg geschlagen, und belebte Ackerbau und Gewerbe wieder, begünstigte die Kirche, erbaute prächtige Kirchen und stellte zahlreiche Klöster wieder her. Auch berief er 1669 wieder einen Landtag, den ersten seit 1612. Sein Sohn Maximilian II. Emanuel (1679-1726) brachte durch seinen Ehrgeiz und seine Sucht nach grÖßerer Macht viel Unglück über Bayern. Nachdem er sich im Kampf gegen die Türken Kriegsruhm erworben und die Hand der Kaisertochter Maria Antonia gewonnen hatte, erlangte er noch glänzendere Aussichten für sein Haus, als König Karl II. von Spanien ihn zum Statthalter der spanischen Niederlande ernannte und seinen Sohn, den Kurprinzen Joseph Ferdinand, zum Erben der spanischen Krone einsetzte, dessen frühzeitiger Tod (8. Febr. 1699) freilich diese Hoffnungen vereitelte.

Im Spanischen Erbfolgekrieg kämpften die bayerischen Truppen an der Seite der Franzosen, anfangs glücklich, aber nach der Niederlage von Höchstädt (13. Aug. 1704) wurde ganz Bayern von den Kaiserlichen besetzt und als erobertes Land behandelt, während der Kurfürst sich nach den Niederlanden zurückzog. Die Länder des geächteten Kurfürsten, dessen Untertanen sich wiederholt gegen die Fremdherrschaft erhoben, wurden als heimgefallene Lehen behandelt, das Innviertel mit Österreich vereinigt, die Oberpfalz an Kurpfalz gegeben, die Kurfürstin nach Italien geschickt und die Prinzen als Grafen von Wittelsbach gefangen gehalten. Erst im Frieden von Baden 1714 erhielt Max Emanuel sein Land und die Kurwürde wieder und kehrte 10. April 1715 nach München zurück.

Max Emanuels Sohn Karl Albrecht (1726-1745) sah in Glanz und Pracht die Ehre der Herrschaft und trachtete vor allem nach Vermehrung der Macht seines Hauses. Obwohl er bei seiner Vermählung mit Maria Amalia, der zweiten Tochter Kaiser Josephs I., 1722 die Pragmatische Sanktion Karls VI. anerkannt hatte, erhob er doch nach dessen Tod (1740) als Nachkomme von Kaiser Ferdinands I. Tochter Anna auf Grund von dessen Testament, dessen in München befindliche Abschrift sich aber in der wesentlichen Stelle als gefälscht erwies, und als Gemahl einer Tochter Josephs I. Einspruch gegen die Thronbesteigung Maria Theresias, verband sich 1741 mit Frankreich, nahm im Österreichischen Erbfolgekrieg Oberösterreich, ließ sich in Prag als König von Böhmen huldigen und ward in Frankfurt 1742 als Karl VII. zum deutschen Kaiser gewählt, während Bayern von den Österreichern besetzt wurde. Als Friedrich II. von Preußen ihm zu Hilfe kam und 1744 in Böhmen einfiel, kehrte Karl VII. nach München zurück und starb 20. Jan. 1745. Sein Sohn Maximilian III. Joseph erhielt 22. April 1745 durch den Frieden von Füssen gegen die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion seine Lande zurück und hob Ackerbau, Industrie und Bergbau. Durch den von dem Vizekanzler Kreitmayr 1751 entworfenen Kriminalkodex verbesserte er das Rechtswesen und stiftete 1759 die Akademie der Wissenschaften in München, deren Druckschriften er der Zensur der Jesuiten entzog. Im Siebenjährigen Krieg kämpfte die bayerische Armee an der Seite Österreichs gegen Preußen.

Als 30. Dez. 1777 Maximilian Joseph kinderlos starb, erlosch mit ihm die bayerische Linie der Wittelsbacher. Den erneuerten Hausverträgen gemäß ward Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz, Kurfürst von Bayern; die fast 4 1/2 Jahrhunderte von Bayern getrennt gewesene Pfalz, zu der nun auch Jülich und Berg gehörten, ward hierdurch wieder mit Bayern vereinigt. Sofort aber ließ Österreich, das auf das grÖßere Drittteil der Erbschaft (das ehemalige Herzogtum Straubing, die Herrschaften Mindelheim, Leuchtenberg, Wolfstein, Haag, Has u. a.) als böhmische, österreichische und Reichslehen Anspruch machte, jene Gebiete durch seine Truppen besetzen, wozu Karl Theodor, der keine legitimen Kinder besaß und für seine illegitimen die Erhebung in den Reichsfürstenstand versprochen erhielt, im voraus seine Zustimmung gegeben hatte (3. Jan. 1778). Jedoch der nächste wittelsbachische Agnat, Herzog Karl von Zweibrücken, erhob gegen die Zerstückelung Bayerns Einspruch, und Friedrich II. unterstützte ihn, um Österreich nicht zu mächtig werden zu lassen.

Da Kaiser Joseph nicht nachgeben wollte, so entstand der Bayerische Erbfolgekrieg zwischen Österreich und Preußen, der schon 13. Mai 1779 unter russischer Vermittelung durch den Frieden von Teschen beendigt wurde; Bayern verlor bloß das Innviertel an Österreich, und Zweibrücken wurde die eventuelle Erbfolge zugesichert. Ein anderer Plan Josephs II., Karl Theodor solle die österreichischen Niederlande gegen Bayern eintauschen und den Titel König von Burgund annehmen (1785), scheiterte wiederum an dem Einspruch des Herzogs Karl, zu dessen Unterstützung Friedrich II. den Deutschen Fürstenbund stiftete. Auch im Innern war Karl Theodors Herrschaft für Bayern nicht segensreich. Zwar wurde der Jesuitenorden aufgehoben, sein System aber nicht beseitigt. Jede freiere Regung des geistigen Lebens wurde unterdrückt und das Volk von der unwissenden Geistlichkeit unwissend erhalten. Die Finanzen waren zerrüttet, das Heerwesen verfallen, das Beamtentum korrumpiert. Für eine Verschmelzung Bayerns mit den rheinischen Gebieten zu einem Staatswesen ward unter Karl Theodor nichts getan.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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